Feldbach

Ein Herz für ausgemusterte Langohren

29 Esel haben zurzeit ihr Zuhause auf dem Hof von Viktor und Hanni Huber. Jedes Tier erlitt ein tragisches Schicksal, bevor es in Feldbach vor dem Zugrundegehen oder dem Metzger gerettet werden konnte.

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Ihr Anblick lässt einen warm werden ums Herz. Allerliebste Augenpaare richten ihren Blick auf die Besucher, denen sie sich zaghaft mit dem Klappklapp ihrer Hufen nähern. Die neunjährige Runa, die mit ihrem grauen Fell dem typischen Merkmal eines Langohrs entspricht, ist grösser als ihre Gspänli, die sich mit ihr im Auslaufgehege aufhalten. «Sie hätte entsorgt werden sollen», sagt Viktor Huber. Weil ihre Mutter keine Milch gab, wurde sie von der Familie Huber mit Ersatzfohlenmilch aufgezogen.

Hubers haben 2009 den Verein Eselhilfe Schweiz gegründet, der 2014 in die gleichnamige Stiftung überführt wurde. Sophie mit ihrem lockigen Fell über der Stirn und dem zottigen Pelz am Rücken sticht heraus. Die Eselin war von ihrem einstigen Besitzer nie entwurmt worden, was ihr durch den Lungenwurm eine kaputte Lunge eingebracht hat. «Einmal jährlich müssen Esel mittels Medikament entwurmt werden», klärt Huber auf, das gehöre zu einer tiergerechten Haltung.

Vor dem Schlachter gerettet

Aber auch den restlichen Esel ist gemein, dass sie eine tragische Vergangenheit hatten. Einige wurden in der Pflege vernachlässigt, was nicht selten bis zur Misshandlung ausartete. Andere wieder konnten Hubers vor dem Schlachter retten. «Viele Menschen empfinden Eseln gegenüber einfach weniger Respekt als beim Pferd», kommentiert Viktor Huber fast schimpfend. Oder dann sind seine Schützlinge, als die Besitzer das Interesse an ihnen verloren hatten und das Tier nunmehr übrig war, einfach ausgesetzt worden. «So etwas macht mich unheimlich wütend», sagt Hanni Huber, die sich den Besuchern gesellt.

«Ein Esel denkt immer mit und lässt nicht alles mit sich machen.»Hanni Huber

Dabei sind Esel höchst intelligente Wesen, die unterschätzt und missverstanden werden. «Ein Esel denkt immer mit und lässt nicht alles mit sich machen», konkretisiert Hanni Huber, die sich für den Umgang mit Eseln schulen lässt. Wenn ein Esel nicht spurt, wie der Mensch es möchte, werde dieser zu Unrecht als stur und störrisch degradiert. Zudem fehle es oft an Wissen über die Bedürfnisse dieser Huftiere. Wenn Hubers rund um den Samichlaustag eine Anfrage erhalten nach einem Esel, wird dieser immer von einer Vertrauensperson vom Eselhof begleitet, ansonsten er dem fremden Samichlaus oder Schmutzli nicht gehorchen würde.

Stall im Frühling bezogen

Hubers haben nach Jahren eines behördlichen Hin und Her und um Vorschriften zu genügen endlich einen neuen Stall bauen können, dort, wo vorher ihr Gärtnerei stand. Der Stall sowie das erweiterte Auslaufgehege, der Paddock, konnten die Esel diesen Frühling beziehen. Was Laien erstaunt: dieser Paddock hat einen befestigten Belag. Viktor Huber begründet: «Die Weichteile unterhalb der Hufe eines Esels sollten nicht über längere Zeit weichen und feuchten Böden ausgesetzt werden, da dies zu Entzündungen und Missbildungen führt.» So stehen den Langohren für ihren Auslauf drei Untergrundsarten zur Verfügung: der Paddock vor den Boxen, Wiesenland und die sogenannte Wüste mit versickerungsfähigem Kieselgestein.

Eine Pferdewartin packt an

«Der Esel ist ursprünglich ein Steppentier und von Natur aus auf karge Böden ausgerichtet», mischt sich nun auch Ursula Hofstetter ins Gespräch. Die Interimspräsidentin der Stiftung, die in der Forch lebt, begleitet den Eselhof seit sieben Jahren und legt auch mal für allerlei Putzarbeiten Hand an.

Andere, gut gemeinte Anfragen für Helferdienste lehnt das Ehepaar Huber aber kategorisch ab. Man könne die Helfer nicht einfach auf die Esel loslassen und müsse sie ständig instruieren, was letztendlich zu Mehraufwand führt. Seit zwei Jahren arbeitet mit Natascha Lehner eine ausgebildete Pferdewartin vollzeitlich auf dem Eselhof. Denn die 29 Esel wollen mehrmals täglich mit Futter versorgt werden. Obst und Gemüse werden gar drei Mal täglich gereicht, mit etwas Heu dazu. Stroh steht den Langohren hingegen jederzeit à discretion zur Verfügung. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 03.12.2018, 15:37 Uhr

Stiftung

Mit einem Esel fing alles an

Die Geschichte der Eselhilfe Schweiz und somit des Eselhofs Aline begann vor 20 Jahren mit einem vor dem Metzger geretteten Pferd. Diesem hatten Viktor und Hanni Huber, die damals noch ihre Gärtnerei in Feldbach führten, die heute 26-jährige Eselstute Aline als Gspänli zur Seite gestellt. Nach dem Tod des Pferdes sollte die Eselstute nicht allein bleiben und so kamen weitere hilfsbedürftige Grautiere dazu.

Die Stiftung Eselhilfe Schweiz ist eine schweizweit einzigartige Institution, um misshandelte und kranke Tiere zu retten und ihnen ein Zuhause zu bieten. Der neue Stall verfügt zudem über eine Krankenstation, die in Zusammenarbeit mit dem Tierspital für rekonvaleszente Tiere eingerichtet wurde. Diese steht noch leer, weil dafür personelle Ressourcen fehlen.
Um den Eselhof Aline weiterführen zu können, ist die Stiftung auf Spenden und Gönnerbeiträge angewiesen. Sie finanziert sich zudem durch Patenschaften und Legate. Ausser der professionellen Pferdewartin arbeiten alle ehrenamtlich. (mz)

www.eselhilfe.ch

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