Stäfa

Die letzte Wiese samt Nussbaum verschwindet nun doch

Im Stäfner Quartier Binz wird die letzte Wiese überbaut. Anwohner haben das Vorhaben zwar bekämpft und zunächst vor Gericht einen Sieg errungen. In wenigen Wochen fahren aber die Bagger auf. Es entstehen 33 neue Wohnungen.

Die Baugespanne stehen schon lange – nun wird die Wiese an der Trübelstrasse überbaut. Die Bäume am Rand der Parzelle werden gefällt.

Die Baugespanne stehen schon lange – nun wird die Wiese an der Trübelstrasse überbaut. Die Bäume am Rand der Parzelle werden gefällt. Bild: Manuela Matt

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Verdichten nach innen lautet das Rezept in den meisten Gemeinden, wenn es um die bauliche Entwicklung geht. Dies geschieht nun auch im Stäfner Quartier Binz: In dessen Mitte befindet sich die letzte grüne Parzelle – eine Wiese, die nur über eine weit verästelte Sackgasse, die Trübelstrasse, erreichbar ist. Das Grundstück wird demnächst überbaut.

Dem Projekt geht eine lange Geschichte voraus. Anwohner setzten sich gegen die geplante Arealüberbauung zur Wehr. Ein gutes Dutzend Nachbarn legte Rekurse ein gegen das Bauvorhaben auf der rund 7700 Quadratmeter grossen Wiese. Zwei der drei Einsprachen waren erfolgreich: Das Baurekursgericht erklärte die Baubewilligung für ungültig, weil die Gemeinde Stäfa diese in zwei separaten Verfahren erteilte.

Baustart an Ostern

Im Projekt vorgesehen waren nämlich nicht nur 33 Eigentumswohnungen, sondern auch die Renovation des benachbarten Weinbauernhaus «Zum Träubel». Für dieses Vorhaben hätte es zwingend ein einziges Baubewilligungsverfahren gebraucht, befand das Gericht. Ansonsten entstünden für die Nachbarn «nicht leicht wiedergutzumachende Nachteile», da sie sich nur lückenhaft über das Projekt orientieren könnten.

Die bebaubare Landparzelle gehört der Atelier 19 Immobilien AG in Schönenberg, die das Land von einer Erbengemeinschaft gekauft hat. Inzwischen hat sie ein neues Baugesuch eingereicht. Die Gemeinde Stäfa habe dieses bewilligt, sagt CEO und Architekt Hanspeter Sihler auf Anfrage.

Die Bewilligung ist bereits rechtskräftig. Die Nachbarn haben also offenbar ihren Widerstand aufgegeben. Das könnte nicht zuletzt auch an den Auslagen für die Gerichtsverfahren liegen. Die Anwohner mussten nämlich nicht nur die Kosten für das Verfahren übernehmen, das sie verloren hatten, sondern auch jene für die beiden gewonnen Rekurse.

Die Bauarbeiten beginnen nun bald. «Der Baustart erfolgt an Ostern», sagt Hanspeter Sihler. Die Wohnungen seien bereits im Verkauf. Gegenüber dem ersten Projekt hat der Architekt einige Anpassungen vorgenommen, im Kern ändert sich aber wenig. Vorgesehen sind nach wie vor sechs Mehrfamilienhäuser mit 33 Wohnungen und gemeinsamer Tiefgarage. Auch das Bauernhaus soll wie beabsichtigt umgebaut werden.

Verschwundener Obstgarten

Schade um die Wiese sei das, schreibt eine Anwohnerin, die nicht zu den damaligen Rekurrenten gehört, der ZSZ. Sie sagt aber auch: «Es ist klar, dass wir das Rad der Zeit nicht mehr zurückdrehen können.» Sie werde aber vor allem den «uralten stattlichen Nussbaum» in der Ecke des Grundstücks vermissen, der wie die übrigen Bäume gefällt wird.

Apropos Bäume: Auch diesbezüglich rügte das Baurekursgericht vor einem Jahr die Gemeinde Stäfa. Ursprünglich war im Inventar der Natur- und Landschaftsschutzobjekte ein Obstgarten auf dem Grundstück aufgeführt. Um das erste Baugesuch bewilligen zu können, hätte die Gemeinde korrekterweise das Schutzobjekt aus dem Inventar entlassen müssen. Das hat sie mittlerweile getan. Denn den Obstgarten mit einst 28 schützenswerten Hochstammbäumen gibt es schon seit Jahren nicht mehr. Er muss von den früheren Besitzern des Grundstücks irgendwann beseitigt worden sein. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 14.02.2018, 16:48 Uhr

Spital kann bauen

Alte Buchhandlung wird abgerissen

Nicht nur das Bauvorhaben an der Trübelstrasse ist in Stäfa auf starken Widerstand gestossen, auch ein Projekt des ehemaligen Buchhändlers Rudolf Kupper und des Spitals Männedorf bewegte in Vergangenheit die Gemüter. Die beiden Bauherren wollten auf ihren benachbarten Grundstücken an der Stäfner Bergstrasse je ein Mehrfamilienhaus mit gemeinsamer Tiefgarage bauen. Anwohner bekämpften das Vorhaben mit einem Rekurs, weil ihnen die geplanten Häuser zu wuchtig waren.

Auch lancierten sie eine Initiative. Mit diesser versuchten sie im Quartier die Zahl der Wohngeschosse zu reduzieren. Die Gemeindeversammlung lehnte dies aber Ende 2016 deutlich ab. Mittlerweile ist auch der Rekurs vom Tisch. Die ehemalige Buchhandlung Kupper wird zurzeit abgerissen. Wie die Gemeindeverwaltung Stäfa auf Anfrage sagt, ist die Baufreigabe für die Mehrfamilienhäuser erfolgt. (miw)

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