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Ein Fest für das geschriebene Wort

Die Zürichsee-Zeitung feiert ihr Jubiläum im Löwen Meilen. Dass dabei auf der Bühne wenig geredet wurde, war sozusagen ein bewusster Zufall: Gedruckte Worte sprechen für sich.

ZSZ-Chefredaktor Benjamin Geiger begrüsst Hans Gut (Mitglied der ehemaligen Verlegerfamilie) zum Jubiläumsanlass im «Löwen» in Meilen.
ZSZ-Chefredaktor Benjamin Geiger begrüsst Hans Gut (Mitglied der ehemaligen Verlegerfamilie) zum Jubiläumsanlass im «Löwen» in Meilen.
Manuela Matt
Von links: Thomas Isler (Gessner AG), Theo Leuthold (Gemeindepräsident Horgen), Felix Oberhänsli (Gemeindeschreiber Horgen)
Von links: Thomas Isler (Gessner AG), Theo Leuthold (Gemeindepräsident Horgen), Felix Oberhänsli (Gemeindeschreiber Horgen)
Manuela Matt
Eine Zeitung und ihr Weg durch die Zeit – illustriert von ZSZ-Karikaturist Olivier Samter.
Eine Zeitung und ihr Weg durch die Zeit – illustriert von ZSZ-Karikaturist Olivier Samter.
Olivier Samter
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Geschichte ist so lebendig wie sie aktuell bleibt. Das darf die Zürichsee-Zeitung für sich in Anspruch nehmen. Seit dem Urknall 1845 mit dem Wochenblatt am Zürichsee trägt sie nicht nur Nachrichten aus der Welt in die Region, sondern bringt auch die News aus der Region den Menschen von hier näher.

Der unabhängige Journalismus hat die Gemeinden am linken und rechten Seeufer seit je her geprägt und beigetragen, die Demokratie im Dorf und das Zusammenleben zu stärken – ganz im liberalen Geist ihres Geburtshelfers, der Lesegesellschaft Stäfa.

Das 175 Jahr-Jubiläum feierten Redaktion, Verlag und Inseratenabteilung am Donnerstagabend mit Gästen aus Politik und Wirtschaft im Gasthof Löwen Meilen. Verleger und Tamedia-Verwaltungsratspräsident Pietro Supino baute die Brücke von den Anfangszeiten, als die neue Zeitung das Informationsmonopol des Kirchenrufs brach, in die Gegenwart und Zukunft mit der Digitalisierung. Seine Rede war der einzige gesprochene Programmteil des Abends. Ansonsten blieb es auf der Bühne still. Statt Worte übernahmen historische Fotos und epochale Zeitungsartikel auf der Leinwand das Zepter.

Dialog auf Plakaten

Auf die Spitze trieb das Kabarettisten-Duo Ohne Rolf die wortlose Unterhaltung. Jonas Anderhub und Christof Wolfisberg blätterten sich mit Wörtern und Sätzen durch einen absurden Dialog auf Plakaten. Mit minimalistischen Ausdrücken auf Papier kreierten sie Konversationen und Sketches. Druckreif bis buchstäblich zum Punkt. Die Pointen spriessten vor Humor und Selbstironie – zuerst in bedruckender Stille, dann abgelöst von schallendem Gelächter im Publikum. Dass ZSZ-Chefredaktor Benjamin Geiger dabei sein Druckerfett abbekam, war nur logisch und erheiternd. Einer muss halt seinen Kopf hinhalten - wie immer der Boss.

Die Geschichte der Zürichsee-Zeitung im Video

An den Tischen verdeutlichten die Gespräche, wie nahe sich das öffentliche Leben in der Region und Zeitungsredaktion bei aller beruflichen Distanz sind. Urs Mettler, Gemeindepräsident (parteilos) in Uetikon sieht die Regionalzeitung «idealerweise als Sparringpartner». Die Journalistinnen und Journalisten würden Entscheidungen und Sachverhalte in der Gemeindepolitik hinterfragen – stellvertretend für die Bürgerinnen und Bürger. «Das hilft, damit wir uns möglichst sorgfältig auf die Diskussion mit dem Volk vorbereiten können.» Der Qualität der politischen Entscheidung sei dies nur förderlich, sagte Mettler.

Verantwortung der Medien

Der Horgner Gemeindepräsident Theo Leuthold (SVP) bezeichnet das Verhältnis zur Regionalzeitung pragmatisch: «Wir sind aufeinander angewiesen, jeder erfüllt seine Rolle.» Ihm gehe es darum, mit der politischen Arbeit möglichst viele Menschen zu erreichen. «Die interessierte Dorfgemeinschaft orientiert sich immer noch an der Zeitung», sagte Leuthold. Umso grösser sei deshalb die Verantwortung der Medien, seriös zu berichten. «Bei den Inhalten stimmt es meist, aber bei den Titeln könnte ich euch manchmal auf den Mond schiessen», sagte der Horgner mit schelmischem Lachen zum Berichterstatter am Tisch.

«Die interessierte Dorfgemeinschaft orientiert sich immer noch an der Zeitung»

Theo Leuthold

Die Stäfner Gemeinde- und Kantonsrätin Claudia Hollenstein (GLP) versteht die Beziehung zwischen Politik und Medien als «Geben und Nehmen». Als Kommunal- und Kantonspolitikerin sei sie angewiesen auf einen «einfühlsamen» Transporteur der Informationen aus der Politik zu den Bürgern bringe. Darum sei es auch entscheidend, dass Politik und Medien einander ohne Vorurteil begegneten.

So sieht es auch Kantonsrat Thomas Forrer (Grüne, Erlenbach): «Für uns ist wichtig, dass die politische Debatte im Parlament die Bevölkerung erreicht.» Dass dabei die regionale Perspektive in der ZSZ eingenommen werde, verstärke diese Wirkung. «Und die Regionalzeitung ist am besten mit den Geschäften vertraut, die unsere Bevökerung direkt betreffen», sagte Forrer.

Die Gespräche an den Tischen verdeutlichten jedenfalls, wie bewusst sich beide Seiten sind, dass sie immer nur für Dritte arbeiten: Die Menschen, die rund um den Zürichsee leben. Diese werden übrigens im Laufe des nächsten Sommers auch in den Genuss des Jubiläums kommen, wenn die ZSZ sich an verschiedenen Anlässen der Leserschaft präsentieren wird.

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