Erlenbach

Ein Raum für ganz Erlenbach soll entstehen

Die reformierte Kirchgemeinde prüft einen Co-Working Space im Kirchgemeindehaus. Der Raum soll von Privatpersonen, genauso wie von Vereinen genutzt werden können. Dies bringt einige Schwierigkeiten mit sich.

Die reformierte Kirche Erlenbach suchte seit bald zwei Jahren nach einer neuen Nutzung für die ehemaligen Bibliothek.

Die reformierte Kirche Erlenbach suchte seit bald zwei Jahren nach einer neuen Nutzung für die ehemaligen Bibliothek. Bild: Michael Trost

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Seit Mitte 2018 stehen sie leer, die Räumlichkeiten der ehemaligen Bibliothek im reformierten Kirchgemeindehaus Erlenbach. Die Wände sind kahl, doch von der Decke hängt bereits Weihnachtsdekoration. Tische für die gut 30 Anwesenden am Informationsanlass vom vergangenen Mittwoch mussten speziell für diesen Abend herbeigeschafft werden.

Die evangelisch-reformierte Kirchenpflege sucht seit dem Auszug der Bibliothek nach einer Nutzung für den gut 60 Quadratmeter grossen Raum. Ursprünglich wurde er zur Vermietung ausgeschrieben, doch weil das Gebäude in einer Zone für öffentliche Bauten steht und somit nicht gewerblich genutzt werden kann, gestaltete sich die Suche nach einem Mieter schwierig. Nun hat eine Komission ein Konzept ausgearbeitet: Es soll ein sogenannter Co-Working Space entstehen, ein Gemeinschaftsbüro. Zudem soll der Raum von Erlenbacher Vereinen und Organisationen genutzt werden können.

Diesen Vorschlag präsentierte Karolina Kuprecht, die Ressortverantwortliche für Liegenschaften der Kirchgemeinde Erlenbach, am Mittwochabend. «Es handelt sich dabei erst um einen Entwurf» sagte sie gleich zu Beginn. «Wir sind hier, um zu sehen, ob ein solcher Plan überhaupt auf Anklang stossen würde.»

Vom Umfeld profitieren

Das präsentierte Nutzungskonzept sieht vor, dass sich nur 20 Personen für den Co-Working Space anmelden können. Sie würden sich dann für ein Jahr mit einem Beitrag einkaufen. «Für Mitglieder der Kirchenpflege Erlenbach würde das 100 Franken jährlich kosten, für Mitglieder einer anderen Schweizer Kirche 200», sagte Kuprecht. Wer als Externer sich anmelden wolle, müsse einen Beitrag von 1000 Franken aufwenden. «Im Vergleich zu anderen, vergleichbaren Angeboten ist der Preis jedoch sehr tief veranschlagt», führte sie weiter aus. Man könne beispielsweise von bestehenden Angeboten wie der Kinderbetreuung im Kirchgemeindehaus profitieren.

«Wir sind hier, um zu sehen, ob ein solcher Plan überhaupt auf Anklang stossen würde.»Karolina Kuprecht

Wo liegt also der Haken? «Der Co-Working Space wäre nur subsidiär», sagte Kuprecht. Denn neben den 20 Personen, die den Raum als Gemeinschaftsbüro nutzen würden, stünde der Raum auch juristischen Personen zur Verfügung. Vereine oder Stiftungen könnten ihn zum Beispiel für Generalversammlungen benützen – und zu diesem Zweck reservieren. Unter den Anwesenden war es dieser Punkt, der Skepsis hervorrief. So merkte jemand an: «Würde ich mich also einmieten, müsste ich mich den Vereinen beugen?» Auch Pfarrer Andreas Cabalzar meldete sich: «Würde ich hier arbeiten wollen, was ich mir übrigens gut vorstellen kann, bräuchte ich eine gewisse Sicherheit, wann ich hier arbeiten kann.»

Die Kirchenpflege nahm die Kritik sofort auf: «Eventuell müsste man die Zeit zwischen 8 und 17 Uhr für das Co-Working reservieren.» Am Abend und an Wochenenden würde der Raum dann den Vereinen offen stehen. Es soll nämlich ein Raum fürs Dorf werden, der so wenig wie möglich leer steht.

Doch diese Koexistenz bringt weitere Schwierigkeiten mit sich. Jede der 20 Personen hat nämlich das Recht, den Raum pro Jahr für acht Stunden exklusiv zu mieten – zum Beispiel für Kindergeburtstage. «Um einen Co-Working Space attraktiv zu machen, müsste man grosse Bildschirme zur Verfügung stellen», meldete sich eine Stimme aus dem Publikum. «Wenn so bis 17 Uhr gearbeitet wird und im Anschluss direkt ein Kindergeburtstag stattfindet, entstehen ganz neue Gefahren für die Infrastruktur.»

Straffer Zeitplan

«Noch sind wir in der Phase des Einschätzens und des Erforschens», erklärte Kuprecht. «Es wird aber Zeit, zum Ausprobieren überzugehen.» Der Finanzvorsteher der Kirchgemeinde, Ueli Brunner, pflichtete ihr bei: «Wir führen hier einen Event mit 30 Leuten durch, für den Anfang sollte die Infrastruktur also reichen.» Bevor man viel Geld in die Hand nehme, sollte man zuwarten. Zuerst muss man wissen, wie gross die Nachfrage überhaupt ist. Seine Devise lautet: «Let’s go, einfach machen.» Kuprecht pflichtete ihm bei: «Im Optimalfall können wir bereits nächstes Jahr den Probebetrieb aufnehmen.»

Nun liegt der Ball bei den Gästen: Vereine und Organisationen müssen ihr Interesse anmelden, genauso wie Privatpersonen. Bereits vor der Veranstaltung gingen zwei Interessentenmeldungen bei Kuprecht ein – «hoffentlich werden es danach mehr.»

Erstellt: 15.11.2019, 14:55 Uhr

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