Zollikon/Zumikon

Die Religionslehrerin geht, der Konflikt bleibt

Nach der Freistellung im Herbst hat die Religionslehrerin der katholischen Kirchgemeinde nun die definitive Kündigung erhalten. Ihrem Nachfolger weht ein eisiger Wind entgegen.

Die Religionslehrerin der katholischen Kirchgemeinde Zollikon/Zumikon hat die definitive Kündigung erhalten – ob damit nun Ruhe einkehrt in der Kirche ist aber alles andere als sicher.

Die Religionslehrerin der katholischen Kirchgemeinde Zollikon/Zumikon hat die definitive Kündigung erhalten – ob damit nun Ruhe einkehrt in der Kirche ist aber alles andere als sicher. Bild: Michael Trost

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Der Aufschrei war gross, als die langjährige Religionslehrerin der katholischen Kirchgemeinde Zollikon-Zumikon im Oktober wegen Differenzen im zwischenmenschlichen Bereich von ihrem Amt freigestellt wurde. Eine Gruppe besorgter Eltern lancierte aus Solidarität mit der Pädagogin eine Webseite und startete eine Petition gegen die drohende Kündigung der beliebten Lehrerin.

Einige Kirchgemeindemitglieder wendeten sich zudem schriftlich an Bischof Vitus Huonder und den Generalvikar des Kantons Zürich, Josef Annen und baten um deren Mithilfe. Genützt hat dies jedoch nichts. Wie die Kirchenpflege mitteilt, wurde das Anstellungsverhältnis mit der Religionslehrerin auf den 31. Juli aufgelöst.

Seinen Höhepunkt erreichte der Konflikt zwischen der Kirchenpflege und den besorgten Eltern an der Kirchgemeindeversammlung Ende November. Gut dreieinhalb Stunden lang dauerte der hitzige Schlagabtausch. Danach ist lange nichts mehr passiert. Aufgrund einer ärztlichen Krankschreibung der betroffenen Person blieb ein definitiver Entscheid aus. Nun hat die Ungewissheit ein Ende.

Jugendarbeiter geht auch

Die Mitteilung mit dem Titel «Personelle Neuausrichtung der Jugendarbeit» erreichte die Mitglieder der Kirchgemeinde während den Schulferien. Im Schreiben der Kirchenpflege wird dabei nicht nur die Vertragsauflösung mit der langjährigen Religionslehrerin kommuniziert. Die Kirchenmitglieder werden ferner darüber informiert, dass auch der langjährige Jugendarbeiter die Gemeinde per Ende Mail verlassen wird.

Für die Kinder- und Jugendarbeit wird künftig der seit Oktober ad interim angestellte Religionspädagoge Bruno Durrer verantwortlich sein. Zu seinem Team gehören auch die Katechetin Sabrina Incagliato, die ihr bisheriges Pensum von 20 auf 100 Prozent erhöht sowie der Kirchenmusiker Mihály Tamás, der neu zusätzlich 30 Prozent im Bereich Jugendarbeit tätig sein wird.

Für die Eltern der betroffenen Kinder kommt der Entscheid nicht überraschend. «Im Grunde war es seit langem absehbar, dass es zur Kündigung kommen wird», sagt Thomas Gugler. Der Zolliker hat sich gemeinsam mit anderen Eltern immer wieder für die aktuelle Jugendarbeit und damit auch für die scheidende Religionslehrerin eingesetzt. Dass nun auch der langjährige Jugendarbeiter die Gemeinde verlässt bezeichnet Gugler als grossen Verlust. Den Entscheid könne er dem Mann aber nicht verdenken. «Die Kirchenpflege und der Pfarrer haben die Jugendarbeit an die Wand gefahren. Dass man so nicht mehr weiterarbeiten mag, ist nachvollziehbar.»

Während sich die Kirchenpflege in ihrer Mitteilung überzeugt zeigt, mit dem Aufbau der neuen Mitarbeiter die Kinder- und Jugendarbeit wieder in ruhigere Bahnen zu lenken, schaut Gugler derzeit weit weniger positiv in die Zukunft. «Vom neuen Team spürt man bisher noch nicht viel Engagement und Kompetenz», sagt der Familienvater. So finde etwa das traditionelle Auffahrtslager in diesem Jahr erstmals nicht statt. Auch sei noch immer nicht bekannt, ob es wenigstens ein Sommerlager gebe.

Kinder meiden Unterricht

Nach der Freistellung der Religionslehrerin hatten sich viele Kinder aus Solidarität dazu entschlossen, dem Religionsunterricht fortan fern zu bleiben. Auch heute, über ein halbes Jahr später, verzichten einige noch immer auf den Besuch der freiwilligen Lektionen. Auch Thomas Guglers Sohn gehört dazu. Er selber ist sogar aus der Kirchgemeinde Zollikon-Zumikon ausgetreten. Nicht zuletzt habe dies auch mit der Personalia von Pfarrer Heinz Meier zu tun. Für die besorgten Eltern und ihren Nachwuchs ist nämlich klar, dass die freigestellte Lehrerin ein Mobbing-Opfer des Pfarrers war.

Gugler ist nicht der einzige, der Konsequenzen aus dem Personalkonflikt gezogen hat: Gemäss Auskunft von Kirchenpflegepräsident Urs Häfliger kam es seit letztem Oktober insgesamt zu 38 Austritten aus der Kirchgemeinde. Davon hätten 12 Personen als Grund den Konflikt in der Jugendarbeit angegeben. «Die Mehrheit der Austritte verzeichnen wir wegen anderer Gründe», hält Häfliger fest. Einige gäben jedoch keine konkreten Gründe für ihr Ausscheiden an.

Weil er im Dezember dieses Jahres das Pensionsalter erreicht, hat Pfarrer Meier kürzlich seine Demission auf Ende Mai 2020 bekannt gegeben. Ob in dieser Zeit in der Kirchgemeinde Ruhe einkehrt, wird sich zeigen.

Erstellt: 07.05.2019, 17:19 Uhr

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