Meilen

Eine Beruhigung, die für Aufregung sorgt

Die Dorfstrasse soll zur Begegnungszone werden, in der Fussgänger Vortritt haben und Autos nur 20 km/h fahren dürfen. Zwei Fronten prallen aufeinander, wenn die Meilemer darüber entscheiden.

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Zu einem Schlagabtausch dürfte es am Montagabend in Meilen kommen: Dann stehen sich Befürworter und Gegner der Begegnungszone gegenüber, die auf einem 250 Meter langen Abschnitt auf der Dorfstrasse entstehen soll. Der Gemeinderat will die Strasse, die parallel zu den Gleisen verläuft und am Bahnhof vorbei führt, beruhigen. Tempo 20 statt Tempo 50 soll im zentralen Abschnitt künftig gelten, Fussgänger hätten neu Vortritt. Die Gemeindeversammlung stimmt über eine entsprechende Vorlage ab, welche die Meilemer schon seit Wochen entzweit. Die wichtigsten Punkte im Überblick.

Verkehr: 7000 Fahrzeuge verkehren heute täglich auf der Dorfstrasse. Nach der Seestrasse ist sie die wichtigste Verbindung in der Gemeinde von Ost nach West. Sie sei ein Durchgangskorridor und auf den motorisierten Verkehr ausgerichtet, sagt der Gemeinderat. Er will dies ändern und den Strassenraum aufwerten. Langsamverkehr und motorisierter Verkehr sollen gleichermassen Platz haben - deshalb neu Tempo 20 statt Tempo 50. Die trennende Wirkung der Strasse soll aufgehoben werden.

Kosten: Die Dorfstrasse befindet sich in schlechtem Zustand und muss erneuert werden. Die Kosten dafür betragen rund 3 Millionen Franken. Da es sich dabei um gebundene Ausgaben – also um wiederkehrende Unterhaltskosten – handelt, kann der Gemeinderat den Kredit dafür selbst sprechen. Jenen für die Umwandlung des Abschnitts in die Begegnungszone muss er hingegen der Gemeindeversammlung vorlegen. Es geht um 875000 Franken.

Strassenraum: Der Betrag wird unter anderem dafür verwendet, um den Strassenraum neu zu strukturieren. Das Gebiet vor dem Bahnhof soll stärker wie ein Platz wirken. Hier wird der normierte Fahrbereich aufgehoben. Stattdessen begrenzen der Bahnhof und das gegenüberliegende Gemeindehaus den Platz. Vor und nach dem Bahnhof wird die Dorfstrasse verschmälert. Sie ist noch 5,4 Meter breit statt wie bisher 6,3 bis 7 Meter. Am Strassenrand werden in lockeren Abständen Bäume gepflanzt. Diese verengen optisch die Fahrbahnbreite, was dazu beitragen soll, dass Autofahrer weniger schnell unterwegs sind.

Parkplätze: In den Lücken zwischen den Bäumen werden Parkplätze angeordnet. Diese seien direkt anfahrbar, sagt der Gemeinderat. Heute seien seitliche Parkmanöver nötig, da die Abstände zwischen den bestehenden längsseitigen Parkplätzen minimal seien. Da die Abstände vergrössert werden, gehen allerdings Parkplätze verloren. Statt 34 wird es an der Dorfstrasse nur noch 26 geben. Im Gegenzug wird das Parkieren im nahe gelegenen Parkhaus am Dorfplatz während der ersten halben Stunde gratis sein.

Die Front zwischen Befürwortern und Gegnern der Vorlage verläuft quer durch die Meilemer Bevölkerung. In den Leserbriefspalten in der Dorfpublikation «Meilener Anzeiger» bezeichnen einige das Projekt als Rohrkrepierer, andere finden es grossartig. Von den Parteien haben sich bisher die SVP sowie die FDP, die CVP und die SP öffentlich geäussert. Letztere Parteien unterstützen die Vorlage, dagegen ist einzig die SVP.

Kritik: Einige Meilemer monieren, dass sich grosse Fahrzeuge künftig kaum noch kreuzen könnten. Es werde ein Verkehrschaos geben. Der Gemeinderat hingegen sagt, gemäss Verkehrsexpertisen sei das Kreuzen von Lastwagen oder Bussen mit einem Auto bei einer Geschwindigkeit von 20 km/h gewährleistet. Dank sechs Ausweichstellen könnten auch zwei Busse problemlos aneinander vorbeikommen. Die Kritiker überzeugt das nicht. Sie befürchten zudem, dass der Verkehr aufgrund der tieferen Höchstgeschwindigkeit nur noch zähflüssig über die Dorfstrasse verläuft und es zu gefährlichen Situationen kommen könnte, wenn Fussgänger von allen Seiten die Strasse überqueren würden. Teils hegen sie den Verdacht, dass es dem Gemeinderat eigentlich darum geht, möglichst viele Autos aus dem Dorf zu verbannen. Kritisiert wird auch, dass künftig weniger Parkplätze zur Verfügung stehen sollen. Darunter werde das Gewerbe genauso leiden wie unter Tempo 20, da mit diesen Massnahmen den Konsumenten der Zugang zu den Geschäften erschwert werde.

Lob: Die Befürworter glauben indessen, dass die Begegnungszone mit tieferer Höchstgeschwindigkeit das Gewerbe stärkt, da sich dann die Passanten länger im Gebiet aufhalten. Im Gegensatz zu heute sei stressfreies Einkaufen möglich, derBegegnungsraum fördere die Einkaufsfreude. Andernorts habe sich diese Massnahme bewährt. Es sei es zu begrüssen, dass nicht mehr alles dem motorisierten Verkehr untergeordnet werde.

Zustimmung, Ablehnung, Rückweisung: An der Gemeindeversammlung sind verschiedene Szenarien denkbar. Bei einem Ja schreitet das Projekt wie geplant voran. Ein Nein hätte wohl zur Folge, dass die Dorfstrasse zumindest teilweise vorzeitig saniert werden müsste, bevor klar ist, wie es weitergeht. Nicht auszuschliessen ist auch ein Rückweisungsantrag, mit dem die Behörde beauftragt würde, ein neues Projekt auszuarbeiten. Auch dies hätte Verzögerungen zur Folge. Ebenso wäre es möglich, dass nicht die Gemeindeversammlung vom Montagabend den endgültigen Entscheid fällt, sondern das Geschäft an die Urne verwiesen wird.

Erstellt: 27.02.2019, 15:50 Uhr

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