Küsnacht

Ein Museum in C.G. Jungs einstigem Zuhause

Vor 110 Jahren liess der weltberühmte Psychiater Carl Gustav Jung an der Küsnachter Seestrasse sein Zuhause bauen, wo er bis zu seinem Tod 1961 lebte. Jetzt ist dort ein Museum eingerichtet worden.

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Sein Pult in der Bibliothek im ersten Stock sieht so aus, als hätte C.G. Jung seine Schreibarbeit nur kurz unterbrochen und würde sich jeden Moment wieder auf dem Sessel direkt beim Fenster mit Blick auf den See hinsetzen. Da liegen Schreibblöcke, ein aufgeschlagenes Buch, Füllfederhalter, das Bild seiner Frau Emma und die kalte Pfeife im Aschenbecher. Die Wandregale sind bis zur Decke gefüllt mit Büchern, nicht nur aus dem Fachbereich der Psychologie.

Da finden sich Werke aus der gesamten Weltliteratur, Kunstgeschichte, Reiseliteratur bis hin zur Alchemie, die den Seelenforscher ebenso faszinierte wie fremde Kulturen. In die Bibliothek hat Jung ein kleines Kabinett integriert. In diesem bewusst dunkel gehaltenen Studierzimmer, wo Jung Patienten empfing, dringt wegen den schmalen Fenstern mit Butzenscheiben und farbigen Glasmalereien kaum Tageslicht ein.

Besucher aus aller Welt

Auch an der Vorbesichtigung des Museums Haus C.G. Jung, zu der erstmals die Medien eingeladen waren, herrscht Dämmerlicht. «Wir haben alles so belassen, wie es zu Jungs Lebzeiten gewesen war», begründet Museumsleiterin Cornelia Meyer die spärliche Beleuchtung. Und da dieser seine Patienten nie auf einer Couch Platz nehmen liess, «steht hier auch ein Sessel», fügt Andreas Jung an.

Er ist der Enkel des weltberühmten Psychiaters und bewohnt mit seiner Frau seit 1975 das dreistöckige Haus an der Seestrasse 228. So nüchtern der unscheinbare Zugang zum Anwesen ist, so lauschig präsentiert sich der hintere Teil des Gartens zum See hin. Vom Wintergarten im Erdgeschoss kann man das Bootshaus sehen. Als leidenschaftlicher Segler hatte sich C.G. Jung gar einen eigenen Hafen bauen lassen.

Dass der ehemalige Wohnsitz des Psychiaters, zu einer Stätte der Begegnung und des Austausches im Geiste seines Grossvaters geworden ist, sei schon lange seine Vision gewesen, sagt Andreas Jung gegenüber den Journalisten. Man habe schon seit vielen Jahren Besucher aus aller Herren Länder empfangen, ihnen jedoch lediglich den Zutritt zu Bibliothek und Studierzimmer gewährt.

Jung war ein Familienmensch

2002 wurde die Stiftung C.G. Jung ins Leben gerufen, die das Haus mit dem Ziel übernahm, es für die Nachwelt zu bewahren. Das Museum soll nun diese Idee weitertragen. So sind letztes Jahr in Zusammenarbeit mit der Museumsleiterin Cornelia Meyer weitere Räume mit der originalen Einrichtung ausgestattet worden, um den authentischen Charakter wiederzugeben.

Dazu gehört das Speisezimmer im Erdgeschoss mit dem grossen Tisch in der Mitte, das Andreas Jung und seiner Frau Vreni noch bis vor kurzem als Esszimmer diente. Sie haben sich in die Räume der oberen Stockwerke zurückgezogen, um dem Museum Platz zu machen. Obwohl Jung «viel geistig gearbeitet hat», so der Enkel, sei ihm die familiäre Geselligkeit wichtig gewesen. Und diese sinnliche Seite des Seelenforschers soll das Speise- und Wohnzimmer mit dem Cheminée, dem Flügel und den schwarzweiss Fotografien von der siebenköpfigen Jungschen Familie repräsentieren.

Im angrenzenden kleinen Salon mit dem Kachelofen erzählt Cornelia Meyer vor dem Portrait einer jungen Frau, dass der 1875 geborene C.G. Jung 1903 die abgebildete Fabrikantentochter Emma Rauschenbach aus Schaffhausen geheiratet hat. Sie erst habe sich und ihrem Mann dank einem grosszügigen Erbe zu ihrem Zuhause in Küsnacht verholfen. 1900 war Jung als Assistenzarzt in die heutige Psychiatrische Universitätsklinik Burghölzli eingetreten, die er 1909 als Oberarzt verliess. In seinem 1908 errichteten Haus empfing der Psychiater fortan seine Patienten und widmete sich seinen Schriften und Forschungen zu widmen.

Die Ausstellung ist ab dem 3. April geöffnet. Die Zeiten der angebotenen Führungen von einer Stunde sind auf www.cgjunghaus.ch unter Tickets ersichtlich. Die Anmeldung ist unerlässlich und erfolgt ebenfalls online. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 15.03.2018, 17:36 Uhr

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