Meilen

Dixie und Boogie-Woogie im Rahmen eines Banketts

Sie nennen sich The Saints, die «Heiligen». Sie gehören in der Schweiz zu den Dienstältesten im Jazz. Am Samstagabend begeisterten sie das Publikum – in einem Ambiente, das seinesgleichen sucht.

Haben den Jazz im Blut: Musiker der Band The Saints.

Haben den Jazz im Blut: Musiker der Band The Saints. Bild: Moritz Hager

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The Saints, das Sextett mit dem Hombrechtiker Romeo Borbach als Bandleader, hatten am Samstagabend das Publikum in Meilen mit bluesigem Swing und traditionellem Dixieland in den Bann gezogen, als die Lichter auf der Bühne plötzlich ausgingen und sich die Band fürs erste verabschiedete. Dafür kam im General-Wille-Saal des Gasthofs Löwen Hektik auf.

Servicepersonal eilte von Tisch zu Tisch und servierte charmant lächelnd hausgemachten Frischkäse mit Nusspesto auf buntem Salatbouquet als Vorspeise. Im ausverkauftem Haus galt es, 20 Tische mit 160 Gästen zu bedienen. Für Aussenstehende wurde klar: Das Konzert der Saints war gleichzeitig ein Bankett, Musikgenuss und Tafelfreuden wechselten sich schön regelmässig ab.

Längst im Pensionsalter

Bandleader Borbach zählt stolze 80 Lenze, und auch seine Mitmusiker sind längst ins Pensionsalter gekommen. Unterstützung bekam die Amateur-Formation im zweiten Teil des Abends von Profisängerin Judy Emeline, eine langjährige Begleiterin der Band mit Wurzeln in Jamaika.

Sie sang mal einfühlsam und weich, mal forte und leidenschaftlich, stets bestens unterstützt von Pianist Borbach, den Bläsern Paul Tantanini, Ernst Bigler und Paul Högger sowie der Rhythmusgruppe mit Schlagzeuger Eugen Weber und Hans Schläpfer am Kontrabass. Ein frenetisch applaudiertes Highlight war die Version von «Life is A Cabaret», dem Song, der Liza Minnelli Weltruhm einbrachte.

In der nächsten Pause folgte der Hauptgang. Zur Auswahl standen eine Fleisch-, eine Fischspeise und vegetarisches Essen. Die älteren Herren und die Frontfrau interpretierten in der Folge ihre Stücke erneut mit viel Drive und sichtlichem Vergnügen, streuten Boogie-Woogie-Nummern und Improvisationen ein. Beim Evergreen «Down By The Riverside» sang das Publikum begeistert mit.

Jubiläen mit Schnapszahlen

«Wir haben alle den Jazz im Blut, Jazz ist ein Teil unseres Lebens», sagte Borbach während der Dessertpause. «Dies, obwohl keiner von uns Berufsmusiker geworden ist.» Der Bandleader war als Lehrer tätig, so auch in Erlenbach, wo The Saints auch mal am Dorffest spielten.

Sie traten ebenso an der Einweihung des Forchbahntunnels auf, im legendären Dancing Black Out in Kloten, im Dolder Grand und Kaufleuten, zusammen mit Bill Ramsey, mit Emil Steinberger am Zoo-Apéro des Zirkus Knie, wie es überhaupt kreuz und quer durch die Schweiz wohl keine Jazz-Location gibt, in denen die sechs Musiker nicht schon gespielt hätten.

The Saints machten zum Abschluss des Abends mit «When the Saints Go Marching In» Werbung in eigener Sache, ehe als Zugabe «What a Wonderful World» erklang. «Das Festbankett war unser traditionelles Jahreskonzert, zu dem wir jeweils unsere Fans einladen, die uns schon lange die Treue halten», sagte Borbach abschliessend.

Ausserdem sei es offiziell das 66-Jahre-Jubiläum gewesen, fügte er an. Im Jahr 1952 wurden die «Heiligen» gegründet. Borbach, der Dienstälteste in der Gruppe, stiess Anfang der 1960er-Jahre dazu. «Wir feiern immer Jubiläen mit Schnapszahlen», sagte er lachend. «Das war auch beim 33- und 44-jährigen Bestehen der Fall.» Ans Aufhören denken The Saints überhaupt nicht. Das nächste Jahreskonzert ist bereits in Planung.

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 02.12.2018, 18:08 Uhr

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