Weinbau

«Die traditionellen Sorten werden sich noch lange halten»

Trotz Piwi-Trend werden die alten Weinsorten in der Region nicht verdrängt, sagt Rebbau-Experte Michael Gölles.

In den Rebbergen der Zürichsee-Region findet bei der Auswahl der Rebsorten ein Wandel statt.

In den Rebbergen der Zürichsee-Region findet bei der Auswahl der Rebsorten ein Wandel statt. Bild: Patrick Gutenberg

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Wie steht die kantonale Fachstelle für den Rebbau zum Anbau von Piwi-Rebsorten?
Grundsätzlich sehen wir neue Sorten als Bereicherung im Weinbau. Ausserdem sind die Piwi-Sorten ein weiterer wichtiger und richtiger Baustein im Bereich der integrierten Produktion. Darum sind wir positiv zu dieser Entwicklung eingestellt. Auch für die Produzenten sind Piwi-Sorten interessant, weil sie beim Pflanzenschutz Zeit und Geld sparen.

Fördert der Kanton Zürich diese Sorten? Unterstützt er die Winzer bei der Umstellung mit Beratung oder gar Förder­mitteln?
Beratung gehört zu unseren Kernaufgaben. Um die Produzenten optimal unterstützen zu können, arbeiten wir eng zusammen mit Agroscope und dem Weinbauzentrum Wädenswil, die selber Piwi-Sorten züchten und testen. Eine finanzielle Förderung vom Kanton gibt es aber keine. Die Umstellung auf resistente Rebsorten liegt alleine im Eigeninteresse der Winzer.

Wie rasch verbreiten sich Piwi-Sorten im Kanton Zürich?
Seit zehn Jahren stellen wir einen Trend zur Zunahme fest. Vor allem die Selbstkelterer tun sich mit der Umstellung leichter, weil sie ihre Kundschaft persönlich kennen, diese beraten und eher von neuen Sorten überzeugen können als Grosskelterer, deren Produkte im Laden verkauft werden. Aber auch die Grosskelterer sind interessiert an Piwi-Sorten.

«Aber auch die Grosskelterer sind interessiert an Piwi-Sorten.»Michael Gölles

Von welchen Grössen­ordnungen sprechen wir hier?
Im Weinbau im Kanton Zürich nahm die Anbaufläche der Piwi-Sorten zwischen 2014 und 2019 von 40 auf 60 Hektaren zu, sodass der Anteil heute bei rund 10 Prozent liegt. Bei einzelnen Weinbaubetrieben, unter anderem in der Region Zürichsee, ist der Anteil aber bedeutend grösser.

Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung ein?
Ich behaupte, dass die Zunahme sich beschleunigt, weil mit jeder Generation der neuen Rebsorten die Qualität gesteigert wird und sich auch die Anbaueigenschaften verbessern werden.

Gibt es Vorbehalte gegenüber diesen robusten Rebsorten?
Natürlich, die gibt es – wie immer bei neuen Sachen. Die Ressentiments rühren von der früheren Qualität der Piwi-Sorten her, auch die Tradition kommt der Entwicklung immer wieder in die Quere. Dazu kommt, dass eine gewisse Skepsis besteht, wie stabil die Resistenzen gegen die Krankheiten der Reben sind, ob neue Schädlinge und Krankheiten auftauchen könnten. Der grösste Vorbehalt besteht aber beim Verkauf, wenn sich die Winzer fragen, ob die neuen Sorten vom Markt angenommen werden.

Werden die traditionellen Zürcher Rebsorten wie Räuschling, Riesling-Silvaner und Blauburgunder wegen des Piwi-Trends verdrängt?
Das glaube ich nicht. Diese Sorten werden sich noch lange halten, sie sind das Fundament des Zürcher Weinbaus. Aber man darf nicht vergessen, dass die Weinsorten immer einem Wandel unterworfen sind. Bis Ende des 19. Jahrhunderts waren Elbling und Heunisch verbreitete Sorten im Kanton Zürich. Sie sind aus den Rebbergen längst verschwunden.

Erstellt: 04.10.2019, 11:01 Uhr

Michael Gölles (42) ist leitender Mitarbeiter der Fachstelle Rebbau des Kantons Zürich am Strickhof in Winterthur. (Bild: pd)

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