Gesundheit

Ein Vierbeiner begleitet im Spital Männedorf schwerkranke Patienten

Das Spital Männedorf hat mit Hero seinen ersten Therapiehund. Der Zwergpudel besucht mit seiner Besitzerin Mia Haller Patienten auf der Palliativstation.

Seit letztem Juni ist der Zwergpudel Hero gemeinsam mit seiner Halterin Mia Haller ein regelmässiger Besucher auf Palliativstation des Spitals Männedorf. Hier mit Patient Hans Zbinden.

Seit letztem Juni ist der Zwergpudel Hero gemeinsam mit seiner Halterin Mia Haller ein regelmässiger Besucher auf Palliativstation des Spitals Männedorf. Hier mit Patient Hans Zbinden. Bild: Michael Trost

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Hero winselt ungeduldig und hat dabei sein Frauchen Mia Haller fest im Blick. Der Zwergpudel befindet sich an einem für Hunde ungewöhnlichen Ort: In der Palliativstation des Spitals Männedorf. Er ist der erste Therapiehund des Spitals und der einzige Vierbeiner, der dessen Gebäude betreten darf.

Nun will er endlich mit Arbeiten anfangen, statt zuzuschauen, wie sich seine Halterin mit Journalisten unterhält. An diesem Tag steht nämlich die Therapie mit Hans Zbinden auf dem Programm. Der 78-Jährige ist dement und in ambulanter Behandlung auf der Station.

Kuscheln auf dem Sofa

Mia Haller legt dem älteren Herrn eine rote Decke auf den Schoss. «Das ist wie ein Ritual, dann weiss Hero, dass er aufs Sofa darf», erklärt sie. Der kleine, schokobraune Hund springt neben Hans Zbinden auf die Couch und klettert mit vorsichtigen, aber sicheren Bewegungen auf die rote Decke.

Wenn Hero das Spital Männedorf betritt, drehen sich einige Köpfe.

Geduldig lässt er sich streicheln. Auf ein Zeichen seiner Besitzerin hin schmiegt er sich an den Mann und legt sein Köpfchen auf dessen Brust. Auf Hans Zbindens Gesicht breitet sich ein Lächeln aus. «Willst Du Hero ein Guetzli geben?», fragt Mia Haller den Patienten. Dieser will und die Hundebesitzerin reicht ihm die Belohnung für Hero, der das Ganze mit seinen bernsteinfarbenen Augen gespannt verfolgt. Dennoch nimmt er das Guetzli ohne jegliche Gier, ganz sanft aus Zbindens Händen.

Das Geschehen strahlt eine eigentümliche Ruhe und Vertrautheit aus. Wenn Haller mit ihrem Hero kommuniziert, tut sie das während dieser Therapie nicht mit Worten, sondern mit den Augen, Zeichen oder Berührungen. Als der Vierbeiner schliesslich von Hans Zbindens auf Hallers Schoss wechselt, ist dies das Zeichen, dass die Therapie vorüber ist. «Du hast es gut gemacht», lobt Haller ihren sechsjährigen Rüden.

Alles freiwillig

«Hero ist ein Eisbrecher, ein Zungenlöser», beschreibt die Hundehalterin dessen Wirkung. «Die Patienten fangen an, mit dem Hund zu reden.» Ihr ist es wichtig, dass Hero «seine Arbeit» freiwillig macht. Die Hombrechtikerin sitzt deswegen bei der Therapie ganz nahe dabei und achtet auf jede Regung ihres Vierbeiners. Dies um rechtzeitig zu erkennen, ob er durch seine Körpersprache anzeigt, dass es ihm zuviel wird. «Wenn der Hund unruhig wird, weiss ich, dass er genug hat.» Sobald sie mit Hero die Palliativstation betritt, zieht sie ihm sein rotes Geschirr aus und lässt ihn von der Leine. «Er entscheidet selbst, ob er ins Patientenzimmer gehen will oder nicht.» Es sei bis jetzt aber kein einziges Mal vorgekommen, dass Hero nicht zum Patienten habe gehen wollen.

Hero ist der erste Therapiehund, der im Spital eingesetzt wird.

«Es ist sein Wesen, dass er Menschen gerne Trost spendet und keine Dressur», erklärt sie. «Er ist ein ruhiger gelassener Hund.» Mia Haller und Hero haben jedoch die vorgeschriebene Ausbildung beim Verein Therapiehunde Schweiz absolviert und die Abschlussprüfungen erfolgreich bestanden. Hero war vor seinem Start im letzten Sommer in Männedorf regelmässig im Spital Bülach im Einsatz, wo er nur noch einspringt, wenn es nötig ist. Zusätzlich setzt Mia Haller ihn für Therapieeinsätze in der Stiftung Brunegg in Hombrechtikon bei Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen ein. Sie selbst arbeitet dort mit einem 30-Prozent-Pensum.

Hero spürt den Tod

Wenn Hero Hans Zbinden besucht, kuschelt er mit diesem auf dem Sofa oder die drei gehen gemeinsam in ein Café. Andere Patienten sind weniger mobil oder sogar bettlägerig. Dann legt sich der Therapiehund auch mal ins Krankenbett. Dies darf er, weil Pudel nicht haaren und auf die Bettdecke ein zusätzliches Tuch gelegt wird. Es gibt aber auch wesentlich grössere Therapiehunde. «Die Rasse und die Grösse sind nicht ausschlaggebend, sondern der Charakter des Hundes», erklärt Haller.

Merkt Hero, wenn ein Mensch am Ende seines Lebens angelangt ist, der Tod unmittelbar bevorsteht? «Ja, seine Bewegungen sind dann vorsichtiger und er schaut mich mehr an», beschreibt Haller die Situation. Sie rede dann mit dem Patienten, das helfe auch Hero. «Er merkt, wenn jemand traurig ist und will das ausgleichen.»

«Früher habe ich mich nicht mit dem Tod auseinandergesetzt. Seit ich hier arbeite, kann ich den Tod annehmen.»Mia Haller

Fünf bis 20 Minuten dauert eine Therapie mit Hero, je nachdem, wie lange der Hund möchte. Therapieeinsätze auf der Palliativstation sind besonders anspruchsvoll. «Das will auch nicht jeder Therapiehund machen», erklärt Haller. Aber auch für die 60-Jährige selbst, ist die ehrenamtliche Tätigkeit mit todkranken Menschen nicht immer leicht. «Früher habe ich mich nicht mit dem Tod auseinandergesetzt. Seit ich hier arbeite, kann ich den Tod annehmen.»

Letztens hatten sie aber auch einen ganz anderen Einsatz im Spital. «Jemand hatte Angst vor einer Operation», erinnert sich Haller. «Dann kam Hero und die Welt war wieder in Ordnung.» Wenn der Zwergpudel seinen Einsatz beendet hat, bekommt er etwas Kaffeerahm, der mit Wasser verdünnt ist. «Sein Rähmli, das fordert er auch ein», sagt Haller schmunzelnd. Dann zieht sie ihrem Hund sein rotes Therapiehundegeschirr wieder an und durch die Krankenhausflure geht er «mit seinem stolzen Gang» auf den Heimweg. Ein kleiner Hund mit einem grossen Herzen. Oder wie es sein Name schon sagt: Ein Held auf vier Pfoten.

Im Spital Zollikerberg hilft Chico

Hero ist nicht der einzige tierische Helfer in den Spitälern der Region. Im Spital Zollikerberg «arbeitet» Chico seit knapp zwei Jahren als Therapiehund. Der Australian Shepherd ist auf der spezialisierten Pflegestation, das heisst bei palliativen und geriatrischen Patienten, im Einsatz. «Chico wird von den Patienten und den Angehörigen sehr geschätzt», sagt Spitaldirektorin Orsola Vettori. «Alle zeigen grosse Freude am Hundebesuch.» Es werde natürlich vorher abgeklärt, ob Patienten Besuch wünschten.






Erstellt: 13.01.2020, 13:55 Uhr

Anspruchsvolle Ausbildung

Seit 1992 bildet der Verein «Therapiehunde Schweiz» Therapiehunde und deren Hundeführer aus. Dabei handelt es sich um Privatpersonen, die als Freiwillige unentgeltlich im Einsatz sind. Ausser einem offenen, menschenfreundlichen Wesen müssen die Tiere auch über einen gewissen Grundgehorsam verfügen und mit anderen Hunden verträglich sein. Ob Rassehund oder Mischling spielt dabei keine Rolle, auch die Grösse ist nicht ausschlaggebend: So haben auch schon ein Chihuahua und ein Bernhardiner die Ausbildung absolviert.

Durch einen Eintrittstest stellt der Verein sicher, dass nur geeignete Hunde beziehungsweise Hundehalter ausgebildet werden. Während der Ausbildung werden die Hunde mit allem, was ihnen begegnen könnte, vertraut gemacht: Etwa mit Rollstühlen oder glatten Krankenhausböden. Zudem lernen sie, sich von fremden Menschen anfassen zu lassen, auch auf ungeschickte Art. Auch der Hundeführer wird geschult, etwa in der Gesprächsführung mit Gehörlosen oder bezüglich Hygieneaspekten. Bevor ein Hundehalter mit seinem Hund das Therapiehunde-Zertifikat erhält, müssen zwei praktische und eine theoretische Prüfung abgelegt werden.(red)

Mehr Infos: www.therapiehunde.ch

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