Männedorf

Ein Dorf investiert mit Schulgebäuden in seine Zukunft

Am Wochenende wird das neue Schul- und Mehrzweckgebäude Blatten eingeweiht. Aus diesem Anlass zeigt der Verein Kulturschüür die Ausstellung «400 Jahre Schule Männedorf», die am Freitag eröffnet wird.

Die drei ehemaligen Lehrkräfte Heidi Kempin, Dieter Pestalozzi (links) und Christoph Daum haben an der Ausstellung mitgearbeitet.

Die drei ehemaligen Lehrkräfte Heidi Kempin, Dieter Pestalozzi (links) und Christoph Daum haben an der Ausstellung mitgearbeitet. Bild: Sabine Rock

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Das erste Mal wird eine Männedörfler Schule im Jahr 1623 erwähnt. Aber so richtig los geht es mit der Schulgeschichte der Fischottergemeinde, nachdem 1831 im Kanton Zürich die Schule zur Staatsaufgabe erklärt und in der Staatsverfassung verankert wird. Kaum ist ein Jahr später das erste kantonale Volksschulgesetz in Kraft getreten, bewilligt die Männedörfler Bevölkerung auch schon den Bau ihres ersten Zentralschulhauses. 1835 wird dieses eröffnet. Es ist das erste Schulgebäude auf dem heutigen Schulareal Blatten. 1875 folgt der Bau des zweiten und 1898 bereits eines dritten Schulhauses.

Im Volksmund wurde das Ensemble der drei Schulhäuser zur «Akropolis». Für die damaligen Verhältnisse einer armen und ländlichen Gemeinde wie Männedorf, deren Bewohner mehrheitlich aus Rebbauern, Landwirten und Heimarbeitern bestanden, waren das beträchtliche und weitsichtige Investitionen für die Zukunft.

Animositäten abbauen

Volksbildung sei damals schon mit Volksfreiheit gleichgesetzt worden, wie die ehemalige Gemeindepräsidentin Heidi Kempin, die zur Projektgruppe gehört und einst selber als Lehrerin tätig war, auf einem ersten Rundgang durch die ortsgeschichtliche Ausstellung informiert. Sie gibt zum Bau des Zentralschulhauses auch gleich eine Anekdote preis: «Das Dorf war damals in verschiedene Fraktionen geteilt und die Kinder vom Oberdorf und Unterdorf verprügelten sich regelmässig.» Diese Animositäten sollten durch den Bau eines Zentralschulhauses, in dem die Kinder aus allen Klassen und Schichten zusammenkommen würden, überwunden werden.

Spiegelbild der Epochen

Heute ist die Schule Männedorf in zwei Schulzentren unterteilt: Das Unter- und Oberstufenzentrum auf dem Blattenareal, das Mittelstufenzentrum auf dem Areal Hasenacker. «Dort kam das erste Schulhaus erst 1963 zu stehen», fügt Christoph Daum, der als Vertreter des Vereins Kulturschüür die Ausstellung mit aufgebaut hat, an. Als pensionierter Lehrer hat er Erinnerungen und Anekdoten aus seinem Lehrerleben in der Broschüre zur Ausstellung «400 Jahre Schule Männedorf – Ein Dorf investiert in seine Zukunft» festgehalten. Die Broschüre liefert nicht nur wertvolle Einblicke in Männedorfs Schulgeschichte, sondern ist auch ein Spiegelbild verschiedener Epochen.

Da die Entwicklung der Schule und ihr ganzes Umfeld eng mit dem Wachstum und Wandel der Gemeinde einhergeht, sind Aufnahmen und Karten zum sich veränderndem Ortsbild zu sehen. Eine Radierung etwa zeigt, wie die Fischottergemeinde noch im 18. Jahrhundert ausgesehen hat. Schwarzweiss Fotos dokumentieren, dass zu Männedorf einst die Fabrik Seidenbrunner und die Gerberei Staub, wo heute der Aldi steht, gehört haben. Christoph Daum weist auf eine Aufnahme hin, die einen Waggon der Wetzikon-Meilen-Bahn zeigt, die von 1903 bis 1950 verkehrte und dann durch Busse ersetzt wurde.

Tintenfass und Neocolor

Im obersten Stock der Kulturschüür verbreiten zwei kleine Räume Nostalgie. In einem steht eine alte Schulbank mit aufklappbaren Pultteilen, auf die die Schüler ihre Bücher platzieren konnten. Selbst die Schreiberin drückte einst die Schulbank an eben einem solchen Pult, der mit einem Tintenfach ausgestattet ist. Daneben zieren Schülerzeichnungen, gemalt mit Neocolor, die heutigen Kindern nichts sagen, die Wände. Nachthemden und Wollsocken aus früheren Handarbeitsklassen, die eher zum Schmunzeln verleiten, werden wohl manche Besucherin an ihre Schulzeit von anno dazumal erinnern. Ein Archiv mit alten Büchern soll schliesslich zum Schmökern einladen.

Vernissage am Freitag, 25. Mai, ab 18 Uhr, Kulturschüür Liebegg, Männedorf. Bis 8. Juli. Geöffnet: Freitags 17 bis 20 Uhr und Samstag/Sonntag 14 bis 17 Uhr. Am Montag, 4. Juni (19 Uhr) lädt Heidi Kempin zur Spurensuche Männedorf gestern und heute. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 23.05.2018, 16:53 Uhr

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