Meilen

Ein Chorkonzert mit eigenwilligen Werken

Der Neue Zürcher Kammerchor widmete sein Konzert dem amerikanischen Chorschaffen der letzten 100 Jahre. Neben den Sängerinnen und Sängern war dabei auch das Publikum gefordert.

Der Neue Zürcher Kammerchor unter der Leitung von Beat Schäfer wusste seine Zuhörer in der reformierten Kirche Meilen zu verzücken.

Der Neue Zürcher Kammerchor unter der Leitung von Beat Schäfer wusste seine Zuhörer in der reformierten Kirche Meilen zu verzücken. Bild: Sabine Rock

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Beim Erarbeiten und Aufführen von Musik verschiedenster Bereiche sucht der Neue Zürcher Kammerchor (Nzük) stets neue Herausforderungen. So steht es im diesjährigen Programmheft des 2003 gegründeten Ensembles, das seit 2007 von Beat Schäfer geleitet wird. Schäfer ist in Meilen kein Unbekannter, hat er doch zwischen 1983 und 2000 im Auftrag der Reformierten Kirchgemeinde eine mehrchörige Kantorei mit angegliederter Singschule aufgebaut.

Hat man nun dem Liedervortrag der 36 Sängerinnen und Sänger am frühen Sonntagabend in der reformierten Kirche Meilen beigewohnt, muss man sagen, dass sie die Herausforderung, sich für ihr diesjähriges Konzert klassischer amerikanischer Musik zu widmen, vollends gemeistert haben. Denn obwohl mit «Good Morning, America» amerikanische Musik der letzten 100 Jahre angesagt war, lag in der Wahl der Komponisten der Akzent deutlich auf den letzten Jahrzehnten.

Will heissen, dass Rhythmus, Melodik und Klangfarben vor allem in den Werken zeitgenössischer Komponisten experimentell und zeitweise auch mal expressiv waren: schwierig zu singen, anspruchsvoll zum Zuhören, da man sich nie einem fliessenden Gesang hingeben kann.

Aufwühlende Strophen

Schon das dreizeilige Prelude von «The Lark» aus der Feder von Leonard Bernstein ist mehr atonaler Sprechgesang als melodisches Singen. Auch in William Albrights «Chichester Mass» kann man sich nicht von einer harmonischen Melodik forttragen lassen, zu aufwühlend sind die in Englisch gesungenen Strophen, zu abrupt die Tempiwechsel. Albright war am Klavier zwar ein begnadeter Ragtime-Spieler, der verschiedene Stile und Genres zusammenzuführen verstand. Doch als Kirchenmusiker hat er seiner Messvertonung zu viel Chaos zugemutet. Seine «skurrile Art» würde darin durchschimmern, wird man im Programmheft aufgeklärt.

In «War Dreams» vertont der 1983 geborene Zachary Wadsworth Auszüge aus der Bibel: Feierlich erhaben und dann wieder melancholisch sind hier die Töne, die erst mal in fliessendem Rhythmus ertönen und die vom vierstimmigen Chor weitergetragen werden. Die Frauenstimmen übernehmen das repetitive «I dream» und lassen es wie ein Echo erklingen, was schon etwas Sphärisches an sich hat. Das ist Chorgesang, wie es die Ohren mögen.

Moderne Saxofonklänge

Einem Aufschrei gleich kommen «Messages to Myself» von Christopher Theofanidis daher, die dieser in teils bis zur Achtstimmigkeit aufgefächerter Harmonik präsentiert. Das vom Österreicher Ernst Krenek 1956 vertonte Spottgedicht von Carl Sandburg, «Guten Morgen, Amerika», ist das einzige auf Deutsch vorgetragene Werk. Der Emigrant Krenek, der Amerika viel verdankte, sah sich gezwungen, mit dieser Komposition in der Zeit des beginnenden Kalten Krieges einen bös-satirischen Kommentar abzugeben. Der sozialkritisch eingestellte Autor Sandburg gilt übrigens als Urheber des bekannten Satzes: «Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin.»

Als Ergänzung zu den vokalen Werken interpretierten Paulina Pitenko und Faustyna Szudra auf ihren Altsaxofonen Stücke von zeitgenössischen amerikanischen Komponisten. Die Werke zeichneten sich durch einen Mix aus Minimal Music, Rocksound und elektronisch verzerrter Musik wie auch durch einen rhythmisch virtuosen Blues aus.

Erstellt: 08.07.2019, 18:51 Uhr

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