Stäfa

Die SVP bleibt in Stäfa untervertreten

Der Wahlkampf in Stäfa kommt nicht richtig auf Touren. Grund dafür ist ein Pakt, mit dem die Bürgerlichen die Linke ausbremsen wollen. Er führt aber letztlich dazu, dass die SVP weiterhin auf einen Sitz im Gemeinderat warten muss.

Neue und bereits bekannte Gesichter: Die Parteien haben ihre Wahlwerbung in einem gemeinsamen Couvert an die Haushalte geschickt.

Neue und bereits bekannte Gesichter: Die Parteien haben ihre Wahlwerbung in einem gemeinsamen Couvert an die Haushalte geschickt. Bild: Christian Dietz-Saluz

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Der Wahlkampf in Stäfa ist so brav wie schon lange nicht mehr: Kaum ein Plakat ist im Dorf zu sehen. Wahlwerbung haben die Stäfner bisher erst einmal in ihrem Briefkasten vorgefunden: insgesamt sechs Flyer, welche die sechs Ortsparteien schön säuberlich in einem gemeinsamen Couvert an die Haushalte verschickt haben. Ansonsten deutet derzeit wenig darauf hin, dass in einem Monat die Behördenwahlen stattfinden.

Im Gegensatz zu früheren Wahlen sind die Ämter wenig umkämpf. Das liegt unter anderem daran, dass in der wichtigsten Behörde, dem Gemeinderat, mit einer Ausnahme alle Bisherigen wieder antreten. Sie dürften nicht umstritten sein. Und es liegt auch daran, dass sich die SVP aus dem Rennen um einen der neun Gemeinderatssitze genommen hat. Dabei hat die Partei durchaus Tradition in der Gemeinde, man denke etwa an einstige SVP-Grössen wie Nationalrat Rudolf Reichling. Doch seit einigen Jahren ist der Einfluss der Partei im Dorf geschwunden. Bis 2007 stellte sie noch zwei Gemeinderäte. Dann aber verlor sie bei den Ersatzwahlen einen ihrer beiden Sitze an die CVP. Bei den Erneuerungswahlen vor vier Jahren, als der letzte SVP-Gemeinderat nicht mehr antrat, verpassten beide Kandidaten die Wahl.

Seither ist die SVP nicht mehr in der wichtigsten Stäfner Behörde vertreten. Bereits zuvor hatte sie sich zunehmend als Oppositionspartei positioniert, doch mittlerweile ist sie selbst das nicht mehr: Es ist still geworden um die Partei. Bei den diesjährigen Erneuerungswahlen am 22.?April verzichtet sie nun zum ersten Mal seit Langem – wenn nicht sogar zum ersten Mal überhaupt – auf einen Kandidaten für den Gemeinderat.

Eine klassische Personenwahl

Gemessen an ihrem Wähleranteil ist die SVP massiv untervertreten. Sie ist die wählerstärkste Partei im Dorf und erzielte bei den Nationalrats- und den Kantonsratswahlen vor drei Jahren jeweils rund 28 Prozent der Stimmen . Doch geht es bei Gemeindewahlen weniger um Wähleranteile, sondern um Personen. Das bekam die Partei in Vergangenheit mehrfach schmerzlich zu spüren: Ihre Kandidaten für den Gemeinderat blieben stets chancenlos.

Dasselbe Schicksal hätte womöglich auch Michael Firlie ereilt, der sich ursprünglich als SVP-Kandidat für den Gemeinderat zur Verfügung stellte, sich später aber wieder zurückzog. Die SVP, hiess es dazu in einer gemeinsam mit der FDP und der CVP verfassten Medienmitteilung, verzichte zugunsten der anderen bürgerlichen Parteien. Anders gesagt: Die SVP ohne Gemeinderatssitz lässt der FDP, die schon mit vier Personen in der Behörde vertreten ist, und der CVP, die bereits einen Sitz hat und nun einen zweiten dazu gewinnen könnte, den Vortritt.

Linke soll verhindert werden

Was zunächst paradox klingt, hat einen einleuchtenden Grund: Wie ihre beiden bürgerlichen Partner geht die SVP davon aus, dass die acht Bisherigen die Wiederwahl schaffen und von drei neu Kandidierenden – nebst Firlie waren dies Philip Hänggi (CVP) und Jeannette Dietziker (SP) – nur jemand gewählt werden würde. Der Sitz könnte jedoch der Linken zufallen, wenn beide bürgerlichen Kandidaten antreten und sich gegenseitig Stimmen wegnehmen würden.

Um dies zu verhindern, haben sich die Bürgerlichen nun auf einen Kandidaten geeinigt. Und offenbar trauen sie es nur Hänggi zu, Dietziker zu schlagen. Selbst die SVP sagt, dieser sei in der Gemeinde bedeutend bekannter als Firlie und habe somit bessere Chancen, den vakanten Platz zu erringen.

Tatsächlich ist Hänggi in der Gemeinde präsent: Er ist Präsident des Verkehrsvereins, engagiert sich im Verein Volkshochschule Stäfa, und er wäre vor vier Jahren gerne Gemeindepräsident geworden. Allerdings verpasste er damals die Wahl in den Gemeinderat. Jeannette Dietziker wiederum hat die Wahl in eine Stäfner Behörde schon einmal geschafft: Sie war von 2010 bis 2014 Schulpflegerin.

Duell zwischen CVP und SP

CVP gegen SP heisst somit voraussichtlich das Duell bei den Gemeinderatswahlen. Zusätzlich zu ihrem jeweiligen neuen Kandidat stellen die beiden Parteien ihr bisheriges Mitglied Ursula Traber (CVP) beziehungsweise Christoph Portmann (SP) auf. Die Sozialdemokraten versuchen, nach dem Verzicht von Verena Niedermann auf eine erneute Kandidatur ihren zweiten Sitz zu halten. Für die CVP wiederum geht es um die Frage, ob sie einen zweiten Sitz dazu gewinnen kann.

Für die übrigen Parteien dürfte sich nichts ändern. Weiterhin mit zwei Sitzen dürfen wohl die Grünliberalen rechnen, bei denen Claudia Hollenstein und Andreas Utz (beide bisher) kandidieren. Auch die vier Vertreter der FDP dürften die Wiederwahl schaffen, also David Dubach, Simon Hämmerli, Gemeindepräsident Christian Haltner sowie Schulpräsidentin Cristina Würsten-Wirz, die von Amtes wegen ebenfalls Mitglied im Gemeinderat wäre.

Und falls ein Wähler dennoch findet, in der Stäfner Exekutive müsste ein SVP-Mitglied vertreten sein? Dann muss er mindestens vier Jahre warten. Die SVP hat angekündigt, für die nächsten Erneuerungswahlen im Jahr 2022 Vertreter ins Rennen zu schicken, «um sich bei der täglichen Arbeit und Lösungsgestaltung für die Gemeinde besser einbringen zu können».

Vorerst wird sie diese Aufgabe auf die übrigen Behörden beschränken. Für die Schulpflege, die Rechnungsprüfungskommission, die Fürsorgebehörde und die Werkbehörde stellt sie insgesamt fünf Kandidaten. Verglichen mit den anderen Ortsparteien ist sie hier verhältnismässig gut präsent: SP und GLP stellen für diese Behörden je vier Kandidaten, die Grünen einen und die CVP keinen. Am stärksten vertreten ist auch hier die FDP mit zehn Kandidaten. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 19.03.2018, 15:41 Uhr

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