Zumikon

Ein Abschied mit überraschenden Auftritten

Die Harmonie Zumikon hat das letzte Jahreskonzert unter der Leitung von Lukas Hering gegeben.

Mag die Arbeit am Detail: Dirigent Lukas Hering am Jahreskonzert der Harmonie Zumikon.

Mag die Arbeit am Detail: Dirigent Lukas Hering am Jahreskonzert der Harmonie Zumikon. Bild: David Baer

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Auf einmal melden sich die Stimmen aus dem Publikum. Eine erst, dann eine zweite. Dirigent Lukas Hering von der Harmonie Zumikon wirkt leicht irritiert. Und es werden immer mehr der Zuhörer, die sich erheben. Bis auf eine Ausnahme sind es lauter Männer. Fortgeschritten sind sie im Alter, gesegnet mit kräftigem Organ. «Lueget vo Berg und Tal», verkünden sie – in mehrstimmig einsetzendem, eindrücklichem Gesang.

Es sind dies Mitglieder des Zumiker Männerchors unter der Leitung von Ildiko Bende. Ihr Auftritt am Samstagabend ist ausser Programm: eine Überraschung für Hering. Sie gelingt denn auch. Als sprachlos wird er sich bezeichnen, nachdem noch ein Quartett der Sänger eine besondere Version von Polo Hofers «Stets i Truure» zum Besten gegeben hat. Das Lied, in dem es um Untreue und Abschiedsschmerz geht, ist nicht ohne Grund gewählt. Denn Abschiednehmen ist auch für die Harmonie angesagt. Nach 20 Jahren hört Hering als ihr Dirigent auf. Das Jahreskonzert, zu dem sie an jenem Abend aufspielt, ist ihr letztes unter seiner Leitung. Was das mit dem Männerchor zu tun hat: so viel, dass die beiden Musikvereine immer wieder gemeinsam konzertiert haben.

Gast aus Spanien

Es soll mit dem Intermezzo des Männerchors nicht bei der einzigen Überraschung für den Abtretenden – und das gut 200-köpfige Publikum – bleiben. Schon das zweite Stück des Abends hält eine weitere bereit. «Eiger – A Journey to the Summit» heisst es, eine Komposition des Holländers James Swearingen. Sie bringt mit mal wuchtig-erhabenen, mal zart-heiteren Klängen zum Ausdruck, wie die Naturgewalten der Bergwelt im Rhythmus der Jahreszeiten wirken. Jedenfalls ist die Assoziation etwa von bedrohlich talwärts grollenden Felsbrocken oder alles verschlingendem Schneefall nicht weit, als Posaunen, Tuba und Perkussion aus dem Vollen schöpfen.

Und hierin entdeckt Hering denn auch das Unerwartete. Ist doch das Schlagzeug von Carmen Erb besetzt, einer ehemaligen Kollegin des ausgebildeten Trompetisten an der Musikschule Zumikon und im Opernhaus-Orchester, wo Hering eine Zeit lang Zuzüger war. Überraschend ist Erbs Auftritt insofern, als diese nicht gerade um die Ecke wohnt – sondern mittlerweile im spanischen Tarragona.

Wenn auch das Konzert im Zeichen des Abschieds steht – ganz der letzte Auftritt Herings mit der Harmonie ist es nicht. Er wird noch bis Ende Jahr die Zumiker Bläser begleiten. Die späteren Gelegenheiten wie etwa das Adventskonzert würden indes einen weniger passenden Rahmen für dessen Verdankung abgeben, erklärt Vereinspräsidentin Ruth Winistörfer.

Nichts «highlighten»

Freilich kommt trotz allem die Musik nicht zu kurz, und das zur Begeisterung der Zuhörer. So geizt dieses nicht mit Beifall, etwa beim Stück «Yakety Sax». Die bekannte Melodie aus der Fernsehserie «Benny-Hill-Show» bringt – getreu deren Titel – die vier Saxofone der Harmonie besonders zur Geltung. Ins Schwarze trifft die Harmonie zudem mit «80er Kult(tour)«. Das Medley aus deutschen Schlagern jener Dekade ruft die eine oder andere Erinnerung wach.

Genau darum, um die Förderung der Spielfreude der Amateure, sei es ihm gegangen, erklärt Hering. Das Zuhilfeholen externer Musiker nur der Erweiterung des Repertoires willen, habe ihn darum wenig interessiert. Ein Fakt, den auch Winistörfer – auch sie gibt auf Ende Jahr ihr Amt auf – an dem 52-Jährigen hervorhebt. Gleichwohl, «die Leute sind musikalisch immer besser ausgebildet», stellt der alteingesessene Zumiker zur Harmonie fest.

Im Rückblick freue ihn darum der erste Preis, den er mit ihnen einmal am Kantonalen Musikfest errungen habe. «Ich möchte aber kein Ereignis aus den 20 Jahren highlighten», sagt er. Nun verlasse er die Harmonie, damit diese mit einem Nachfolger frische Ideen bekomme. Zudem auch, um wieder mehr Zeit für seine Hauptaufgabe als Gesamtleiter der Jugendmusikschule Winterthur und Umgebung zu haben.

Erstellt: 16.06.2019, 19:58 Uhr

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