Männedorf

Ein Pfarrer als Leuchtturm

Am 30. März 1968 wurde Ambros Schuler zum Priester geweiht. 50 Jahre später steht der inzwischen Pensionierte immer noch im Dienst der Seelsorge. Im Ostergottesdienst wird das Priesterjubiläum des katholischen Pfarrers in Männedorf gefeiert.

Der kleine Garten unweit seiner Wohnung ist für den Teilzeitpfarrer Ambros Schuler ein Ausgleich.

Der kleine Garten unweit seiner Wohnung ist für den Teilzeitpfarrer Ambros Schuler ein Ausgleich. Bild: Manuela Matt

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Ein Leuchtturm ist etwas Beständiges und weist Schiffen den sicheren Weg. Auf einen Leuchtturm ist Verlass. Als Leuchtturm in Männedorf ist Ambros Schuler am Pfarreifest zu seiner Pensionierung vor 13 Jahren vom Hombrechtiker Gemeindeleiter Bruno Gut genannt worden. Dank der Erdverbundenheit des Pfarrers habe Gut zu Gott und dem Glauben finden können. Die Worte des Leiters des Stephanschors, Christof Hanimann, waren folgende: «Dein Gott hat Humor, und man kann bei ihm lachen, und darum danken wir dir, dass du uns diesen menschenfreundlichen Gott näher gebracht hast.»

Diese beiden Aussagen umschreiben das Wirken von Ambros Schuler treffend, der fürs Gespräch in seiner Seniorenwohnung im Allmendhöfli empfängt. «In den 50 Jahren meiner Seelsorge war mir immer wichtig, mit und bei den Menschen zu sein», sagt der gebürtige Urner, der vor 78 Jahren in Erstfeld zur Welt kam und auf dem elterlichen Bauernhof mit 14 Geschwistern aufwuchs. Von da mag wohl seine Bodenständigkeit herrühren und der innere Wunsch, für die Menschen da zu sein und ihnen zu dienen. «Wie Jesus», meint er, der gekommen sei um zu dienen.

Nur Teil-Ruhestand

Darum fühle er sich in Papst Franziskus bestätigt, der sich für eine volksnahe Kirche einsetzt, obwohl Schulers Auffassung sich nicht immer mit den Richtlinien aus dem Vatikan deckt. «Nicht Vorschriften und Gesetze, sondern gelebtes Leben ganz nahe bei den Menschen zählen.» Auch motiviert er die Menschen, Eigenverantwortung zu übernehmen und selbst über ihr Leben zu bestimmen.

Dass Ambros Schuler zu Ostern sein 50-Jahr-Priesterjubiläum begehen kann, hat damit zu tun, dass er nach seiner Pensionierung 2005 der Pfarrei St. Stephan Männedorf-Uetikon als priesterlicher Mitarbeiter – die offizielle Bezeichnung Pfarradministrator gefällt ihm nicht – erhalten blieb. In Männedorf, wohin er 1974 nach einer Vikarstelle in Dübendorf wechselte, trat er erst seine zweite Anstellung an, der er 31 Jahre lang bis zur Pensionierung treu blieb. Rechnet man die sechs Jahre in Dübendorf und die 13 Jahre in seinem Teilzeitpensum, kommt man auf die 50 Jahre im Priesteramt.

«Ich stelle mich für priesterliche Dienste zur Verfügung, solange Gott will und mir Gesundheit und Kraft schenkt.»Ambros Schuler

Hat er noch nicht genug? «Mit meinem 50-Prozent-Pensum kann ich mich voll und ganz auf das Kerngeschäft mit Gottesdiensten, Sakramentespendung und Seelsorgegespräche konzentrieren», begründet er sein nimmermüdes Engagement in einer Gemeinde, in der er sich stets getragen fühlte und in der in den verschiedenen Gremien und Gruppen ein gutes Arbeitsklima herrscht. In den 44 Jahren in Männedorf seien über Generationen und Konfessionen hinweg Nähe und Vertrautheit gewachsen, denn Seelsorge lebe von Begegnungen und Kontakten.

Noch heute pflegt der katholische Pfarrer die eucharistische Gastfreundschaft und steht für die Ökumene im Alltag ein. Es gelte, das Gemeinsame zu betonen: «Wir haben viel mehr Verbindendes als Trennendes.»

Weltoffen geblieben

Natürlich ist der Teilzeitpfarrer froh, dass der ganze Bürokram wegfällt und die Verantwortung für die Pfarrei der Pfarreileitung obliegt, die seit drei Jahren von Barbara Ulsamer und Domenic Gabathuler wahrgenommen wird. Als Ambros Schuler in Männedorf anfing, gab es nur ihn als Pfarrer, zwei Katechetinnen und eine stundenweise angestellte Sekretärin. In all den Amtsjahren kamen neue Arbeitsfelder und damit mehr Personal dazu. Ein Pfarreileben ohne den Einsatz der vielen Freiwilligengruppen, die unverzichtbare und unbezahlbare Dienste leisten, kann er sich nicht mehr vorstellen.

Als katholischer Pfarrer ist Ambros Schuler stets weltoffen geblieben für Fragen und Probleme, die die Menschen bewegen. Wohl weiss er, was Rom denkt. Dennoch wünschte er sich den Einbezug der Frauen in kirchliche Ämter. «Das mütterliche Element ist vor allem im Religionsunterricht ein wesentlicher Bestandteil, um die Kinder abzuholen.»

So lange Gott will

Und wie sieht Ambros Schuler seine Zukunft? «Ich stelle mich für priesterliche Dienste zur Verfügung, solange Gott will und mir Gesundheit und Kraft schenkt.» Als Ausgleich habe er den kleinen Garten unweit der Wohnung, wo er Gemüse und Beeren zieht. Die Natur war ihm schon immer wichtig. Ein bunter Strauss Tulpen steht denn auch in seinem Wohnzimmer.

Das Priesterjubiläum von Ambros Schuler wird der kath. Kirche Männedorf gefeiert – am Gottesdienst vom Ostersonntag, 1. April, 10 Uhr. Im Anschluss Apéro im Pfarreizentrum St. Stephan. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 28.03.2018, 14:29 Uhr

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