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Die historische Uetiker Lagerhalle dürfte bald Geschichte sein

Lange war nicht klar, was die Landihalle in Uetikon ist: ein wichtiger Bau der Schweizer Architekturgeschichte oder doch nur eine morsche Lagerhalle.

Das als Landihalle bekannte Holzgebäude auf dem Fabrikareal am Uetiker Seeufer dient heute noch als Lagerhalle für Düngemittel.
Das als Landihalle bekannte Holzgebäude auf dem Fabrikareal am Uetiker Seeufer dient heute noch als Lagerhalle für Düngemittel.
Sabine Rock

Lange war nicht klar, was die Landihalle in Uetikon ist: ein wichtiger Bau der Schweizer Architekturgeschichte oder doch nur eine morsche Lagerhalle. Die kantonale Denkmalpflege hat diese Frage nun beantwortet. Der Abriss dürfte Tatsache werden. Damit ist die kuriose Geschichte um einen vermeintlichen Zeitzeugen um ein Kapitel reicher. Noch 2006 hiess es – auch in der ZSZ –, das Gebäude stamme von der Landesausstellung 1939 in Zürich.

Damals, vor elf Jahren, polarisierte im Dorf das Bauvorhaben der Chemie Uetikon, die auf ihrem riesigen Areal unter anderem 200 Wohnungen plante. Die Landihalle hätte abgebrochen, wieder aufgebaut und als sozialer Treffpunkt in die Überbauung integriert werden sollen. Die Uetiker lehnten das Megaprojekt aber ab; die Halle blieb an ihrem Standort.

Deponiesanierung verzögert

Etwas später hiess es aus Fachkreisen, der Bau – in Uetikon seit langem zur Lagerung von Düngemitteln verwendet – sei noch viel älter, nämlich ein Überbleibsel der Landi 1914. Im Jahr 2008 flammte im Dorf die Bewegung «Rettet die Landihalle» auf. Von einem «Identifikationsobjekt» für viele Uetiker, namentlich pensionierte Mitarbeiter des Chemiewerks, war die Rede. Man wollte das Bauwerk an anderer Stätte wieder einer öffentlichen Nutzung zuführen.

Was die Retter auf den Plan gerufen hatte, war die schon damals angekündigte Altlastensanierung im Rotholz, im besagten Westteil des Chemie-Areals. Betroffen ist vor allem Meilemer Boden, aber auch unter der Lagerhalle auf Uetiker Gemeindegebiet liegen Schwermetalle. Sie muss deshalb weichen.

Heute steht die Holzkonstruktion noch immer – wenn auch schief, weil sich der Untergrund, die Ausläufer der früheren Deponie, abgesenkt hat. Die Altlastensanierung durch die CPH Chemie + Papier Holding AG rückt aber näher. Laut Unternehmenssprecher Christian Weber sollen die Arbeiten ab Anfang 2019 stattfinden. Noch letzten Sommer war die Rede von einem Baubeginn im Frühjahr 2018. Grund für die Verzögerung ist laut Weber ein Rekurs im Zusammenhang mit der Halle.

Quellen nochmals geprüft

Franklin Thalmann von der Geschäftsstelle des Zürcher Heimatschutzes bestätigt auf Anfrage, dass das Rechtsmittel von seiner Organisation stammte. Der Rekurs sei aber im weiteren Verfahrensverlauf sistiert worden, weil die kantonale Baudirektion den Rückbau der Landihalle nochmals prüfen wollte.

Mit dem Resultat, dass sämtliche denkmalpflegerische Auflagen für das Bauwerk nun aufgehoben sind. Der Kanton überprüfte die historischen Quellen umfassend und kam zum Schluss, dass kein sozial- oder architekturgeschichtlicher Hintergrund besteht, der die Halle schutzwürdig macht.

Der Gemeinderat Uetikon erteilte somit die Baubewilligung für den Abbruch der Landihalle im Rahmen der Deponiesanierung – ohne späteren Wiederaufbau. Rechtskräftig ist diese jedoch noch nicht: Bis 11. Mai sind wiederum Rekurse möglich. Laut Thalmann ist offen, ob der Heimatschutz etwas unternehmen wird. «Jetzt, wo sich herausstellt, dass der Bau doch keine Landihalle ist, muss der Fall bei uns nochmals aufgerollt werden.»

Bis vor gut einem Jahr war das fast 66 000 Quadratmeter grosse Uetiker Industrieareal im Besitz der CPH Chemie + Papier Holding AG. Heute gehört es hälftig dem Kanton, der dort eine neue Mittelschule plant, und der Gemeinde.

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