Zollikon

Ein Weihnachtsfest zwischen den Kulturen

Die Zollikerin Liisa Helve erzählt, wie ihre finnisch costa-ricanische Familie Weihnachten feiert. Überraschend gering sind die Unterschiede zwischen den skandinavischen und mittel-amerikanischen Bräuchen.

Weihnachten auf finnisch: Liisa Helve-Sibaja in ihrer Küche mit einem Blech voll Lebkuchen – «pipareita».

Weihnachten auf finnisch: Liisa Helve-Sibaja in ihrer Küche mit einem Blech voll Lebkuchen – «pipareita». Bild: Michael Trost

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«Die Sauna wird mir an Weihnachten schon fehlen», sagt Liisa Helve-Sibaja, die Weihnachten dieses Jahr nicht in Finnland oder Costa Rica sondern in Zollikon verbringt. Die Finnin lebt seit Ende der 90er-Jahre mit ihrem costa-ricanischen Mann und ihrer Tochter am Zürichsee. Der Saunabesuch gehört für sie, wie für die restlichen fünf Millionen Finnen, unbestritten zu einem gelungenen Heiligabend.

Statt in der Sauna kommt sie dieses Jahr beim Joggen ins Schwitzen. «Wir Finnen beharren schon sehr stark auf unseren Traditionen», sagt Helve schmunzelnd. Sie ist sich aber mittlerweile gewohnt auch in der Schweiz oder in Costa Rica zu feiern. «Die richtige Stimmung ist entscheidend.» Dafür sei vor allem ihre Familie zuständig.

Gerichte aus Nord und Süd

Das Weihnachtsfest der Familie Helve-Sibaja ist eine Mischung aus skandinavischen und mittelamerikanischen Bräuchen. «Weil ich koche, orientieren wir uns vielleicht etwas stärker an Finnland», lacht Helve. Überraschend gering seien aber die Unterschiede zwischen den finnischen und costa-ricanischen Weihnachtsgerichten.

«Als Hauptgang kommt in beiden Ländern ein gesalzener Schinken auf den Tisch.» Zudem sei Milchreis, der in Finnland traditionell am Mittag des 24. gegessen wird, in Costa Rica als Dessert bekannt. Zu den finnischen Rezepten, die nur an Weihnachten zubereitet werden, gehören verschiedene Aufläufe, unter anderem mit Steckrüben und Rüebli, sowie Fischgerichte wie «Glasmeisters Hering» oder kaltgeräucherter Lachs.

Costa-ricanische Einflüsse finden in Form von «Tamales» oder «Empanadas» Eingang in das Festtagsmenü der Zolliker Einwandererfamilie. «Empanadas» sind mit Kidneybohnen gefüllte Maisteigtaschen. «In Costa Rica ist es üblich, dass die ganze Familie bei der Zubereitung der Tamales mithilft», erzählt Helve. In den Teig kommen Maismehl und Kartoffeln sowie verschiedene Gewürze. Gefüllt werden die Quiches mit Paprika, Fleisch, Oliven und Erbsen. «Danach werden sie in Bananenblätter gewickelt.» Diese seien in der Schweiz in guter Qualität schwer zu bekommen. «Eigentlich bekommt man hier sonst fast alle Zutaten, die wir brauchen», sagt Helve. «Mit dem Schweizer Fischangebot tue ich mich aber immer noch schwer.» Im Binnenland lasse dieses zu wünschen übrig, vor allem im Vergleich zu Helves Heimatstadt Kotka, die direkt am Meer liegt.

Wer bringt die Geschenke?

Weil andere Traditionen, wie der Besuch der Sauna oder des Friedhofes dieses Jahr wegfallen, würde den Weihnachtsgerichten eine umso grössere Bedeutung zufallen. Diese werden schon im Vorfeld zubereitet. Während in Costa Rica erst am Abend gefeiert wird, beginnt das Fest für Helve um 12 Uhr mittags am Heiligabend. Dann wird in der Stadt Turku die Weihnachtsruhe verkündet und neben dem nationalen Fernsehsender im Internet übertragen und so auch von zahlreichen Auslandsfinnen wie Helve mitverfolgt.

Angesichts der kulturellen Vielfalt in der Familie stellt sich die Frage, wer eigentlich für die Geschenke zuständig ist – der Weihnachtsmann oder das Christkindli? «Wir haben uns darauf geeinigt, dass in Finnland der «Joulupukki» vorbeischaut und «El Niño» in Costa Rica.» Dann bleibt noch die Sache mit dem Samichlaus. Der Morgen des 6. Dezember ist dem Chlausbesuch gewidmet, am Abend wird der finnische Unabhägigkeitstag gefeiert – ein gelungene Integration. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 15.12.2016, 15:21 Uhr

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