Herrliberg

Ein Politiker führt neu das Gewerbe

Der Gewerbeverband des Bezirks Meilen wagt einen Neuanfang mit FDP-Kantonsrat Peter Vollenweider als Präsident. Nach dem überstürzten Abgang seines Vorgängers wurde der Stäfner von den Delegierten einstimmig gewählt.

Peter Vollenweider, FDP-Kantonsrat aus Stäfa und selbständiger Berater in der Finanzbranche, ist neuer Präsident des Gewerbeverbandes.

Peter Vollenweider, FDP-Kantonsrat aus Stäfa und selbständiger Berater in der Finanzbranche, ist neuer Präsident des Gewerbeverbandes. Bild: Archiv ZSZ

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Der Interimspräsident Philippe Chevroulet nahm vor knapp 60 Gewerbler-Kollegen an der Delegiertenversammlung in der Vogtei Herrliberg kein Blatt vor den Mund: «Den Bettel hingeschmissen» habe der bisherige Präsident des Gewerbeverbands Bezirk Meilen, Jürg Waldvogel.

Die Ereignisse nahmen ihren Lauf bereits im vergangenen Oktober. Damals kündigte Waldvogel, der erst anderthalb Jahre im Amt war, seinen Rücktritt auf die DV 2017 an. Im Dezember dann der Knall: Der Erlenbacher informierte den Vorstand per E-Mail über seinen sofortigen Rücktritt. Aus diesem Schreiben verlas Chevroulet an der Versammlung. Das Gehörte legt den Schluss nahe, dass sich Waldvogel von seinen Kollegen fallengelassen fühlte. Selber wollte er sich im Januar gegenüber der ZSZ nicht zum Rücktritt äussern.

Keinen Gewerbeberuf erlernt

Interimspräsident Chevroulet, der eigentlich Kassier und Vizepräsident ist, hat seine Mission in den letzten fünf Monaten erfüllt. Er konnte den Delegierten einen hochkarätigen Kandidaten für die Nachfolge an der Spitze des Gewerbeverbandes präsentieren: Peter Vollenweider, FDP-Kantonsrat aus Stäfa und selbständiger Berater in der Finanzbranche.

Die Versammlung wählte Vollenweider einstimmig. Dieser räumte in seiner kurzen Ansprache zwar ein, keinen gewerblichen Beruf erlernt zu haben – er studierte Betriebswirtschaft an der Universität St. Gallen. Mit dem Gewerbeverband gebe es trotzdem zwei wichtige Übereinstimmungen, sagte Vollenweider: die Verankerung im Bezirk Meilen und die Tätigkeit als Unternehmer.

Gewinn erzielt

Weil letztes Jahr aufgrund der Turbulenzen in der Verbandsführung kaum Ausgaben getätigt wurden, schliesst die Jahresrechnung mit einem Gewinn von 23 000 Franken. Für 2017 verzichtet der Gewerbeverband darauf, einen Mitgliederbeitrag zu erheben. Das wird sich nächstes Jahr, wenn die kommunalen Behördenwahlen anstehen, ändern. Auch plant der Verband laut Philippe Chevroulet dann wieder ein reichhaltigeres Veranstaltungsprogramm zugunsten seiner elf Sektionen.

Walter Wittmer (Gemeindeverein), der Gemeindepräsident von Herrliberg – wo es notabene «keinen Quadratmeter Gewerbezone» gibt –, überbrachte eine Grussbotschaft. Das Gewerbe halte die Dörfer am See lebendig. Um es zu fördern, plädierte Wittmer dafür, über die Ortsgrenzen hinweg zu denken. Ein Ansatz, der beim neuen Präsidenten auf offene Ohren stiess.

Erstellt: 19.05.2017, 18:41 Uhr

Nachgefragt

«Politische Themen müssen das Gewerbe interessieren»

Sie sind Präsident des Vereins «Für eine Aufwertung des Zürichseeufers im Recht» sowie der Stiftung ProMobil für Behindertentransporte. Nun kommt das Präsidium des Bezirksgewerbeverbands (GBM) hinzu. Sind Sie ein «Ämtlisammler»?
Peter Vollenweider: Nein. Aber als Kantonsrat ist es mir ein Anliegen, mich in meiner Region für wichtige Anliegen einzusetzen – solange sie meiner Linie entsprechen. Für mich steht hinter allen drei Präsidien dasselbe: wirtschaftliche und freiheitliche Fragestellungen.

Aber ein Gewerbler im klassischen Sinn sind Sie nicht. Leiten Sie als Politiker und Inhaber einer Consulting-Firma an der Spitze des Bezirksgewerbeverbands eine neue Ära ein?
Gewerbler sind auch Unternehmer, und somit ist es heute auch ein Unternehmerverband. Über ein Drittel der Mitglieder sind dem Dienstleistungssektor zuzuordnen und haben damit eine ähnliche Ausrichtung wie ich. Aber ich will den Verband nicht neu ausrichten. Mehrere Vorstandsmitglieder sind ja auch im traditionellen Gewerbe tätig.

Welches sind Ihre wichtigsten Ziele für das hiesige Gewerbe?
Ein wesentliches Thema ist für mich die Lehrstellenförderung, die vorangetrieben werden soll. Auch müssen wir die Themen verfolgen, wo es Platz für das Gewerbe gibt und wie wir günstige Rahmenbedingungen schaffen.

Betriebe in der Region klagen angesichts der hohen Bodenpreise immer wieder über Platznot. Steht die Schaffung neuer Gewerbezonen in den Gemeinden auf Ihrer Agenda?
Das ist mittelfristig ein wichtiges Thema. Wir müssen uns fragen: Wo ist noch relativ günstiger Raum fürs Gewerbe verfügbar? Gibt es gemeinsame Ansätze, statt dass jedes Dorf für sich schaut?

Vor einigen Jahren sorgte für böses Blut, dass die Gemeinden die vom Gewerbeverband lancierte Standortförderung nicht unterstützen wollten. Werden Sie diesbezüglich nochmals einen Anlauf nehmen?
Ich bedaure, dass wir der einzige Bezirk im Kanton sind, der keine Standortförderung hat, während es in allen anderen funktioniert. Sollten die Gemeinden dies definitiv nicht unterstützen wollen, ist das zu akzeptieren. Trotzdem müssen wir diskutieren, wie wir für Firmennachfolger und neue Firmen attraktiv sein können. Selbst wenn es für Grossunternehmen kaum noch Platz hat.

Wie politisch ist das Amt eines Gewerbepräsidenten?
Auf kantonaler Stufe ist es sehr politisch. Aber auch kommunale politische Themen wie Steuerfuss, Bau- und Zonenordnung oder Infrastruktur müssen das Gewerbe interessieren. (amo)

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