Stäfa

Ein Maler mit einer grossen Liebe für Berge, Aktbilder und Stäfa

Zum 50. Todesjahr von Victor Wildhaber widmet die Stäfner Kunstexpertin Heidi Müller-Ruoff dem Maler, Illustrator und Zeichner eine Gedenkausstellung.

Heidi Müller-Ruoff hat die Ausstellung mit Gemälden von Victor Wildhaber in Stäfa organisiert – der Frauenakt entstand 1927 in Paris.

Heidi Müller-Ruoff hat die Ausstellung mit Gemälden von Victor Wildhaber in Stäfa organisiert – der Frauenakt entstand 1927 in Paris. Bild: David Baer

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Victor Wildhaber war ein begeisterter Bergwanderer. Ausgerüstet mit der zusammenklappbaren Staffelei und einer Leinwand hielt er seine Bergansichten mit Vorliebe unter freiem Himmel fest. Ganz nah dran wollte er sein bei seinen Bergen, wenn er sie malte. Ob im Engadin, am Ufer des Trübsees in Engelberg oder in seinen geliebten Flumser Bergen rund um den Spitzmeilen trachtete er danach, das Sonnenlicht, die Schattierungen im Wolkenspiel und Stimmungen vor einem Gletscher gleich vor Ort einzufangen.

Der Glärnischgletscher mit dem Bächistock wirkt so naturgetreu, als hätte man eine Fotografie vor sich. Kamen dann doch nur der Zeichenblock und Stifte im Rucksack mit, bannte der Maler im Atelier seine skizzierten Ansichten mit Ölfarben auf die Leinwand. Victor Wildhaber malte als gegenständlicher Naturalist das, was er als Alpinist sah und liebte. Als Mitglied des SAC Pfannenstiel hat er diesem bemalte Holzbretter mit witzigen Skiszenen überlassen, welche noch heute die Wände des Berggasthauses Tanzboden oberhalb des sankt-gallischen Rieden zieren.

Von Hombrechtikon bis Rom

Von Wildhabers Bergtouren mit Kameraden weiss Heidi Müller-Ruoff, die die Ausstellung im Alterszentrum Lanzeln initiiert hat, eine Anekdote zu erzählen: «In einer Seilschaft soll er einem Bergfreund zugerufen haben, er solle ihm ja ein Bild abkaufen, ansonsten er ihn am Seil hängen lassen würde.» Er sei ein geselliger Mensch gewesen, der gerne und viel lachte.

Die Stäfner Galeristin, die derzeit mit ihrem Team am Aufhängen der Bilder ist, hat den Maler zwar nicht gekannt, jedoch dessen Frau Fryd. Nach dem Tod ihres Mannes 1968 bewahrte die Witwe des Malers dessen Werke in ihrem Zuhause an der Oberhausenstrasse und trennte sich nur schweren Herzens und aus finanziellen Gründen von einem der Bilder. «Aus diesem Grund werden viele Werke zum ersten Mal ausgestellt», sagt Müller zu den rund 100 Ölbildern, Aquarellen und Zeichnungen, die ab Freitag zum Gedenken an Wildhabers 50. Todesjahr gezeigt werden.

Der gebürtige Flumser besuchte ab 1905 die Schulen in Hombrechtikon und ging später für sein Kunststudium nach St. Gallen. Nach dem Aktivdienst 1916 bis 1918 zog es ihn nach Italien, wo er seine Studien in Florenz und Rom fortsetze und bis nach Sizilien und Tunis gelangte. In dieser Zeit erlernte er die Kunst des Porträtieren sowie des Aktmalens.

In Stäfa angekommen

Wunderschöne Aktbilder sind denn auch in der Lanzeln zu sehen. Sie offenbaren die vielen Facetten des Kunstmalers, der sein Handwerk beherrschte und dessen Bergbilder an Hodlers Landschaften erinnern. Reich befrachtet mit Fachausbildung kam der junge Wildhaber 1923 nach Stäfa, wo seine Eltern inzwischen wohnten und wo er bis zu seinem Tod blieb. Hier lernte er Fryd Bachmann kennen, die er 1937 heiratete. Ihre Eltern zeigten wenig Freude über diese Ehe mit einem brotlosen Künstler, wie Heidi Müller berichtet. Doch Wildhaber war bald erfolgreich und konnte seine Werke regelmässig ausstellen. Was ihm zudem ermöglichte, in Paris seine Studien fortzusetzen. Danach galt sein ganzes Schaffen der heimatlichen Landschaft.

Schon 2002 hatte Müller anlässlich der ersten Ausstellung «Stäfart» die Idee, in ihrer damaligen Galerie Wildlife auf dem Frohberg Werke von Victor Wildhaber zu zeigen, weil sie von deren Qualität überzeugt war. «Es war nicht einfach, Fryd Wildhaber davon zu überzeugen, dass den Bildern nichts passieren würde», erinnert sie sich. Die Maler-Witwe, die 20 Jahre jünger als ihr Mann war, konnte der Vernissage noch beiwohnen. Sie sei, so Müller, glücklich über die Ausstellung gewesen, verstarb aber kurze Zeit später.

Nachkommen hatten die kinderlosen Wildhabers keine. Erst letztes Jahr gelangte die einzige Erbin aus der entfernten Verwandtschaft der Familie Bachmann an Heidi Müller, die sie seit der Ausstellung von 2002 kannte und überliess der Kunstexpertin rund 200 Bilder, aus Platzmangel. «Ich könne alles haben und damit machen, was ich will», erzählt Müller. Zuvor war diese Erbin auch an das Stäfner Museum zur Farb gelangt. «Doch niemand zeigte Interesse an einer Gedenkausstellung», sagt die umtriebige Ausstellungsmacherin, die diese Schau aber unbedingt durchziehen wollte, «gerade weil mir alle davon abgeraten hatten, weil zu viele Kosten, zu viel Arbeit».

Die Frage aber war: Wo ausstellen, zumal Heidi Müller ihre Galerie schon vor Jahren aufgegeben hatte. Eine Bekannte habe sie ermuntert, in der Lanzeln anzufragen. Die Heimleiterin Marie-Louise Sarraj sei sofort begeistert gewesen und habe ihr freie Hand gelassen. Nun hofft sie, dass die Besucher die Gelegenheit nutzen werden, um ein Originalgemälde oder eine Zeichnung von Victor Wildhaber «zu einmalig günstigen Preisen» zu erwerben.

Ausstellung: Alterszentrum Lanzeln, Bahnhofstr. 58, Stäfa. Vernissage am Freitag, 4. Mai, ab 19 Uhr. Täglich geöffnet von 8.30 bis 19 Uhr. Finissage am 1. Juli. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 02.05.2018, 14:34 Uhr

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