Weinbau

Zürichsee-Winzer freuen sich über Jahrhundertwein

Der heisse und trockene Sommer hat die Winzer am Zürichsee reich beschenkt. Nicht nur haben sie grosse Mengen geerntet. Auch die Qualität der Trauben verspricht einen Jahrhundertwein. Das ist eine aussergewöhnliche Kombination.

Der Wümmet krönt ein perfektes Jahr für die Weinbauern am Zürichsee: Qualität und Quantität der Trauben fallen überdurchschnittlich aus.

Der Wümmet krönt ein perfektes Jahr für die Weinbauern am Zürichsee: Qualität und Quantität der Trauben fallen überdurchschnittlich aus. Bild: David Baer

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Es war bisher ein perfektes Jahr für die Weinbauern am Zürichsee. Das Wachstum der Reben blieb im Gegensatz zum Vorjahr von Frost unbeeinträchtigt. Ab Ende April wurde es sommerlich, monatelang herrschten Wärme bis Hitze und Trockenheit. Der gefürchtete Hagel blieb ein seltener Gast. Schädliche Pilzkrankheiten gab es dank der trockenen Witterung kaum, selbst der Kirschessigfliege war es zu heiss. Der Wümmet ist fast abgeschlossen. «Bis auf Merlot, Cabernet Sauvignon und Shiraz sind jetzt alle Sorten im Keller», sagt Hans Ueli Hohl, Winzer in Stäfa.

Für die Spätlese hängen noch ein paar Pinot Noir in den Reben. Bei Diederik Michel in Küsnacht ist die Arbeit in den Reben bereits vollendet. Der Küsnachter Winzer berichtet von «sehr guten Erträgen».

Wie in Australien

Bei Hohl fällt die Ernte bei den Weissweinsorten – Riesling&Silvaner und Räuschling – «überdurchschnittlich gross» aus. Für ihn ist das ein Glück, weil die Keller des Stäfners nach dem Frostdebakel im Vorjahr leer sind.

Punkto Qualität geraten beide Winzer ins Schwärmen. «Der Rotwein wird hervorragend, keine Traube hat unter 100 Oechslegrad, am letzten Mittwoch ernteten wir sogar Pinot Noir mit bis zu 113 Oechslegrad», erzählt Hohl. Die weissen Sorten musste er früher ernten, damit die Beeren noch genug Säure enthielten um einen fruchtig-frischen Wein zu ergeben. Bei Michel in Küsnacht erreichten alle Sorten die gewünschte obere Grenze an Oechslegrad. «Wir konnten alles punktgenau ernten.»Der Wümmet bei Michel unterschied sich noch in einem Punkt wesentlich von anderen Jahren: «Ich habe an keinem Tag an den Fingern gefroren, dieser Wümmet erinnerte mich an meine Ausbildungszeit in Australien.»

Die Zukunft im Rebberg hat begonnen: Die Drohne behandelt die Reben in einem Bruchteil der Zeit und braucht weniger Spritzmittel als bei herkömmlichen Methoden. Video: Manuela Matt/Christian Dietz-Saluz/Paul Steffen.

Auch Hohl erlebte Einzigartiges: «In kurzen Hosen und im Träger-Shirt habe ich noch nie Trauben gelesen.» Der Präsident des Weinbauvereins Zürichsee, Dominic Mathies spricht generell von einem «aussergewöhnlichen Jahr» im Weinbau. «Wann immer ich Kontakt mit Winzerkollegen hatte, hörte ich nur Gutes, die Qualität ist überall sehr hoch», gibt er zu Protokoll.

Den Oenologen und Kellermeister des Klosters Einsiedeln freut, «dass diesmal der Mut zu Spätsorten wie Merlot belohnt wird». Die Reben auf der Insel Ufenau, die zum Kloster gehören, gediehen in diesem Jahr ebenfalls prächtig. Dennoch beschert auch dieses Prachtsjahr den Winzern neue Herausforderungen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 08.10.2018, 16:21 Uhr

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Vom guten Bruderwein bis zum untrinkbaren Schneewein

Dem Zürichseewein widmeten Karl Kuprecht und Walter ­Imhof im Buch «Erlenbach – Geschichte einer Zürichsee­gemeinde» (1981) ein eigenes Kapitel. Darin wird in Zitaten und Aufzeichnungen von Chronisten aufgezeigt, wie unterschiedlich die Güte des Weins ausfiel.


  • 1336 registriert ein Chronist, dass der Seewein wegen seiner Säure die Eisenhahnen der Fässer zerfresse, aber in diesem Jahr süss wie Elsässerwein sei.

  • 1442: Treffliches Weinjahr, darum «Königswein».

  • 1450: Es braucht Eichenbäume, um die Trauben zu pressen, und der Wein werde erst nach 30 Jahren Lagerung trinkbar.

  • 1473: Traubenernte Ende ­August nach tropischer Hitze.

  • 1479: Extra ordinari guter Wein, deshalb «Bruderwein».

  • 1484: Weinüberfluss, ein voller Eimer (circa 12 Liter) gegen ein Ei, Wein auf die Strassen geleert und mit Kalk zu Mörtel gemischt.

  • 1529: Wein kaum trinkbar, deshalb «Gottbhüetis» genannt.

  • 1599: Wein so köstlich, aber heimtückisch, «dass etliche vor Völle im Schnee liegen bleiben und erfrieren».

  • 1608: Das grosse Winterjahr, wenig und schlechter Wein.

  • 1631: Ausgezeichneter Wein und so viel, dass der alte minderwertigere aus Mangel an Fässern ausgeschüttet wird.

  • 1666: Ein Drittel der Trauben durch Hagel vernichtet.

  • 1675: Trauben um Simon und Judä (28. Oktober) aus dem Schnee gelesen, darum «Schneewein» genannt, den niemand trinken will.

  • 1684: Seegfröörni, fast alle Reben am See erfroren.

  • 1705: Im Juni noch Schnee, Wein rauh und sauer.

  • 1717: Schweres Hagelwetter. Ankerleherbauer pflanzt darum Wirz und Kabis in den Reben, wird deshalb gerügt.

  • 1719: Sehr heisser Sommer, manche Juchart (300 bis 400 Quadratmeter) bringen bis 70 Eimer Wein.

  • 1753: Wein des Jahrhunderts, doch derjenige von 1779 ist noch trefflicher.

  • 1811: Berühmtes Weinjahr, sogenannter «Kometenwein» wegen eines Kometen am Nachthimmel.

  • 1813: Wein sehr sauer, pro Jucharte nur halber Eimer Wein.

  • 1816: Hungerjahr, Trauben um Martini (11. November) aus dem Schnee gelesen.

  • 1819: Grosse Ernte, im Erlengut Erlenbach 122 Eimer gegenüber nur 33,5 Eimer 1817.

  • 1865: Berühmtes Weinjahr.

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