Hombrechtikon

Ein klassische Operette – zeitgemäss und frech inszeniert

Die Operettenbühne Hombrechtikon hat mit dem «Bettelstudent» eine heitere Inszenierung vor einem raffinierten Bühnenbild geboten. An der Premiere am Samstag gab es viel Zwischenapplaus und Standing Ovations.

Die schöne Laura, dargestellt von Rebekka Maeder, ist von Symon (ganz rechts) begeistert. Dieser wird von Daniel Zihlmann verkörpert.

Die schöne Laura, dargestellt von Rebekka Maeder, ist von Symon (ganz rechts) begeistert. Dieser wird von Daniel Zihlmann verkörpert. Bild: Michael Trost

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«Der Bettelstudent» von Carl Millöcker ist eine klassische Wiener Operette mit einer historisch klaren Verankerung: Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wird Polen von den Sachsen besetzt, doch das unterdrückte Volk setzt sich zur Wehr und eine Revolution bahnt sich an.

Vor diesem Hintergrund gibt es gleich zwei spannungsvolle Liebesgeschichten, die umrankt sind von Intrigen und Verwechslungen. Eine simpel gestrickte Geschichte, könnte man meinen, die die Regisseurin Bettina Dieterle als zeitloses Stück inszeniert und dadurch dessen Aktualität unterstreicht.

Wandelbare Bühnenbilder

Dieterle führt das Hombrechtiker Ensemble zum zweiten Mal in Zusammenarbeit mit dem langjährigen Dirigenten Caspar Dechmann. Ein Gespann, das dem «Bettelstudent» einen modernen Touch verpasst hat. Das zeigt sich in den wandelbaren Bühnenbildern, gestaltet von Dave Leuthold, einst technischer Direktor am Zürcher Schauspielhaus. Das zeigt sich aber vor allem in den Dialogen und zeitlosen Kostümen. All dies verleiht der 1882 uraufgeführten Operette, mit der der Komponist Millöcker seinen ersten Grosserfolg landet, eine erfrischende Leichtigkeit.

Nicht nur hat die Regisseurin die Libretti neu getextet, sie lässt die Solisten auch mal Selfies schiessen, über Swissair Aktien lästern, vom Shopping in New York träumen und gar einige Chormitglieder in kabarettistischer Manier singend über Trump & Co. herfallen. Kein Wunder, ist Bettina Dieterle als Gründungsmitglied der legendären Frauengruppe Acapickels dem musikalischen Kabarett verbunden und setzt mit ihrer Regie nicht nur auf Konventionelles. Die Operette kommt dadurch zeitgemässer und frecher daher, was den bekannten Melodien wie «Ach ich hab’ sie ja nur auf die Schulter geküsst» oder «Schwamm drüber, Schwamm drüber» keinen Abbruch tut.

Oberst sinnt auf Rache

In dieser Verwechslungskomödie sinnt der tollpatschige Oberst Ollendorf, vom Bassbariton Erich Bieri hervorragend in Szene gesetzt, auf Rache. Denn die schöne Polin Laura, für die Rebekka Maeder erstmals auf der Hombrechtiker Bühne steht, hat den sächsischen Besatzer beleidigt, als sie ihn mit dem Fächer ins Gesicht geschlagen hat. Dabei hat dieser sie doch nur auf die Schulter geküsst. Die klare Stimme der Sopranistin ist so gewaltig, dass sie zeitweise ihre männlichen Kollegen übertönt.

Ollendorf schliesst folgenden Deal mit dem Gefangenen Symon, einem armen Bettelstudent, ab: Er soll gegen Freiheit und Geld als reicher Fürst auftreten und Laura, die bürgerliche Männer verachtet und sich auf Druck der Mutter einen solventen Gatten wünscht, den Hof machen. Symon wird von Daniel Zihlmann, der letzte Saison den Vogelhändler mimte, verkörpert. Die beiden sind ein schönes Liebespaar, was in den Duetten stimmlich zu Höhenpunkten kulminiert.

Das Premierepublikum ist derart begeistert, dass jede Arie der Solisten mit einem Zwischenapplaus gewürdigt wird. Aber auch die Einsätze des Chors, dessen Mitglieder mal als Gefangene und polnisches Volk, dann als gehobene Gesellschaft und auch als sächsische Soldaten auftreten, zeugen von grossem Können.

Symon bittet Ollendorf, dass er den politischen Gefangenen Jan (Max von Lütgendorff) ebenfalls freilässt, damit er diesen als Sekretär zur Seite hat. Und dieser verliebt sich ausgerechnet in Lauras jüngere Schwester Bronislawa (Jacqueline Oesch), die seine Zuneigung erwidert, da sie nichts von arrangierten Ehen hält und eher dem Herzen folgt. Ihr schauspielerisches Flair ist von einer packenden Authentizität, dass es ein Vergnügen bereitet, ihr dabei zuzuschauen, wie sie sich von Jan umgarnen lässt.

Fulminantes Finale

Es kommt, wie es kommen muss: Oberst Ollendorf lässt just am Hochzeitstag des vermeintlichen Fürsten Symon und Laura die Intrige auffliegen, um Laura vor allen blosszustellen. Doch seine Rechnung, dass sich diese gerade von ihm trösten lässt, geht nicht auf. Laura ist zwar entsetzt, sie ist es schliesslich, die in dieser Geschichte die grösste Wandlung durchmacht. Wie sie zu ihrem Bettelstudenten, der gar keiner ist, findet, ist wiederum ein stimmlich grossartiger letzter Akt mit einem fulminanten Finale, nicht zuletzt dank dem professionellen Operetten-Orchester.

Weitere Aufführungen der Operettenbühne Hombrechtikon freitags, samstags und sonntags bis 5. Oktober im Gemeindesaal Blatten Hombrechtikon.

Erstellt: 01.09.2019, 17:01 Uhr

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