Zumikon

Drei Ideen für den Zumiker Dorfplatz

Eine Pergola, eine Bushaltestelle oder ein Take Away-Angebot – der Zumiker Gemeinderat hat viele Vorschläge für seinen Dorfplatz.

Der Zumiker Gemeinderat hat viele Ideen, um seinem Dorfplatz neues Leben einzuhauchen.

Der Zumiker Gemeinderat hat viele Ideen, um seinem Dorfplatz neues Leben einzuhauchen. Bild: Archiv Michael Trost

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Der Zumiker Dorfplatz hat in den letzten Jahren an Bedeutung verloren. Grossverteiler wie Coop und Migros sind an den Kreisel Waltikon gezogen, Forchbahnschalter und Bank wurden geschlossen, und schliesslich ist auch das «Dorfkafi» nicht mehr der zentrale Treffpunkt. Um diesen Abwärtstrend umzukehren, hat der Gemeinderat 2018 drei Architekturbüros mit einer sogenannten Testplanung beauftragt. Die Teams sollten das Dorfzentrum einer eingehenden Analyse unterziehen und das Potenzial des Platzes herausarbeiten. Das Ergebnis dieser Arbeit wurde am Dienstagabend der Öffentlichkeit präsentiert.

An die 200 Interessierte strömten hierzu in den Kirchgemeindesaal und brachten diesen damit an seine Kapazitätsgrenze. Weil das Dorftheater derzeit im Gemeindesaal die satirische Komödie «Die Schweizermacher» probe, habe man die Veranstaltung in den kleineren Kirchgemeindesaal verlegen müssen, erklärte Gemeindepräsident Jürg Eberhard (FDP) und konnte sich dabei einen Wortwitz nicht verkneifen: «Hoffen wir, dass das hier keine Tragödie wird.»

Schlüsselrolle für Dorfkafi

Bevor sich die Anwesenden auf einem Rundgang selber eine Meinung über die Ideen der drei Architekturteams bilden konnten, erläuterte Liegenschaftsvorsteher Thomas Epprecht (FDP) noch einmal die Hintergründe der Testplanung. So hätten verschiedene Gebäude auf oder am Dorfplatz dringenden Sanierungsbedarf. Dazu gehört etwa das Gemeindehaus, welches heuer in einem ersten Schritt einer Innensanierung unterzogen wird. Aber auch die Gebäudehülle braucht in den kommenden Jahren eine Auffrischung. Dringend sanierungsbedürftig ist ausserdem die Tiefgarage unter dem Platz. Dort tropft es seit längerem von der Decke. Zu guter Letzt weisen auch das Gemeinschaftszentrum und das Dorfkafi einen Erneuerungsbedarf auf.

Letzterem dürfte in der künftigen Platzgestaltung eine Schlüsselrolle zukommen, wie Epprecht den Anwesenden erklärte. Gespräche mit den aktuellen Mietern des Dorfkafis respektive der Pizzeria «Italia 2000» hätten ergeben, dass der verwinkelte Bau den Betrieb massgeblich erschwere. «Von der Theke aus hat das Personal nicht auf alle Bereiche des Restaurants Einblick.» Deswegen stehe hier ein Ersatzneubau im Vordergrund. Die Lage und Gestaltung des neuen Dorfkafi-Pavillons lag denn auch im Fokus der Planerteams.

Parkplätze und Busschlaufe

Zwei der drei Architekturbüros präsentierten ein Projekt, bei dem der Pavillon in der Mitte des Dorfplatzes zu stehen kommen würde. Das Team von Studio Brühlmann Loetscher Buson (BLB) unterteil den Platz mithilfe des Pavillons in zwei Bereiche. Die Fläche zwischen Dorfstrasse und Pavillon beschreiben die Planer als «lebendiger Dorfplatz». Dort würde, so die Idee, mit der Einführung einer Begegnungszone und Kurzzeitparkplätzen das Alltagsleben seinen Lauf nehmen. Auf der anderen Seite zwischen Pavillon und Gemeindehaus würde indes ein eher ruhiger Bereich entstehen, der Fussgängern und spielenden Kindern vorbehalten ist.

Im Pavillon selber könnten neben einem Bistro auch ein Kiosk sowie die Aufgänge aus der Forchbahn und dem Parking untergebracht sein. Das Studio BLB skizzierte ausserdem die Möglichkeit, die Wendeschlaufe des Küsnachter-Busses über das nördliche Platzende zu führen und die Endstation seitlich vom heutigen Coop beziehungsweise des zukünftigen Aldi zu platzieren.

Die gleiche Idee hatte das Team von Arndt Geiger Hermann. Auch in seinem Entwurf, wird die Bushaltestelle an den nördlichen Rand des Dorfplatzes verlegt. Ebenso würde der Pavillon mit Platz für eine Kaffeestube und Bar sowie einen Take Away oder Kiosk in die Platzmitte verschoben. Dank einem weit auskragendem Dach entstünde zum Gemeindehaus hin ein gedeckter Platzbereich, der für Märkte, Konzerte oder Ausstellungen nutzbar würde.

Die Projektidee von sa_partners hebt sich indes deutlich von denjenigen der anderen Architekturbüros ab. So ist der Neubau des Pavillons an seinem heutigen Platz, unmittelbar neben dem Gesellschaftszentrum, angedacht. Der Dorfplatz wird parallel zur Dorfstrasse als Terrasse mit einer Pergola inszeniert. Als Abschluss dieses Bereichs dient ein zweiter Kubus. Hier könnte eine After Work Bar oder ein Kiosk entstehen.Der Bereich zwischen Pavillon und Gemeindehaus würde derweil zum Ruheplatz.

Erstellt: 06.03.2019, 17:14 Uhr

Das sagen die Zumiker

Gut 200 Interessierte besuchten die Informationsveranstaltung zur Zukunft des Zumiker Dorfplatzes. Obschon es sich bei den Resultaten der Testplanung lediglich um einen Ideen-Steinbruch handle, wie Liegenschaftsvorsteher Thomas Epprecht (FDP) mehrfach betonte, war es dem Gemeinderat dennoch wichtig, auch die Meinungen der Bürgerinnen und Bürger abzuholen. Diese zeigten sich von den Vorschlägen der drei Architekturteams denn auch weitestgehend angetan. Positiv bewertet wurde etwa, dass der Gemeinderat eine Steuerungsgruppe einsetzen will. «Wichtig wäre es, dass diese Gruppe sich bereits jetzt mit zukünftigen Mietern und Pächtern in Verbindung setzt», meinte ein Anwesender.

Damit die «Neumöbelierung» des Dorfplatzes keine Totgeburt werde, sei es unerlässlich, die Planung mit den zukünftigen Akteuren zusammen voranzutreiben. Weitere Votanten äusserten sich kritisch bezüglich des geplanten Neubaus des Pavillons. «Der Gebäudekomplex beschränkt, egal wo er zu stehen kommt, den Platz.» Daraus ergab sich für eine Rednerin die Frage, ob denn auch ein Projekt ohne Pavillon denkbar sei. Die Gemeinde halte grundsätzlich an einem Restaurationsbetrieb fest, erklärte Thomas Epprecht. «Sollte sich jedoch die Möglichkeit ergeben, in einem anderen Gebäude am Dorfplatz ein Gastroangebot zu realisieren, wäre die Gemeinde offen dafür.»

Der Zumiker Städteplaner Pierre Feddersen, der die Testplanung als Fachperson für die Gemeinde begleitete, gab jedoch zu bedenken, dass ein grosser Platz auch schwieriger zu beleben sei. «In der Stadt Zürich mag sowas gehen. In Zumikon mit rund 5000 Einwohnern ist das unrealistisch.» Für das emotionalste Votum des Abends sorgte indes Remo Saliji von der Pizzeria Italia 2000, seit 2012 Pächter des Dorfkafis: «Sie sprechen immer davon, dass das Dorfkafi kein Treffpunkt mehr sei, die Leute nicht mehr anziehe. Damit diskreditieren Sie mein Geschäft.» Er habe eine stolze Anzahl Stammgäste, beteuerte Saliji. Egal ob morgens zum Kaffee, mittags oder abends, der Laden laufe. (fse)

So geht es weiter

Der Zumiker Gemeinderat hat ausgehend von den Ergebnissen der Testplanung zehn Handlungsgrundsätze für das weitere Vorgehen rund um die Neugestaltung des Dorfplatzes formuliert. Diese betreffen die Planung eines Ersatzneubaus für das Dorfkafi sowie die Belebung des Dorfplatzes. Als nächstes soll ein Masterplan erstellt werden, der die konkreten gestalterischen und städtebaulichen Vorgaben definiert.

Wie der Gemeinderat an der Infoveranstaltung vom Dienstagabend mitteilte, hat er zudem beschlossen eine «Steuerungsgruppe für die Zentrumsentwicklung» einzusetzen. Dieser sollen neben einer bis zwei Fachpersonen auch der Gemeindepräsident sowie die Vorsteher der Ressorts Liegenschaft und Hochbau angehören. Die Gruppe ist verantwortlich für den Dialog und die Verhandlungen mit den Eigentümern und Bauherren von Nachbarliegenschaften am Dorfplatz. Ausserdem wird sie es sein, die allfällige Projektwettbewerbe ausschreibt und begleitet. (fse)

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