Zollikon

Die Ideen fürs Schwimmbad gehen weit auseinander

Der Gemeinderat hat sieben Varianten vorgelegt, wie es mit dem sanierungsbedürftigen Schwimmbad Fohrbach weitergehen soll. Nachdem er die Meinungen in der Bevölkerung abgeholt hat, stehen plötzlich noch mehr im Raum.

Piratenschiff, zahlreiche Aussen- und Innenbecken: Das Fohrbach ist eines der attraktivsten Schwimmbäder im Raum Zürich.

Piratenschiff, zahlreiche Aussen- und Innenbecken: Das Fohrbach ist eines der attraktivsten Schwimmbäder im Raum Zürich. Bild: Andrea Zahler

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Soll das Schwimmbad Fohrbach saniert werden, und wenn ja, wie? Die erste Frage haben die meisten Zolliker für sich schon beantwortet: Ja, das Bad, das 1972 erbaut und noch nie einer umfassenden Renovation unterzogen worden ist, soll weiterhin bestehen. Dafür haben sich mehrere Bürger und die meisten Organisationen in Zollikon ausgesprochen, sowohl an Veranstaltungen, als auch in Leserbriefen und in einer ersten öffentlichen Vernehmlassung. Die Sanierungsarbeiten sind dringlich, denn das Schwimmbad darf im heutigen Zustand nur noch bis 2021 betrieben werden, dies dank einer kantonalen Sonderbewilligung.

Weniger Einigkeit dürfte darin bestehen, wie weit das Bad renoviert werden soll. Der Gemeinderat hat im Juli mehrere Szenarien präsentiert, wobei er den ersatzlosen Rückbau nicht im Vornherein ausschloss. Zur Diskussion stellte er sieben Varianten.

7 Szenarien für das Fohrbach
1:1-Sanierung: Das Bad wird instandgesetzt, aber ansonsten nicht verändert. Die Kosten dafür schätzt der Gemeinderat auf 32,4 Millionen Franken. Die Sanierung würde etappiert, sodass kein längerer Betriebsunterbruch nötig wäre. Dafür würde sie sechs Jahre dauern.
Variante Optima: Zusätzlich zur 1:1-Sanierung entsteht ein neuer Gastrobereich sowie auf dem Dach eine Photovoltaikanlage zur Deckung der Energiekosten. Voraussichtliche Kosten: 35,9 Millionen.
Variante 1 Minus: Saniert wir nur das Nötigste, etwa die Schwimmhallen mitsamt Dach und die technischen Installationen. Die Arbeiten könnten zwischen 2020 bis 2022 erfolgen und würden rund 27 Millionen kosten. Allerdings würden übrige Sanierungenund damit auch weitere Kosten aufgeschoben, etwa jene für die Renovation des Aussenbereichs. Verzichtet würde allenfalls auf ein Chromstahlaussenbecken oder auf den Ersatz des Piratenschiffs.
Variante 0: Das Bad könnte im Rahmen von gebundenen Ausgaben nach und nach innert fünf bis zehn Jahren saniert werden - allerdings nur bis zu einem bestimmten Grad. Die Investitionen würden 16 Millionen Franken betragen. Die notwendige Gesamtsanierung wäre damit aber nur bis ca. 2030 hinausgeschoben.
Neubau der Schwimmanlage: Sie würde 63 Millionen Franken kosten, hinzu kommen Kosten von 2,3 Millionen für den Rückbau. Das Bad wäre für zwei bis drei Jahre geschlossen.
Neue Schulschwimmanlage: An einem anderen Ort würde für 15 Millionen eine Schulschwimmanlage gebaut. Hinzu kommen die Kosten für den Rückbau des bisherigen Bads. Das Land, auf dem sich heute das Fohrbach befindet, könnte für 30 bis 50 Millionen verkauft werden.
Rückbau: Das heutige Schwimmbad wird ersatzlos für 2,3 Millionen zurückgebaut. Zollikon hätte dann kein Schwimmbad mehr.(miw)

Nach der Präsentation der Szenarien hat die Gemeinde eine zweite Vernehmlassung durchgeführt. Die Rückmeldungen hat sie nun auf ihrer Website publiziert. Es sind fünf, während bei der ersten Vernehmlassung noch elf Rückmeldungen eingingen.

Mehr Übersicht gefordert

Interessanterweise äussern sich gleich zwei in Zollikon wohnhafte Bauingenieure zur Zukunft des Schwimmbads, die überdies regelmässige Gäste im Fohrbach sind und das Bad deshalb gut kennen. Der eine, der seit zwölf Jahren ein Dauerabo besitzt, kritisiert die lange Bauzeit von sechs Jahren im Falle einer 1:1-Sanierung-und skizziert ein Bauprogramm, mit dem sich die Dauer seiner Meinung nach auf zwei Jahre reduzieren liesse. Zudem schreibt er: «Ich bin der Ansicht, dass die Sanierungskosten bei einer strikten Beschränkung auf das Notwendige deutlich unter 25 Millionen liegen werden.»

Auch die zweite Bauingenieurin, die fünf Minuten vom Fohrbach wohnt, ruft dazu auf, auf Luxuslösungen wie ein Chromstahlbecken zu verzichten. Sie möchte zudem, dass die Gemeinde eine detaillierte Gegenüberstellung der Kosten der jeweiligen Varianten vorlegt, damit sich die Zolliker ein besseres Bild machen könnten. Die Frage, welche Sanierungsvariante welche Vorteile im Unterhalt und Betrieb bringe, sei bisher vollkommen vernachlässigt worden.

Wohnungen und Gewerbe

Die gleiche Kritik übt die Rechnungsprüfungskommission (RPK), die sich schon zum zweiten Mal geäussert hat. «Die einzelnen Varianten werden in Bezug auf ihre finanziellen Konsequenzen unterschiedlich präsentiert, was eine Vergleichbarkeit verunmöglicht», schreibt die RPK in ihrer Stellungnahme. «Dies muss transparenter dargestellt werden.»

Die Kommission ist überdies der Ansicht, dass sich die Gemeinde die präsentierten Sanierungsvarianten nicht leisten kann. Sie schlägt deshalb vor, auch andere Möglichkeiten zu prüfen. Beispielsweise könnte der Mantel des Gebäudes für Wohnungen oder Gewerbe genutzt werden, um den Kostendeckungsgrad zu verbessern. Auch die Abgabe des Lands im Baurecht an einen Grossverteiler oder eine Genossenschaft, die sich gleichzeitig zum Betrieb einer Schwimmschulanlage verpflichtet, hält die RPK für denkbar.

Die FDP will ebenfalls «auf kostspielige Elemente aus den Bereichen Luxus, Wellness, Erlebnis oder Spitzensport konsequent verzichten». Die Sanierung des Fohrbachs dürfe die Verschuldung von Zollikon nicht weiter erhöhen, schreibt die Partei. Sie schlägt zudem die Auslagerung der Anlage in eine privatrechtliche AG vor, die im Besitz der Gemeinde ist. Es brauche eine klare Fokussierung auf betriebswirtschaftliche Führung.

Umstrittene Traglufthalle

Eindeutig für eine Variante, die der Gemeinderat im Juli präsentiert hat, spricht sich lediglich der Verein Pro Fohrbach aus, den über 300 Zolliker unterstützen. Er bevorzugt die Variante Optima, also jene, die eine neuen Gastrobereich und eine Photovoltaikanlage vorsieht. Dadurch liessen sich die betrieblichen Abläufe optimieren sowie Einsparungen bei den Energiekosten erzielen, schreibt der Verein.Auch würde er es begrüssen, wenn im Winter das 50-Meter-Becken im Winter mit einer Traglufthalle überdeckt würde, «um das Manko an Wasserfläche während der kalten Jahreszeit zu beheben». Diese Idee fand ansonsten in der Vernehmlassung keinen Anklang, insbesondere aus energetischen und finanziellen Gründen.

Eine Traglufthalle, wie sie etwa hier im Bild in Winterthur geplant ist, wurde als Option für Zollikon vorgeschlagen. Bild: Visualisierung Stadt Winterthur/PD

Der Gemeinderat äussert sich noch nicht inhaltlich zu den Rückmeldungen, wie es auf Anfrage bei der Gemeinde heisst. Die Behörde wird sich zuerst beraten und dann einen Beschluss fassen. Am 25. März 2020 will sie dann der Gemeindeversammlung einen Projektierungskredit vorlegen.

Erstellt: 12.09.2019, 14:51 Uhr

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