Stäfa

Ein Festschmaus unter freiem Himmel

Im Rahmen der Ausstellung «Familien im Wandel der Zeit» des Stäfner Museums zur Farb hat die Familie Pulli-Müller zu einer Tafelrunde eingeladen. Der Anlass stand ganz im Zeichen der Italianità.

Am Tisch mit den Pullis: Nicole Peter (links), Kuratorin des Ortsmuseums, gestikuliert schon wie eine richtige Italienerin.

Am Tisch mit den Pullis: Nicole Peter (links), Kuratorin des Ortsmuseums, gestikuliert schon wie eine richtige Italienerin. Bild: Andre Springer

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Die Kreuzstrasse in Stäfa verläuft zunächst parallel zu den Bahngeleisen und bietet auf diesem Teilstück keinen berauschenden Anblick. Doch ab der Stelle, wo sie weg von der Zugstrecke führt, wo die Häuser wieder beidseitig der Strasse gebaut sind, wird sie zur Fahrstrecke durch eine wohnliche Gegend mit viel Grün. Ein Haus ragt von der Grösse her heraus. Bewohnt wird es von der Familie Pulli-Müller. «Willkommen bei uns», begrüsst am Samstag beim Eingang des Hauses eine Kinderschar die zu einem Festessen eintreffenden Gäste.Die Vorfahren der Gastgeber lebten in Apulien, in der Region, die den Absatz des italienischen «Stiefels» bildet. Drei Generationen leben nun im Haus. Die Grosseltern, die zweite Generation und die Enkelkinder haben alle an der zur Neige gehenden Ausstellung im Museum zur Farb mitgemacht. Deren voller Name lautete: «Tanze, schaffe, zäme sii – Familien im Wandel der Zeit». Zusammen mit Bekannten und Freunden soll mit einem Festschmaus im Garten nochmals an die Ausstellung erinnert werden. «Bitte zu Tisch», heisst deshalb die nächste Wortmeldung der Kinder.

Brot aus eigenem Haus

Statt «bitte zu Tisch» würde es in Italien wohl heissen: «Willkommen zur Tavolata». So nennen sie in Bella Italia die Festtafeln, an denen im Kreise der Familie unter freiem Himmel den Gaumenfreuden zugesprochen wird. An der Stäfner Tafel werden gute Tropfen aus Italien kredenzt, Bruschetta aufgetischt, gefolgt von köstlichen Spaghetti all’ amatriciana. Der grosse Garten, umgeben von allerlei Wildpflanzen, das Haus mit den weissen Mauern, die nochmals wärmenden Sonnenstrahlen – es braucht wenig Fantasie, um sich vorzustellen, man sei im Tessin oder in der Toskana. Italianità, die italienische Wesensart verbunden mit südländischer Lebensfreude, ist jedenfalls am Tisch allgegenwärtig: Es wird gelacht und zugeprostet.

Viel Lob gibt es in der Runde auch für das leckere Brot. Gebacken hat es Ursula Pulli-Müller, von allen «Ulla» genannt. «Mein Vater, Emil Müller, hat nach dem Kauf des Hauses darin eine Bäckerei geführt», sagt sie. Sie habe als Kind mitgeholfen, das Brot bei der Kundschaft abzugeben. «Früher brachte der Milchmann die Milch und der Bäcker das Brot.» Ihrem Mann, Pino Pulli, hört man den italienisch gefärbten Akzent an. Ulla und Pino leben im Parterre, darüber teilen sich ihre Tochter Barbara mit ihren Kindern Mona und Ennio die weiteren zwei Stockwerke. Auf Besuch ist Barbaras Bruder Pascal zusammen mit seinen Kindern Nana-Sue und Smilla.

Familienleben mit Fotos

Teil der Ausstellung waren auch Fotos aus den zahlreichen Familienalben von Emil Müller. Ein Blick in die Alben ist am Tag der Tavolata möglich. Mit viel Sorgfalt klebte der frühere Hausherr die Überlieferungen auf die Seiten, eine Schutzseite liegt jeweils dazwischen. Was die Fotos aussagen, schrieb er fein säuberlich dazu. Zu sehen sind Kindergeburtstage, Weihnachtsfeiern und vor allem Fotos von Reisen. «Sonntagsausflug nach Donaueschingen» steht bei Aufnahmen aus dem Jahr 1959. Reisemittel war ein VW. Mit einer Vespa – auch sie gehört zur Italianità – ging es 1956 nach Südfrankreich und Italien.

«Ich habe mit einer Auswahl der Fotos für die Ausstellung eine Collage gemacht», sagt Nicole Peter, die Kuratorin des Museums zur Farb, die am Festessen ebenfalls teilnimmt. Ansonsten war die im Mai eröffnete Exposition vor allem eine Sammlung von Tondokumenten. Nicole Peter hatte mit den Generationen der Familien Pulli-Müller, Hohl und Reichling/Niedermann Interviews zum Familienleben aufgezeichnet. Der letzte Anlass im Rahmenprogramm zur Ausstellung findet am kommenden Samstag, 27. Oktober im Museum zur Farb mit einem Workshop (14.30 bis 16 Uhr) statt.

(zsz.ch)

Erstellt: 21.10.2018, 14:50 Uhr

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