Küsnacht

Goldküste erhält erste «intelligente» Strassenleuchte

Die Firma Micro hat der Gemeinde anlässlich eines Firmenjubiläums einen Smart City Tower geschenkt. Er liefert Strom für zwei Elektroautos, spendet Licht und kann Umwelt- und Meteodaten erheben.

Die neue intelligente Strassenlampe an der Küsnachter Zürichstrasse.

Die neue intelligente Strassenlampe an der Küsnachter Zürichstrasse. Bild: Moritz Hager

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Vor über eineinhalb Jahren begegneten sich der Gründer der Küsnachter Firma Micro, Wim Ouboter, und Enrico Baumann, Geschäftsführer der in der Au ansässigen Elektron AG, zum ersten Mal. Zum Aufeinandertreffen kam es aber nicht etwa in der Region Zürichsee, sondern in Basel, und zwar im Rahmen der Smart Suisse 2018, dem Kongress für technische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Innovationen. Beide Unternehmer waren so angetan von den Produkten des anderen, dass sie sich an Ort und Stelle spontan auf einen Tausch einigten: einen Smart City Tower, sprich eine Ladestation für Elektroautos, gegen einen Microlino. Am Dienstag fand nun der offizielle Austausch statt.

Wie die beiden Unternehmen in einer Medienmitteilung schreiben, wird Elektron demnächst ihren Microlino, der fortan als Firmenfahrzeug dienen soll, erhalten. Im Gegenzug wurde am Dienstag der Smart City Tower auf dem Parkplatz Zürichstrasse beim Bahnhof Küsnacht in Betrieb genommen. Mit dabei waren auch Vertreter der Gemeinde. Der Grund: Das Unternehmen Micro hat sich entschlossen, den Tower im Rahmen seines 20-Jahre-Jubiläums der Gemeinde Küsnacht zu schenken.

Ausbaupotenzial vorhanden

Beim Smart City Tower handelt es sich im Grunde genommen um einen intelligenten Lichtmast, der Strom für zwei Elektroautos liefert und gleichzeitig in der Lage ist, Umwelt- und Wetterdaten zu messen. An der Goldküste ist der Tower derzeit noch ein Unikum. Am linken Zürichseeufer, genauer in Wädenswil, wurde dagegen bereits im September 2017 eine multifunktionale Lichtantenne in Betrieb genommen. Im Gegensatz zu jenem in Küsnacht bietet der Wädenswiler Smart City Tower, der beim Gerbeplatz steht, auch öffentliches Wi-Fi in einem Radius von 80 Metern. Auch hier wirkte die Firma Elektron bei der Realisierung mit.

Ein Elektroauto der Firma Microlino «tankt» Strom am neuen Smart City Tower. Bild: PD.

Bei der Gemeinde Küsnacht ist die Freude über die Ladestation gross: «Der Smart City Tower passt zu uns, weil er gleichzeitig Nachhaltigkeit und Fortschritt symbolisiert: Attribute, die sowohl für Micro als auch für Küsnacht gelten», sagt Gemeinderat Ueli Schlumpf (SVP), der gleichzeitig auch als Präsident der Energie- und Naturschutzkomission von Küsnacht amtet.

Die Stärke des Towers liege in seiner Erweiterbarkeit und Vielseitigkeit, erklärt Wim Ouboter. So könne er einfach um weitere Anwendungen wie eine smarte Parking-Lösung oder eine verkehrsabhängige Lichtregelung ergänzt werden. Letzteres ist seit anfangs Jahr in Wädenswil der Fall. Der dortige Smart City Tower kann mittlerweile auch die Stärke von zwölf Strassenleuchten regeln. Hierfür wurden die Kandelaber an der Seestrasse über einen Infrarotsender mit dem Tower verbunden. Dieser misst das Verkehrsaufkommen. Die Werte werden dann an eine zentrale Steuerung weitergeleitet. Dort wird das Verkehrsaufkommen der letzten 20 Minuten berechnet. Je nachdem wird das Licht der Strassenlaternen dann hinauf- oder hinuntergeschaltet. Eine ähnliche Lösung sei auch für die Gemeinde Küsnacht durchaus denkbar, sagt Ueli Schlumpf. Konkrete Pläne dafür gäbe es derzeit aber noch nicht.

MICRO MOBILITY SYSTEMS LTD. (INTERNATIONAL)
Wim Ouboter gründete 1996 in Küsnacht die Firma Micro Mobility Systems Ltd. zur Herstellung von Mini-Scootern. Diese etablierten sich rasch bei Klein und Gross und werden heute von einer Vielzahl verschiedener Anbieter verkauft. Die Firma erzielt mit ihren Kickboards einen Umsatz von rund 60 Mio. Franken in über 75 Ländern und beschäftigt etwa 60 Mitarbeitende, davon knapp 30 in Küsnacht (Laden, Büros und Reparaturwerkstatt). Der Rest verteilt sich auf China, Deutschland, Frankreich und die USA. Das Unternehmen steht nach Angaben von Ouboter auf finanziell gesunden Beinen, sei zu 100 Prozent eigenfinanziert und schreibe von jeher schwarze Zahlen «im siebenstelligen Bereich». Nun soll mit dem Projekt Microlino für die Firma ein zweites Standbein aufgebaut werden.(ths)

Erstellt: 11.12.2019, 13:43 Uhr

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