Sechseläuten

Die Mütze wird nur am Kinderumzug getragen

Am Sechseläuten-Kinderumzug in Zürich sind knapp 800 Musikanten aus Jugendmusikorchestern der Region Zürich mitmarschiert. Erst zum zweiten Mal dabei waren Mitglieder der Jugendmusik Pfannenstiel. Die ZSZ hat sie begleitet.

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Besammlung ist um 13 Uhr am Bahnhof Meilen. Wer später Richtung Zürich zusteigt, tut dies in den unteren Stock des ersten Waggons der S 6. Eine Traube Jugendlicher steht schon plaudernd am Perron, als Orchestermitglieder unverkennbar in ihren eleganten Uniformen. Sie spielen in der Jugendmusik Pfannenstiel (Jumu). Unter ihnen die Co-Präsidentin Sandra Schneeberger in ihrer rosaroten Jacke, neben ihr der Dirigent Isam Shéhade ganz in Schwarz gekleidet. «Die Kleidervorschriften sind streng», meint er, «wer am Umzug als Begleitperson teilnimmt, muss einheitlich in Schwarz erscheinen.» Sogar die Schuhe müssen schwarz sein, weisse Details wie Streifen an der Sohle würden nicht akzeptiert.

Shéhade wird zwar mitlaufen, doch die Jugendlichen nicht dirigieren. Das übernimmt sein Kollege Christian Bachmann von der Jugendmusik Unterer Rechter Zürichsee (Jumurz). Sie macht schon seit Jahren beim Kinderumzug mit und so ist es ihr zu verdanken, dass die Jumu nach der letztjährigen, gelungenen Premiere auch heuer die Jumurz unterstützen darf, da diese über zu wenig Bläser verfügt. Die beiden Orchester steuern je 25 Musikanten bei, was einen respektablen Klangkörper ergibt, wie sich zeigen wird.

Weil nun die Jumu aber keine Blazer kennt – die Jugendlichen treten an Konzerten jeweils in weissem Hemd und schwarzer Hose auf –, hat die Jumurz sie mit ihren blauen Jacken eingedeckt. Mit den gelben Schulterkordeln verbreiten sie Eleganz und Anmut. So sind die Jumu-Spieler an den schwarzen Hosen erkennbar, ihre Jumurz-Kollegen tragen hingegen passend auch eine blaue Hose mit gelber Bordüre. Eine Saxofonistin der Jumu bemängelt auf der Fahrt nach Zürich die zu breiten Schultern und zupft an ihrem Modell, währenddem ihre Nachbarin, eine Flötistin, den Arm ausstreckt und die zu kurzen Ärmel beklagt. «Na ja, Hauptsache, wir können darin spielen», meint eine Schlagzeugerin gelassen.

Es wird fröhlich geplaudert, von Nervosität und Aufregung keine Spur, auch nicht von denjenigen, die heuer zum ersten Mal am Sechseläuten-Kinderumzug dabei sind. Das Marschieren und gleichzeitige Intonieren der Musikstücke haben sie noch vor dem Wochenende geübt. «Wir spielen nur drei Stücke, diese aber mehrmals auf der drei Kilometer langen Strecke», erklärt Isam Shéhade, kurz bevor der Zug im Bahnhof Stadelhofen einfährt. Zuerst das «Saluto Lugano», dann den Hit von Deep Purple «Smoke on the Water» und abschliessend den «Sechseläutemarsch» von Stefan Jaeggi.

Alle greifen zu ihren Instrumententaschen und -köfferchen und zwängen sich durch die Türen ins Freie. «Wir haben hier mit der Jumurz abgemacht», informiert Sandra Schneeberger die Gruppe, während Scharen von Passanten, darunter auch Kinder in Kostümen an der Hand ihrer Eltern, an ihnen vorbeihasten. Isam Shéhade meint aber zu wissen, dass man sich beim Utoquai treffen würde, also dort, wo das Sechseläuten-Komitee den Standplatz für das Orchester vom See bestimmt hat.

Da der Umzug mit den rund 3000 Kindern und den fast 780 Musikanten in einer Stunde beginnt, sind schon viele Menschen unterwegs Richtung See. Darunter mischen sich nun auch die Jumu-Mitglieder und lassen sich in diesem Strom mitziehen, der rosaroten Jacke ihrer Präsidentin folgend, die dank dem Lageplan in der Hand weiss, wo sie hinmuss.

Und tatsächlich, in der Seehofstrasse, einer Querstrasse des Utoquais, wartet schon der kleine Bus der Jumurz. Darin hat ihr Präsident, Michael Gass, die sperrigen Instrumente wie Trommeln hergefahren. Die Bläserinnen und Bläser packen ihre Instrumente aus und deponieren die Taschen im Bus. Einige blasen Akkorde zum Aufwärmen.

Präsidentengattin Christine Gass macht sich derweil ans Verteilen von dunkelgelben Rosen, die sie den Jugendlichen ans Revers steckt. Sie passen zu den gelben Kordeln, «das ist gewollt und kein Zufall», sagt sie. Mit den schicken Mützen, die nun alle aufsetzen, sehen die Jugendlichen richtig gut aus. «Die Mützen tragen wir nur am Kinderumzug», verrät Dirigent Christian Bachmann, der sein 50-köpfiges Orchester nun zu fünft in einer Reihe provisorisch aufstellen lässt. Die Tambouren will er in der Mitte der zehn Reihen haben. Zuvorderst stehen die Klarinetten, dann die Querflöten, gefolgt von den Trommeln. Dahinter reihen sich die Saxofone und die Tuba, die Trompeten und die Posaunen auf.

Eine offizielle Umzugsbegleiterin, die mit ihrem Marienkäferfoulard zu den 146 «Chäfern» gehört, die den Umzug vor Ort koordinieren, möchte, dass man sich am Utoquai platziert. Das Orchester führen die drei Cellistinnen an, die verständlicherweise aufs Spielen verzichten müssen und dafür als Blumenfrauen und Fahnenträgerin einspringen.

Obwohl der Umzug am 14.30 Uhr startet, muss sich die Jumu-Jumurz-Formation als Nummer 25 fast eine halbe Stunde gedulden, bis Christian Bachmann endlich zum Abmarsch pfeifen kann. Die Schlagzeuger übernehmen den «Tambourenmarsch» und der Zug setzt sich zwischen der Maibaum-Gruppe und der Postkutsche und den Tessinertrachtenkindern in Bewegung. Auf der Höhe des Sechseläutenplatzes dann das Zeichen des Dirigenten und schon ertönen die ersten Takte von «Saluto Lugano». Konzentriert und im Schritttakt marschieren die Jugendlichen wie ein einziger Körper Richtung Quaibrücke, als würden sie das schon zum x-ten Mal machen. Der Wind trägt ihr Spiel fort und es ist noch bis zum Stadelhofen zu vernehmen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 16.04.2018, 10:43 Uhr

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