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Die Vermittlerin zwischen Gemeinde und Kanton

Katharina Kull-Benz (FDP) sitzt seit 2003 im kantonalen Parlament. Schon viel länger engagiert sie sich in der Gemeindepolitik. Die Zolliker Gemeindepräsidentin hat sich thematisch deshalb ganz der Wechselwirkung von Kanton und Gemeinde verschrieben.

Katharina Kull-Benz (FDP) ist seit 14 Jahren Mitglied des Kantonsrats.
Katharina Kull-Benz (FDP) ist seit 14 Jahren Mitglied des Kantonsrats.
Michael Trost

Ein Café gibt es in Zollikon nicht. Deshalb wählt Katharina Kull-Benz die Wirtschaft zur Höhe als Treffpunkt. Mit ihrer politischen Tätigkeit hat die Höhe wenig zu tun. «Ich bringe das Restaurant vor allem mit Familienfesten in Verbindung.» Schon mit ihren Eltern sei sie hier nach dem Sonntagsspaziergang eingekehrt. Da allerdings steckt ein Quäntchen Politik drin: War doch bereits ihr Vater, der kürzlich verstorbene Peter Benz, Gemeindepräsident und Kantonsrat für die Liberalen.

Kull-Benz (FDP) ist eine jener Handvoll Kantonsräte, die gleichzeitig in der Exekutive der Gemeinde sitzen. Vor 14 Jahren rutschte sie für ihren Parteikollegen Ruedi Noser in den Kantonsrat nach. Drei Jahre später, 2006, wurde sie in Zollikon als Gemeindepräsidentin gewählt. Da verfügte die heute 63-Jährige schon über reichlich Erfahrung auf kommunaler Ebene: Während 16 Jahren war sie Mitglied der Schulpflege, die sie 12 Jahre präsidierte.

Abkehr von Bildung

Widmete sich die studierte Betriebswirtschafterin und Mutter zweier Kinder zunächst Bildungsthemen, hat sich ihr Interesse längst verlagert. Seit 2005 gehört sie im Kantonsrat der Kommission Staat und Gemeinden an. Hier kann Kull-Benz ihre Erfahrungen als Gemeindepräsidentin direkt einbringen, wenn es um die Ausarbeitung neuer Gesetze geht. Über ihre Ämterkombination sagt sie: «Das Gemeindepräsidium und der Kantonsrat ergänzen sich unheimlich gut.»

Priorität haben für sie möglichst schlanke Gesetze, sodass Kanton und Gemeinden gut zusammenarbeiten können. Der Finanzausgleich und das Bürgerrechtsgesetz sind zwei grosse Vorlagen, an denen Kull-Benz im Kantonsrat mitgearbeitet hat.

Zwei Jahre gerungen

«Um den neuen Finanzausgleich haben wir in der Kommission während zwei Jahren gerungen», erzählt sie. Schliesslich hätten sie die Vorlage mit 15:0 Stimmen dem Kantonsrat vorgelegt. «Wir haben den best möglichen Kompromiss gefunden.» Kull-Benz war in jenen Jahren Kommissionspräsidentin. Wie hat sie da ihre Interessen als Gemeindepräsidentin einer wohlhabenden Gebergemeinde vertreten? «Als Kommissionpräsidentin darf man seine Meinung nicht in den Vordergrund stellen.» Den jeweils richtigen Hut zu tragen, habe ihr nie Mühe bereitet.

«Das Gemeindepräsidium und der Kantonsrat ergänzen sich unheimlich gut.»

Katharina Kull-Benz

Kull-Benz bevorzugt lösungsorientierte Diskussionen, in die sie ihr Sachwissen einbringen kann. Mit ideologischen Auseinandersetzungen kann sie wenig anfangen. Sie bedauert, dass es im Kantonsrat in den letzten Jahren zu einer Polarisierung zwischen den politischen Lagern gekommen ist. Selber springt die überzeugte Liberale zugunsten einer schlanken Lösung auch einmal über ihren Schatten. Bei der Revision des Gesetzes über die politischen Rechte etwa habe sie sich für ein angeglichenes und vorgegebenes Antrittsdatum für Schulpflege und Gemeinderat eingesetzt. Und damit den Spielraum, den der Regierungsrat den Gemeinden einräumen wollte, bekämpft.

Keine erneute Kandidatur

Nach 14 Jahren in der Legislative und 11 Jahren in der Exekutive stellt sich die Frage: Wie weiter? Kull-Benz hat sich entschieden, für jenes Amt, auf das sie eher verzichten kann, nicht wieder zu kandidieren. Sie wird deshalb mit dem Ende der Legislatur 2019 aus dem Kantonsrat ausscheiden. Ob sie als Gemeindepräsidentin nochmals antritt, lässt sie offen.

Dass ihr die politische Arbeit nach wie vor viel Freude bereitet, zeigt das jüngste Amt: Seit zwei Jahren ist die Zollikerin Kirchenrätin der reformierten Landeskirche des Kantons Zürich. «Das ist eine grosse Herausforderung und wahnsinnig spannend», sagt sie. Auch hier könne sie von ihren Erfahrungen aus dem Kantonsrat und dem Gemeinderat zehren.

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