Küsnacht

Ein Abend für die Freiwilligen

Viele Angebote der Reformierten Kirche Küsnacht funktioniert nur durch Freiwillige. Zum Dank lädt die Kirchenpflege einmal im Jahr zu einem Festanlass ein.

130 Freiwillige nahmen am Dankesanlass der reformierten Kirche Küsnacht teil.

130 Freiwillige nahmen am Dankesanlass der reformierten Kirche Küsnacht teil. Bild: Patrick Gutenberg

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Die Liste ist umfangreich. Doch er lasse es sich nicht nehmen, sie ganz herunterzulesen. Dies sagt Andrea Bianca und holt Luft. Bei A wie Abendmahl beginnt der reformierte Pfarrer von Küsnacht und endet bei W wie Weihnachtsfeier. Dazwischen nennt er: Basar und Jugendlager. Flüchtlingsarbeit und Mittagstisch. Und weiteres. Um nach jedem der Begriffe den Blick in seine gut 130-köpfige Zuhörerschaft zu werfen: Da und dort zeigen mal mehr, mal weniger Arme in die Höhe.

Zögerlich oft, als wolle man gar nicht so auf sich aufmerksam machen. Sie sollen sich durchaus sichtbar machen, sagt Bianca. Denn, die Leute, die sich im Saal der Reformierten Kirchgemeinde Küsnacht eingefunden haben, stehen sonst weniger im Zentrum: die Freiwilligen. Mit ihrem Handzeichen machen sie deutlich, in welch unterschiedlichen Bereichen sie sich einbringen.

Dreigangmenü mit Unterhaltung

Am vergangenen Freitagabend sind sie indes nicht zusammengekommen, um Bücher für den Basar zu sortieren oder Kaffee auszuschenken. Im Gegenteil: den Kaffee ausschenken werden diesmal die Kirchenpfleger und weitere Mitarbeiter der Kirche. Und die Freiwilligen die Bedienten sein: Es ist dies der alljährlich stattfindende Anlass, mit dem ihnen für ihr Engagement gedankt wird.

Etwas mehr wert als nur gerade einen Kaffee, ist der Kirche das Engagement ihrer Freiwilligen aber schon: ein Dreigangmenü mit Unterhaltung durch das Duo Scacciapensieri. Und so tragen die Angestellten der Kirche emsig den Apéro auf, als Bianca und sein Kollege René Weisstanner noch am Eingang des Kirchgemeindehauses stehen und die Eintreffenden begrüssen. Wenig später dann, als sich Letztere an den Zehnertischen niedergelassen haben und ein munteres Gesprächsdurcheinander den Saal erfüllt, gilt es: Getränke einschenken hier, Suppenteller herantragen dort, Brot nachreichen da. Den Freiwilligen scheint das Umsorgtwerden nicht zu missfallen. Das Essen wird gelobt, die Tischdekoration bewundert. Dazwischen über Erlebtes berichtet, gelacht, diskutiert – nicht nur aus dem Bereich der Freiwilligenarbeit. Und hin und wieder heisst es: die Gespräche unterbrechen und sich eine Ansprache zu Gemüte führen.

Im Sinn von Zwingli

«Ihr zählt», lässt Bianca sie etwa wissen, kurz bevor er mit der Auflistung ihrer Einsatzbereiche der Freiwilligenarbeit rhetorisches Gewicht verleiht. In seiner Ansprache steht kein Geringerer Pate, als der, von dem heuer ohnehin schon viel die Rede ist: Zwingli. Erst durch seine Kirchenreform hätten die Menschen die freie Wahl erfahren. Und nur durch ihre freie Entscheidung, würden sie die Kirche im reformierten Sinn überhaupt erst möglich machen. Auch Weisstanner verweist in seiner vorgängigen Ansprache auf den Reformator. «Er hätte nie auf Menschen verzichten können, die die Kirche von da nach dort bewegen.»

So eindringlich die Worte der Pfarrer über die Tragweite der Freiwilligenarbeit – so profan ist oft die Motivation der Anwesenden für ihr Engagement. «Die Kontakte mit anderen Leuten, weil es Freude macht», ist zu hören, wo man fragt. Freude etwa am Basteln, Nähen, «etwas Neuem ausprobieren», wie die bald 80-jährige Marianne Fischer sagt. Seit 31 Jahren fertigt die ehemalige Primarlehrerin Selbstgemachtes für den Basar an. Dies zusammen mit sechs Frauen, die sich ursprünglich in Goldbach kennengelernt haben. Besonders stolz ist sie auf ihre Stoffbilderbücher, die sie mit allerlei Details als Entdeckungswelten für Kleinkinder gestaltet.

Früher reine Frauensache

«Freude, weil etwas zurückkommt», sagt dagegen Barbara Bauknecht. Die 20-Jährige ist eine der wenigen Jugendlichen im Saal. Seit gut zehn Jahren aber schon engagiert sie sich in der Kinderbetreuung. Dazu gekommen ist sie durch ihre Mutter Regula, die beim Kerzenziehen, Basar und Flohmarkt mitmacht – «schon ewig», sagt die 55-Jährige lachend.

Und auch das hört man öfters: dass das Engagement vor Jahrzehnten begonnen hat, meist zufällig durch freund- oder verwandtschaftliche Beziehungen. «In den Siebzigerjahren war die Freiwilligenarbeit noch reine Frauensache», erinnert sich eine Basarmitwirkende. «Man war froh, ausserhalb des Hauses eine Aufgabe zu haben.» Kaum jemand der Befragten aber ist primär dabei, weil er sich als fleissigen Kirchengänger bezeichnen würde. Ja, man hört auch begeistert vom Angebot «bei den Katholiken» reden. Und damit beweist sich Biancas Aussage: «Es ist Ihnen überlassen, wo Sie hinwollen.»

Erstellt: 28.01.2019, 20:57 Uhr

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