Männedorf

«Ein Hund berührt das Herz»

Ein Therapiehund kann Schmerzen lindern und Patienten entspannen, sagt Dominik Schneider, Chefarzt Innere Medizin am Spital Männedorf.

Zwergpudel Hero auf dem Schoss seiner Halterin Mia Haller.

Zwergpudel Hero auf dem Schoss seiner Halterin Mia Haller. Bild: Michael Trost

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Dominik Schneider, Therapiehund Hero ist seit Juni regelmässig auf der Palliativstation des Spitals Männedorf: Was bringt sein Einsatz den Patienten?
Dominik Schneider: Die Patienten sind entspannter, sie können loslassen, Blutdruck und Puls sinken. Das Schmerzempfinden der Patienten lässt nach. Dies wird alles in der Fachliteratur beschrieben. Es gibt aber auch einen anderen, rein psychischen Aspekt, den man nicht messen kann. Ein Hund berührt das Herz, geht den Patienten nahe. Das kann eine andere Therapie, die auch Entspannungstechniken beinhaltet, nicht erreichen.

Haben Sie Situationen mit Hero beobachtet, in denen Sie erstaunt waren, was er bei Ihren Patienten auslöst?
Wir haben Patienten erlebt, die sich sehr öffnen konnten, kommunikativ wurden, nachdem sie Hero gesehen hatten. Man konnte plötzlich besser mit ihnen reden. Sie waren dadurch auch für weitere Therapien zugänglicher.

Hero ist auf der Palliativstation: Warum gerade diese Abteilung?
Untersuchungen zu Therapiehunden wurden speziell für Palliativpatienten durchgeführt, aber es gibt auch solche für Intensivstationspatienten. Insofern könnten wir uns Therapiehundeeinsätze auch in anderen Bereichen vorstellen. Hero wurde auch schon auf einer anderen Station eingesetzt. Wir denken aber, dass der Effekt auf der Palliativstation am grössten ist. In diesem Krankheitsstadium kann man am meisten erreichen. Das schliesst nicht aus, dass man das Angebot auf andere Patienten ausweiten kann.

Was erreichen Sie speziell bei Krebspatienten mit dem Therapiehund?
85 bis 90 Prozent unserer Patienten haben bösartige Tumore. Sie leiden sehr häufig an Symptomen wie Schmerzen, Atemnot, Übelkeit. Das Empfinden dieser Symptome kann durch eine Hundetherapie gelindert werden. Der Schmerz rückt mehr in den Hintergrund.

Ist Hero auch kurz vor dem Tod eines Patienten noch dabei?
Der grosse Teil der Patienten ist bei uns, bis die Behandlung richtig eingestellt ist, und geht dann wieder nach Hause. Sterben gehört aber dazu, weil die Patienten an unheilbaren Krankheiten leiden. Auch in der Sterbephase stellt Hero einen wichtigen Teil der Therapie dar. Viele Patienten entwickeln in dieser Phase eine innere Unruhe, die man nicht mit Medikamenten behandeln kann. Da kann ein Hund beruhigende Effekte haben.

Normalerweise dürfen Tiere aus Hygienegründen nicht ins Spital. Warum geht das mit Hero?
Wir haben in Absprache mit der Abteilung für Spitalhygiene ein Konzept mit genauen Richtlinien festgelegt. Hero muss beispielsweise gekennzeichnet sein, damit nicht plötzlich jeder Hund reinlaufen kann, und gewisse hygienische Vorgaben erfüllen.

Erstellt: 14.01.2020, 09:11 Uhr

Dominik Schneider, Chefarzt Innere Medizin am Spital Männedorf. (Bild: pd)

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