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Die schlagfertige Finanzpolitikerin

Beatrix Frey-Eigenmann hat sich im Kantonsrat als Finanzpolitikerin einen Namen gemacht. Der Freisinnigen aus Meilen geht es aber nicht nur um Zahlen, sondern auch um Menschen.

Beatrix Frey-Eigenmann (FDP), hier im Meilemer Café Glück, politisiert auf Gemeinde- und Kantonsebene.
Beatrix Frey-Eigenmann (FDP), hier im Meilemer Café Glück, politisiert auf Gemeinde- und Kantonsebene.
Moritz Hager

Auf dem Dorfplatz von Meilen findet der Markt statt, das Café Glück hat Tische nach draussen gestellt. Es ist warm an diesem Freitagmorgen, man wähnt sich fast auf einer italienischen Piazza. Beatrix Frey-Eigenmann bestellt einen Cappuccino. Sie komme gerne hierher, sagt sie. Oft fehlt der FDP-Politikerin aber die Zeit dafür: Sie ist Gemeinde- und Kantonsrätin, Partnerin in einer Firma, die öffentliche Institutionen berät, sie hat mehrere Verwaltungsratsmandate inne, ist verheiratet und hat zwei Söhne im Alter von 19 und 17 Jahren. Trotzdem wirkt die 51-Jährige nicht gestresst. Sie übt ihre Ämter mit einer gewissen Leichtigkeit aus – das ist auch im Kantonsrat zu spüren, in dem sie sich oft schlagfertig und mit Witz einbringt.

Kritik an der «Obersparerin»

Manchmal geht es im Kantonsrat, in dem Frey-Eigenmann seit 2011 sitzt, aber auch hart zur Sache. Die Präsidentin der Finanzkommission musste sich schon als «Obersparerin» bezeichnen lassen. Mit solcher Kritik könne sie umgehen, sagt sie. Denn diese ziele nicht auf ihre Person, sondern auf die Rolle, die sie ausübe. Sie verstehe gut, dass sie sich bei Spardebatten wie der Leistungsüberprüfung 2016 nicht nur Freunde mache. «Wir müssen uns aber bewusst sein, dass unsere Errungenschaften ihren Preis haben – und dass wir uns auch hin und wieder Gedanken darüber machen müssen, worauf wir verzichten können.»

Der Wirtschaft, sagt sie, müsse man mehr Sorge tragen. «Viele Leute haben wenig Vertrauen in die Selbstregulierung der Wirtschaft.» Auch wenn in Vergangenheit nicht Alles gut gelaufen sei, dürfe man nicht vergessen, «dass Unternehmer Arbeitsplätze schaffen und damit die Basis für unseren Wohlstand schaffen».

Der Finanzpolitikerin geht es aber nicht nur um Zahlen und Wirtschaftskraft, sondern auch um Menschen. Beispielsweise setzt sie sich in einem Vorstoss für mehr Selbstbestimmung behinderter Personen ein. «Es ist wichtig, dass man sie nicht einfach in eine Institution steckt – sie sollen wenn immer möglich selber entscheiden können, wie und wo sie leben oder arbeiten.»

«Der Wirtschaft müssen wir mehr Sorge tragen.»

Beatrix Frey-Eigenmann

Der Verwaltungsratspräsidentin des Spitals Männedorf ist zudem wichtig, dass im Gesundheitswesen die regionale Grundversorgung gewährleistet bleibt. Ein Regionalspital müsse darüber hinaus auch auf spezialisierte Disziplinen setzen dürfen. Nur so könne es wirtschaftlich überleben. «Heute wird zu stark versucht, alles zur hochspezialisierten Medizin zu erklären und zu zentralisieren.»

Dass Gesundheit und Finanzen, aber auch Bildung, zu ihren Schwerpunkten zählen, ist in vieler Hinsicht Zufall. Mit Finanzpolitik etwa kam Frey-Eigenmann erst in Berührung, als sie 2006 in den Meilemer Gemeinderat gewählt wurde. Sie wurde Finanzvorsteherin, weil dieses Ressort gerade vakant war. «Da ich ein neugieriger Mensch bin, habe ich mich gerne darauf eingelassen.»

Mögliche Regierungsrätin?

Aufgewachsen ist Frey-Eigenmann, die seit knapp 20 Jahren in Meilen lebt, in Arbon am Bodensee. Daran erinnert auch ihr Ostschweizer Dialekt, den sie beibehalten hat. Nie hätte sie gedacht, dass sie dereinst im Zürcher Parlament politisieren würde. Und dass sie einst sogar als mögliche Nachfolgerin von Regierungsrätin Ursula Gut im Gespräch sein würde, hätte sie wohl auch nicht für möglich gehalten.

Würde sie ein solches Amt reizen? Exekutivämter, sagt sie, seien besser auf sie zugeschnitten als die Legislative. «Es liegt mir, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen.» Missen möchte sie ihre Erfahrung im Parlament, das viel stärker von Taktik und Parteipolitik geprägt sei, aber nicht. «Der Kantonsrat ist meine Zen-Übung», sagt die Meilemerin, die sich selber als ungeduldige Person bezeichnet, scherzhaft. Oft wünschte sie sich, dass Debatten sachlicher geführt würden – nicht nur im Kantonsrat, sondern überhaupt in der Gesellschaft. «Die Diskussionen müssen wieder konstruktiver werden.»

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