Sommerserie

Die Geschwister mit dem berühmten Namensvetter

Die ehemalige CVP-Nationalrätin Barbara Schmid Federer aus Männedorf und ihr Bruder, Urban Federer, Abt des Klosters Einsiedeln, pflegen eine enge Beziehung. Beim Treffen mit der ZSZ erzählen sie, wie sie ihren Weg gemacht haben und was sie mit Roger Federer verbindet.

Für Barbara Schmid-Federer ist es längst nichts Ungewöhnliches mehr, ihren Bruder Urban Federer im Kloster Einsiedeln zu besuchen.

Für Barbara Schmid-Federer ist es längst nichts Ungewöhnliches mehr, ihren Bruder Urban Federer im Kloster Einsiedeln zu besuchen. Bild: Sabine Rock

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Er trägt das schwarze Gewand eines Benediktiner-Mönchs. Nur der Ring am Finger und die goldene Kette mit Kreuz deuten auf seine Funktion hin: Abt Urban Federer ist Vorsteher der Klöster Einsiedeln und Fahr. Für die ehemalige CVP-Nationalrätin Barbara Schmid-Federer aus Männedorf spielt das keine Rolle. «Er ist einfach mein Bruder.»

Als Urban Federer vor 30 Jahren am Familientisch kurz vor dem Einrücken in die Rekrutenschule verkündete, danach ins Kloster zu gehen, war dies ein Schock für die Familie. «Der Schritt kam überraschend», erinnert sich Schmid-Federer. Es sei etwas Unbekanntes, etwas Neues gewesen.Federer lacht heute über seine damalige ungestüme Ankündigung. «Mit 20 ist man noch sehr jugendlich, vor allem als Mann.» Ernst war es ihm aber alleweil. «Ins Kloster einzutreten ist kein rein rationaler Schritt.» Er habe einen so starken Willen verspürt, dass ihn niemand hätte davon abhalten können. Besonders hart war es für die Mutter, die Eltern, aber sie liessen ihn ziehen. «Die Zweifel haben sich rasch gelegt», erzählt die 52-Jährige. Sie hätten die Gemeinschaft kennengelernt und gesehen, dass es für ihn stimme.

Prägung und Glück

Wir sitzen in einem Besucherzimmer des Klosters. Die Geschwister wirken vertraut, sprechen in warmen Worten übereinander. Die Neugier und das Interesse am anderen machten seine Schwester unglaublich dialogfähig, sagt der Bruder. Mit ihr sei man immer am Diskutieren. Ausserdem sei sie zielstrebig und gut vernetzt. Sie beschreibt ihn als geradlinigen, offenen und tiefsinnigen Menschen. «Mein Bruder hat einen sehr feinen Humor. Das habe ich schaurig gerne.» Er könne in jeder Situation, auch wenn sie schwierig sei, einen positiven Aspekt reinbringen, der eine Auflockerung zur Folge habe.

«Mein Bruder hat einen sehr feinen Humor. Das habe ich schaurig gerne.»
Barbara Schmid-Federer

Gestritten hätten sie sich nur als Kinder. Wenn es darum ging, wer beim Theaterspielen welche Rolle übernahm. Ein Streit, der nicht selten zugunsten der um drei Jahre älteren Schwester ausging. Diese nervte sich, wenn sie auf den jüngeren Bruder aufpassen musste. «Irgendwann haben wir aufgehört zu streiten», sagt Schmid-Federer. Auch politische Auseinandersetzungen sind ihnen fremd. Federer führt dies auf die gemeinsame Prägung im Elternhaus zurück. Und Glück. Es habe einfach immer gepasst, man habe sich auf Anhieb verstanden: Mit dem Mann von Schmid-Federer, mit der Frau des jüngeren Bruders. Der Tod der Eltern habe ihr Band noch intensiviert.

Winken am Flughafen

Eine der prägendsten Erinnerungen der Geschwister, die in der Stadt aufwuchsen, ist der Flughafen Zürich. «Dort haben wir unsere Kindheit verbracht», erzählt der 49- Jährige. Der Vater sei als Kaufmann im Import-Export-Geschäft viel auf Reisen gewesen, einmal pro Woche abgeflogen und wieder angekommen. Jetzt, wo er als Abt selber viel unterwegs sei, denke er oft an diese Zeit zurück. Der Vater brachte Weltläufigkeit nach Hause. Zuerst in Form von Spielsachen - «wir hatten die ersten richtigen Rollschuhe im Quartier» – später teilte er mit seinen Kindern sein Interesse an Büchern, anderen Kulturen und der Politik, während die Mutter einen Sinn für Musik hatte.

Schön und sorgenfrei sei die Kindheit gewesen. Im Teenageralter verbrachte sie ihre Freizeit vorwiegend im Wasser: Als Synchronschwimmerin und Mitglied der Jugendnationalmannschaft trainierte sie bis zu fünf Stunden am Tag. Er machte Musik, ministrierte und ging in die Pfadi. Die Eltern stammten ursprünglich aus dem Kanton Luzern und waren katholisch. «Der Glaube war natürlicherweise vorhanden», sagt Urban Federer. Man war dankbar für das gute Leben, ging sonntags zur Kirche. Sonst sei die Religion kein grosses Thema gewesen.

Dass er mit dem Klosterleben in Berührung kam, ist reiner Zufall. Der Vater stellt ihn als 16-Jährigen vor die Wahl: Weiter das Gymnasium in Zürich zu besuchen oder ins Internat zu wechseln. Die Wahl fiel auf Letzteres, die Stiftsschule Einsiedeln. «Wegen des Skifahrens», sagt Federer mit einem Lachen.

Nicht nur der Bruder überraschte die Schwester mit seinem Entscheid, ins Kloster einzutreten. Sie tat es ihm Jahre später gleich, indem sie für den Nationalrat kandidierte. Dabei war er derjenige, der ursprünglich Jus studieren und in die Politik gehen wollte, bis das Klosterleben rief und er sich für ein Studium der Theologie, Literatur und Geschichte entschied, um Lehrer zu werden. Im Gegensatz zu ihrem Bruder sei sie lange apolitisch gewesen. «Er hat immer mit dem Vater über Politik gesprochen. Mich hat das nicht interessiert», sagt Schmid-Federer. Das änderte sich erst mit dem EWR-Nein. Die studierte Romanistin verlor deswegen in Paris ihre Stelle als Lehrerin. Als sie sich als junge Mutter mit der ihr von der Gesellschaft zugeschriebenen Rolle konfrontiert sah, war dies ein weiterer Grund für den Gang in die Politik.

Vorteile des Namens

«Der Doppelname war mit Sicherheit ein Faktor, der mir bei den Wahlen geholfen hat», sagt sie rückblickend. Abt Federer sieht nur Vorteile, denselben Nachnamen wie Roger Federer zu tragen. Früher habe es noch Missverständnisse gegeben wegen der Schreibweise des Namens. Seit der Tennisspieler zum Weltstar aufgestiegen ist, nicht mehr. Stattdessen kommt es vor, dass ein griessgrämig wirkender Zollbeamter plötzlich zu strahlen beginne.

Diese letzte Frage muss sein: Sind sie mit ihm verwandt? Sehr, sehr weit entfernt würden die Linien zusammenkommen, sagt Schmid-Federer. Es sei aber schon erstaunlich, dass sich in der Verwandtschaft gewisse äusserliche Merkmale des Sportlers wiederfänden. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 13.08.2018, 15:34 Uhr

Sommerserie

Die «Zürichsee-Zeitung» porträtiert in einer Sommerserie Geschwisterpaare aus der Region. Dabei geht es um das Elternhaus, unterschiedliche Lebenswege und Weltanschauungen. Und auch um Fragen, die sich unter Geschwistern zwangläufig stellen: Wie steht es um Rivalität, Eifersucht und um Konfliktlösungen?

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