Küsnacht

Stararchitekt zeichnet Küsnachter Solarhaus aus

Das rote Vierfamilienhaus im Dorfkern Küsnachts gewinnt einen prestigeträchtigen für umweltfreundliches Bauen. Die Photovoltaik für das Haus hat eine lokale Firma entwickelt.

Architekt Guido Honegger (links) und Ingenieur Stephan Leutenegger vor dem preisgekrönten Haus in Küsnacht.

Architekt Guido Honegger (links) und Ingenieur Stephan Leutenegger vor dem preisgekrönten Haus in Küsnacht. Bild: Michael Trost

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Das schwedenrote Haus an der Wiesenstrasse gefällt sogar Norman Foster. Der britische Stararchitekt ist Erbauer so bekannter Gebäude wie «The Gherkin», der Gewürzgurke, in London oder der gläsernen Kuppel des Reichtags. Er verleiht jedes Jahr im Rahmen des Solarpreises den prestigeträchtigen «Norman Foster Solar Award». Der Award geht an Plus Energie Bauten (PEB) in der Schweiz mit den bestintegrierten Anlagen. Ein PEB ist ein optimal gedämmtes Gebäude, das durch Photovoltaikanlagen und Sonnenkollektoren mehr Energie erzeugt, als es benötigt.

Bis vor kurzem kam Norman Foster noch persönlich an die Verleihung seines Awards. Da er mittlerweile 84 Jahre alt ist, sandte er dieses Jahr am 16. Oktober in Genf einen Partner zum Händeschütteln.

Den Händedruck verdient haben Guido Honegger vom Zürcher Architekturbüro Vera Gloor AG sowie Eva und Stephan Leutenegger von der Küsnachter Firm Energie Control Leutenegger. Bauherrschaft des preisgekrönten Baus und ebenfalls an der Preisverleihung anwesend waren Carmen und Gebhard Hutter.

Stromproduzierende Schiebeläden

«Der Preis ist eine schöne Anerkennung für unsere Arbeit», sagt Guido Honegger. Eine «grosse Ehre» sei es, diesen Preis zu erhalten, sagt auch Stephan Leutenegger. «Uns Ingenieuren sagt man nach, dass wir nichts von Ästhetik verstehen», fügt er mit einem Schmunzeln hinzu, «darum ist es speziell, wenn wir einen Preis dafür erhalten, dass ein Haus gut aussieht».

Das Haus im Küsnachter Zentrum in seiner ganzen Pracht

Jedes Detail am Vierfamilienhaus ist auf Umweltfreundlichkeit getrimmt. Die Wände haben eine 34 Zentimeter starke Dämmung. Das ganze Dach ist mit Solarzellen belegt (21 kWp) und auf dem Garagendach liegen Sonnenkollektoren, die Wärmeenergie erzeugen (5300 kWh/a). Besonders stolz sind der Photovoltaik-Experte und der Architekt auf die rahmenlosen, halbtransparenten Schiebeläden. Sie dienen nicht nur als Sonnenschutz, sondern sind auch mit Solarzellen besetzt (3,9 kWp). «Wir haben sie extra für dieses Haus entwickelt», sagt Leutenegger. «Sonnenenergie zum Anfassen», ergänzt Honegger.

Das ist noch nicht alles: Eine Erdsonde und eine Wärmepumpe versorgen das Haus mit Wärme. Im Garten vergraben befindet sich ausserdem ein Regenwassertank. Mit dem Wasser daraus betreiben die Hutters und ihre drei Mietparteien ihre Waschmaschinen und spülen ihre WCs. Selbstverständlich, dass im Haus nur LED-Lampen leuchten und nur A+++ Haushaltsgeräte vorhanden sind. Das Haus im Minergie-P-Standard hat eine Eigenenergieversorgung von 32 234 kWh/a, oder 168 Prozent. Die überschüssige Solarenergie von 7800 kWh/a fliesst ins öffentliche Stromnetz. Theoretisch könnten damit vier Elektrofahrzeuge je 12 000 km pro Jahr CO2-frei fahren.

Schräger Dachfirst

Neben der auffälligen Farbe und der grossen Terrasse in der Attikawohnung fällt am Haus vor allem das Dach ins Auge: Der First verläuft schräg, ebenso die Solarzellen. «Der First nimmt Bezug auf zur Lage des Weinbauernhauses nebenan und steht parallel zu den Höhenkurven», erklärt Honegger, «das verleiht dem Haus eine gewisse Spannung».

Diese kreative Dach-Geometrie habe seine Firma vor eine besondere Herausforderung gestellt, sagt Leutenegger und lässt durchblicken, dass er erst nicht begeistert war: «Die Geometrie verlangte, dass wir am First schräge Ergänzungsplatten setzen mussten.» Der verliehene Preis rechtfertigt diese Kreativität, so scheint es. Der Kollegialität zwischen Ingenieur und Architekt haben die kreativen Forderungen jedenfalls keinen Abbruch getan. Sie gehen immer noch Kaffee trinken miteinander.

Erstellt: 29.11.2019, 15:48 Uhr

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