Männedorf

Eine Kleintierausstellung mit gefiederten Stargästen

Eine Flugschau der besonderen Art gibt es bis Sonntagabend an der Kleintierausstellung in Männedorf zu bestaunen: Taubenzüchter messen sich in einem Flugtauben-Wettkampf.

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Andere halten sich einen Hund oder eine Katze. Marcel Steegh züchtet hingegen fast schon sein ganzes Leben lang Flugtauben, die man füglich als Akrobaten der Lüfte bezeichnen kann. Am Freitagvormittag ist aus dem geöffneten Kofferraum seines Wagens ein Gurren in einem Taubenschlag zu vernehmen. «Das sind Tauben, die als Lockvögel dienen», sagt der Holländer geheimnisvoll. Der Mann aus der Provinz Limberg steht mitten auf der grossen Wiese beim Russer 60, dem Areal des Kleintierzüchtervereins Pfannenstiel, der noch bis Sonntagabend seine traditionelle Ausstellung mit vielen Jungtieren durchführt.

«Die Wiese ist eine Flugpiste mit Start und Landung», sagt der Geschäftsmann aus den Niederlanden, ehe er zur Tat schreitet. Er nimmt drei Tauben aus dem Flugkasten und hält sie in den Händen. «Es sind wunderschöne Tiere, sogenannte orientalische Roller mit buntem Gefieder, das gescheckt, farbig wie ein Tigerfell oder bläulich sein kann.» Kaum in der Luft, fliegen die Tauben in einer Art Formationsflug, vollziehen Saltos und reihen Überschläge aneinander. «Sie fliegen auch Figuren wie Mühlen oder Schrauben, die sie miteinander kombinieren», sagt Steegh.

Ausser Sichtweite

Zwei Punkterichter verfolgen die Figuren haargenau und machen sich Notizen. Im Gange ist der erste von mehreren Wettkämpfen, in denen der Gewinn der Flugtauben-Europameisterschaft auf dem Spiel steht. Insgesamt treten 20 Teilnehmer aus sechs Nationen an. Die weiteste Anreise dürfe der Vertreter aus der Slowakei gehabt haben. Marcel Steeghs Tauben haben in der Zwischenzeit grosse Höhen erreicht und sind von blossem Auge nicht mehr zu erkennen. «Vielleicht machen sie einen Ausflug Richtung See», sagt er lachend, ehe er zwei Tauben aus dem Schlag holt und sie auf den «Flugkasten» stellt. «Das sind nun die Lockvögel.» Und siehe da, die orientalischen Roller kehren zurück und vollbringen wieder ihre Kunststücke im Blickfeld der Juroren.

Steegh schickt seine Tauben auf eine weitere Tour. Eine Vorführung dauert rund eine Stunde. Zeit genug, um das Geheimnis um die Flugkünste seiner Tauben zu lüften. «Diese Tauben haben ihre Kunstflüge im Blut, sie sind ihnen angeboren. Sie fliegen von sich aus so.» Das Training bestehe einzig darin, sie möglichst viel fliegen zu lassen. «Bei der Zucht schauen wir, dass Vater und Mutter zusammenpassen, um den Jungtieren die richtigen Gene mitzugeben.» Mit seinem Wettkampf zeigt er sich zufrieden: «Es hat alles gepasst. Vor einigen Jahren sei er übrigens Europameister geworden, fügt er noch an. Und ihn fasziniere einfach der Umgang mit seinen Tieren.

Senkrecht im Sturzflug

Gleich siebenfacher Europameister ist Heinz Gerber aus Bärau im Emmental. Er liebt ebenfalls die Arbeit mit seinen Tauben. «Sie sind treu und zuverlässig.» Es sei spektakulär, ihnen zuzusehen. Damit meint er speziell seine Kelebek-Tauben. Wie ihr türkischer Name andeutet – er bedeutet «Schmetterling» – ist ihr Flug besonders vielfältig. Sturzflieger mit den kuriosen Namen Wamme und Wuta nennt Gerber ebenso sein Eigen. Sie kommen mit Unterstützung der Lockvögel in horrendem Tempo senkrecht im Sturzflug zum Flugkasten zurück. «Das ist ihnen angeboren», sagt auch Gerber. «Das Gleiche gilt für die Brieftaube.» Wenn sie einmal ihr Zuhause geortet habe, finde sie immer zurück.

Unter die Zuschauer der nicht alltäglichen Flugschau haben sich auch Marcel Kuster, Präsident des Kleintierzüchtervereins Pfannenstiel, und Ehrenpräsident Willi Graf eingefunden. Der Nidwaldner Franco Visona, Präsident der Europäischen Flugroller-Union, bedankt sich bei ihnen für die Einladung. «Wir bekamen für unseren Anlass eine zusätzliche Attraktion», bemerkt Kuster. Die Kleintierausstellung mit Kaninchen, Ponys, Hühnern, Truten, Geissen, Enten und Schafen – darunter viele Jungtiere – hat bereits am Freitag viele Besucher, meist Familien mit Kindern, angelockt.

Erstellt: 01.06.2019, 11:06 Uhr

Am Samstag Beizenschluss um Mitternacht

Am Samstag dauern die Flugtauben-Wettkämpfe im Russer 60 in Männedorf von 9 bis 16 Uhr. Die Kleintierausstellung des Kleintierzüchtervereins Pfannenstiel ist bis 20 Uhr geöffnet. Die Festwirtschaft ist bis um Mitternacht offen, mit Ländlermusik und Auftritten des Alphorntrios Hochwacht sowie des Jodlerchörlis Stäfa. Am Sonntag sind Ausstellung und Festwirtschaft von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Tagsüber findet auch Schaufliegen mit den Tauben statt. (uz)

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