Meilen

Eine Leiche, ein Kommissar und eine mysteriöse Versteigerung

Michael Theurillat hat in Meilen aus seinem Buch «Lenz» gelesen. Der Krimiautor verriet dabei auch, welche Geschichte in seinem Roman sich tatsächlich einmal so zugetragen hat.

Michael Theurillat las in der Stöckenweid nicht nur aus seinem Buch Lenz, er erklärte dem Publikum auch, weshalb er jeweils erst nach dem Schreiben mit der Recherche beginne.

Michael Theurillat las in der Stöckenweid nicht nur aus seinem Buch Lenz, er erklärte dem Publikum auch, weshalb er jeweils erst nach dem Schreiben mit der Recherche beginne. Bild: Moritz Hager

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«Die Dominanz des Mainstreams ist mir ein Graus», sagt Autor Michael Theurillat zu Beginn des Abends. Jetzt aber eine Lesung zu besuchen – wenn die meisten sich vom Vorweihnachtsstress einnehmen lassen, das sei gar nicht Mainstream. «Sie sind also eine Randgruppe», sagt Theurillat an sein Publikum gerichtet und erntet dafür zahlreiche Lacher.

Der Vorweihnachtstrubel ist an diesem Sonntagabend weit weg. Rund 40 Personen sitzen in der Meilemer Stiftung Stöckenweid. Sie hatte eingeladen zu einer Lesung mit Krimiautor Michael Theurillat. Bekannt geworden ist der gebürtige Basler und ehemalige Banker durch Romane wie «Sechseläuten» oder «Rütlischwur». Im Zentrum seiner Geschichten steht der kauzige Kommissar Eschenbach.

Die Nöte eines Nobelpreisträgers

Im Kriminalroman «Lenz», aus dem Theurillat an dem Abend liest, kommt Kommissar Eschenbach nach einer mehrmonatigen Auszeit zurück nach Zürich. Seine Vertretung, Ivy Köhler, hat sich im Dezernat breitgemacht und steht mit Eschenbach auf Kriegsfuss. Besondere Sorgen bereitet dem Kommissar aber das Verschwinden von Ewald Lenz – einem guten Freund und Kollegen. Hinzu kommt ein Fall, den Ivy Köhler voreilig zu den Akten gelegt hat: Da wurde ein gewisser Walter Habicht tot in seiner Wohnung aufgefunden. Wie sich später herausstellt, hat Lenz' Verschwinden etwas mit dem Toten zu tun. Ivy Köhler indessen hat Lenz zum Abschuss freigegeben, weil dieser die Seiten gewechselt habe.

«Meine Bücher liegen vor allem bei Frauen auf dem Nachttisch.»Michael Theurillat, Krimiautor

In seinen Roman «Lenz» hat Michael Theurillat Geschichten eingeflochten, die sich tatsächlich so zugetragen haben. Im ersten Kapitel etwa, beschreibt er die Versteigerung einer Nobelpreismedaille. 4,8 Millionen Dollar bietet ein anonymer Käufer an der Auktion. «Wenn ein knapp neunzig Jähriger die wichtigste Auszeichnung seines Lebens verkauft, wirft dies Fragen auf», liest Theurillat. Der Besitzer der Medaille war James D. Watson, der Entdecker der Doppelhelix, welche die Biochemie revolutionierte. «Das war eine der grössten Entdeckungen in der Geschichte der Menschheit», sagt Theurillat.

Recherche erst nach dem Schreiben

Neben der Geschichte mit der Medaille hat Theurillat in «Lenz» auch den Krieg in Syrien thematisiert. Ein komplexes Thema, wie er sagt. «Da müssen die Details korrekt sein.» Deshalb gebe er seine Manuskripte vor der Veröffentlichung seinem geschichtlich versierten Nachbarn zum Lesen. «Wenn er nach der Lektüre lächelt, weiss ich, dass er viele Fehler gefunden hat», erzählt Theurillat. Das Publikum lacht.

«Auch geographische Gegebenheiten müssen stimmen», sagt der Autor. «Doch wenn ich schreibe, recherchiere ich oft erst im Nachhinein.» Denn wenn es beim Schreiben läuft, dürfe er den Prozess nicht wegen Details unterbrechen. So habe er in einem Manuskript ein Opfer an einer bestimmten Stelle in Zürich in die Limmat stürzen lassen. Dort, wo sich dies zugetragen haben soll, sei ein Sturz in den Fluss aber unmöglich, wie er im Nachhinein festgestellt habe. «Also habe ich die Stelle angepasst.»

Eschenbach gehört nach Zürich

«Weshalb lesen Männer kaum Bücher», will eine Zuhörerin im Anschluss an die Lesung wissen. Theurillat schaut ins Publikum und stellt fest, dass durchaus auch Männer anwesend sind. Es räumt aber ein, dass hauptsächlich Frauen Romane lesen. «Viele Männer beginnen damit erst nach der Pensionierung», sagt Theurillat. Das habe auch etwas Gutes, scherzt er: «So liegen meine Bücher vor allem bei Frauen auf dem Nachttisch.»

Auch die Frage nach einer Verfilmung seiner Kriminalromane stellte ein Herr aus dem Publikum. Darüber habe er schon mit Fernsehmachern gesprochen, sagt Theurillat. Eschenbach habe man für einen «Tatort» ins Auge gefasst. Unter der Bedingung aber, dass dieser seinen Fall in Luzern statt Zürich löse. Dies kam für Theurillat nicht in Frage, zu verfremdet wäre dann seine Geschichte: «Für mich war klar, Kommissar Eschenbach muss in Zürich ermitteln.»

Erstellt: 09.12.2019, 15:43 Uhr

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