Zürichsee

«Die letzten drei Tage waren sehr emotional»

Roman Knecht, Direktor der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft, spricht über die Tage nach dem schweren Unfall in Küsnacht.

Noch bis mindestens Mitte Mai gesperrt: Der demolierte Schiffssteg in Küsnacht.

Noch bis mindestens Mitte Mai gesperrt: Der demolierte Schiffssteg in Küsnacht. Bild: Manuela Matt

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Wie haben Sie die letzten drei Tage erlebt?
Roman Knecht: Sie waren sehr emotional. Besonders belastend war das Wissen um die Schwerverletzten und Verletzten. Hinzu kommt die Ungewissheit, wie es zum Unfall kommen konnte.

Sie haben mit dem Kapitän sprechen können. Wie geht es ihm?
Körperlich geht es ihm den Umständen entsprechend gut. Psychisch hingegen gar nicht.

Was wissen Sie von den anderen Verletzten?
Ich habe gestern die beiden Schwerverletzten im Spital besucht. Der Koch lag noch auf der Intensivstation. Inwiefern er von den Verbrennungen gezeichnet bleibt, ist nicht klar. Aber sein ­Zustand ist stabil. Auch die Frau befindet sich ausser Lebens­gefahr. Sie stürzte beim Versuch, vom Oberdeck ins Hauptdeck zu gelangen und zog sich schwere Gesichtsverletzungen zu.

Gibt es bereits erste Erkenntnisse zur Unfallursache?
Nein, dazu kann ich nichts sagen.

Was halten Sie von der Aussage, dass der Untersuchungsbericht womöglich erst in einem Jahr veröffentlicht werde?
Ich möchte mich zum Zeitpunkt nicht festlegen. Es wird sicher dau­ern, bis wir die Ursache genau kennen. Die Untersuchungen lau­fen ja auch auf verschiedenen Ebenen. Zum einen ermittelt die Polizei, die den Fall an die Staatsanwaltschaft übergibt. Auf der ande­ren Seite laufen Unter­suchun­gen, welche die Schwei­zerische Unfalluntersuchungs­stelle (Sust) vornimmt.

«Es wird dauern, bis wir die Ursache kennen.»Roman Knecht

Die Schifffahrtssaison hat gerade erst begonnen. Ist die MS Albis eines jener Schiffe, die bis Anfang April eingewintert waren?
Nein. Die Albis war mit ihren ­beiden Schwesterschiffen auch im Winter im Einsatz – auf der kleinen Rundfahrt. Die MS Albis wurde vor 1,5 Jahren revidiert. Seither gab es keine nennens­werten Probleme mit ihr.

Wie ist eine Schifffahrtsgesellschaft wie die ZSG versichert?
Wir verfügen über eine Kasko- und Haftversicherung. Diese haben wir über den Verband der Schweizerischen Schifffahrts­gesellschaft abgeschlossen. Aber natürlich ist dadurch nicht alles gedeckt. Die Reparatur des demo­lierten Stegs in Küsnacht etwa müssen wir selber bezahlen. Und wie jeder andere Versicherte werden wir auch einen Selbst­behalt übernehmen müssen.

Bereits im letzten Jahr kam es zu einem grossen Schadensfall, als der Raddampfer Stadt Rap­pers­wil beim Seedamm auf eine Sandbank auflief. Sind in diesem Fall bereits alle offenen Fragen geklärt?
Ja. Dort kam es zu einem relativ raschen Untersuchungsergebnis, weil der Unfall eindeutig einer höheren Gewalt zugeordnet werden konnte: Verantwortlich für die Havarie war eine Sturmböe. Wir hatten mit 300 000 Franken zwar einen grossen Sachschaden, zum Glück aber keine Verletzten.

Welches der beiden verunfallten Schiffe wurde stärker in Mit­leidenschaft gezogen? Der Raddampfer oder nun die MS Albis?
Der Raddampfer. Hier waren die Instandsetzungsarbeiten sehr aufwendig, weil wir einzelne Ersatzteile für den Dampfer aufwendig nachreproduzieren lassen mussten. Die MS Albis hat im Vergleich nicht viel mehr als einen Blechschaden erlitten.

Der Schiffsteg in Küsnacht kann erst Mitte Mai wieder bedient werden. Die Pendler müssen auf die Haltestellen Heslibach oder Erlenbach ausweichen. Welche Reaktionen gab es darauf?
Mir sind keine bekannt. Die Infor­mationen zum geänderten Fahrplan haben wir auf unserer Web­site aufgeschaltet. (zsz.ch)

Erstellt: 22.04.2016, 17:38 Uhr

Roman Knecht, Direktor der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft. (Bild: zvg)

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