Meilen

Ein Spaziergang zu den Meilemer Krebsen

Das Naturnetz Pfannenstiel lädt zu Abendspaziergängen ein. In Meilen ging ein solcher zu einheimischen Flusskrebsen im Schwabach. Krebsexperte Rolf Schatz brachte die Tiere den Besuchern näher.

Krebsexperte Rolf Schatz erklärt, wie sich die einheimischen Flusskrebsarten unterscheiden lassen.

Krebsexperte Rolf Schatz erklärt, wie sich die einheimischen Flusskrebsarten unterscheiden lassen. Bild: Manuela Matt

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Dicke Scheren und dünne, gepanzerte Beinchen zappeln in der Luft. Rolf Schatz hält den etwa 10 Zentimeter grossen Flusskrebs am Rückenpanzer fest und zeigt ihn in die Runde. Der Krebsexperte und Langnauer Gemeinderat erklärt seinen Zuhörern, wie sich bestimmten lässt, ob man ein männliches oder ein weibliches Tier in der Hand hält: «Das Geschlecht erkennt man erst, wenn man das Tier umdreht», erklärt er. «Die männlichen Flusskrebse haben vier zusätzliche Begattungsbeine, die weiblichen nicht.»

Um Schatz herum stehen rund fünfzig interessierte Menschen in Gummistiefeln und mit Taschenlampen bewaffnet. Es ist Mittwochabend, am Himmel ziehen Gewitterwolken vorbei. Doch noch regnet es nicht und alle Blicke sind auf das Flipchart gerichtet, das Schatz auf dem Parkplatz an der Ländischstrasse in Meilen aufgestellt hat.

Der Ausflug zu den Flusskrebsen im Meilemer Schwabach gehört zu einer Reihe von Abendspaziergängen, welche das Naturnetz Pfannenstiel jährlich organisiert. Es geht etwa zu den Glühwürmchen in Zumikon oder eben den Flusskrebsen in Meilen.

Dohlenkrebse im Schwabach

«Und wann sehen wir endlich die Krebse?» fragt ein kleines Mädchen. Es ist schon dunkel geworden. Das muss es auch sein, denn Flusskrebse sind nachtaktiv. Taschenlampen werden angeknipst und die Gruppe stiefelt zum nahegelegenen Schwabach.

Der kleine Dorfbach führt nur wenig Wasser und die Ufer sind matschig. «Da ist einer!» ruft jemand und alle leuchten auf die Stelle. Ein kleiner Krebs bahnt sich seinen Weg durch das Laub am Grund. Und er ist nicht alleine. In allen Grössen tummeln sich die heimischen Dohlenkrebse im Schwabach. «Sie sind eigentlich artuntypisch für das Zürichseegebiet», sagt Schatz. «Der Steinkrebs kommt hier öfters vor.» Der Stein-, Edel- und der Dohlenkrebs sind die drei einheimischen Arten.

Krebspest und Trockenheit gefährden die Krebse

Doch die Krebse haben es nicht einfach in der Schweiz und gehören zu den bedrohten Arten. Der trockene Sommer machte den einheimischen Krebsbeständen zu schaffen. «Die 80 Populationen, die wir bisher überprüft haben, sind um 40 Prozent geschrumpft», sagt Schatz. Flusskrebse seien empfindlicher als andere Wassertiere. So reagieren sie auch schnell auf Verschmutzung in Gewässern. «Zu den Hauptgefahren zählen hier chemische Abfallstoffe, die in der Kläranlage nicht herausgefiltert werden und Mikroplastik», sagt der Krebsexperte.

Der grösste Feind der Krebse ist jedoch die Krebspest, eine lange unbekannte Pilzerkrankung, welche von amerikanischen Flusskrebsen übertragen wird. Diese wurden im 19. Jahrhundert eingeschleppt. Sie sind gegen den Pilz immun, können ihn jedoch übertragen. «Wenn die amerikanischen Krebse sich häuten, setzen sie die Pilzsporen frei», sagt Schatz . «Und diese fallen die einheimischen Tiere an.» In kurzer Zeit werden so ganze Populationen vernichtet.

Die Dohlenkrebse im Schwabenbach sind vorerst vor der Krankheit sicher. «Die Frage ist, wie lange. Denn im Zürichsee gibt es schon länger amerikanische Flusskrebse.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 31.08.2018, 14:51 Uhr

Artikel zum Thema

Renaturierte Riedwiese stand im Mittelpunkt

Forch Vertreter nahezu aller Institutionen, denen der Naturschutz in der Region wichtig ist, haben sich zum 20-Jahre-Jubiläum des Naturnetzes Pfannenstiel eingefunden. Im Blickfang stand die Guldenen, das Vorzeigeprojekt des Jubilars. Mehr...

Kinder entdecken die Natur im Dorf

Küsnacht Um die Natur zu entdecken, muss man nur vor die eigene Haustür schauen. Das zeigt die Schnitzeljagd des Naturnetz Pfannenstiel. Eine vierte Klasse aus Meilen ging in Küsnacht auf Erkundungstour. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Kommentare

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben