Stäfa

Jetzt muss die Gemeinde den Frohberg-Umbau finanzieren

Die Frohberg AG hat sich aufgelöst. Hunderte private Aktionäre werden ihr Geld wohl verlieren. Die Gemeinde Stäfa übernimmt den Neubau des Ausflugsrestaurants.

Die Frohberg-Aktionäre machen Platz für einen Umbau durch die Gemeinde. Noch ist offen, wie das Ausflugsrestaurant künftig aussehen wird.

Die Frohberg-Aktionäre machen Platz für einen Umbau durch die Gemeinde. Noch ist offen, wie das Ausflugsrestaurant künftig aussehen wird. Bild: Archiv Schneider

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Keine Frage, das Restaurant Frohberg ist ein Liebhaberobjekt. Der schöne Ausblick lockt Ausflügler und Einheimische gleichermassen nach Stäfa. Eine Liebhaberei war auch der private Verein Frohberg AG. Hunderte kauften Aktien des Vereins mit dem Ziel, das Restaurant zu modernisieren. Auch die Gemeinde ist Grossaktionärin. Am Donnerstag trafen sich die Aktionäre zur ersten Generalversammlung. Einziges Thema: Die Liquidation der AG.

Das Problem ist, dass schlicht nicht genug Geld zusammengekommen ist, um das neue Projekt zu finanzieren. Fast fünf Millionen Franken hätte dieses kosten sollen. Also blieb nur noch die Flucht nach vorn. Das Vorprojekt soll an die Gemeinde Stäfa verkauft werden.

An der Versammlung wurden drei Vorschläge gemacht, zu welchen Konditionen die Gemeinde das Projekt kaufen kann: Ohne Konditionen, für 320'000 Franken oder eine Kompromisslösung von 100'000 Franken. Die rund 140 anwesenden Aktionäre sprachen sich für eine Weitergabe ohne Forderungen aus. Gemäss Anwesenden gingen zwar nur gut die Hälfte der Hände hoch. Doch, da die Gemeinde über die Hälfte der vor Ort vertretenen Aktien verfügte, ging der Antrag problemlos durch.

Investition als Spende

Fast einstimmig entschied die AG danach, ihrem Dasein in Ende zu setzen. Zuvor hatten einige Votanten ihre Investition als Spende bezeichnet. Nach dem Verkauf an die Gemeinde wird der Liquidationsüberschuss an die Aktionäre verteilt, die AG aus dem Handelsregister gelöscht. Ob die vielen Aktionäre allerdings je etwas von ihrem Geld wiedersehen werden, bleibt völlig offen.

Am gleichen Abend wurde den Anwesenden gar schmackhaft gemacht, erneut Geld zu investieren. Denn die Gemeinde dürfte wohl nur ein abgespecktes Projekt für gut vier Millionen Franken verfolgen. Dieses kommt ohne einen ursprünglich geplanten Saal im Westteil aus. Es ist umstritten, ob der Frohberg ohne diesen Saal überhaupt rentabel wäre. Nun soll ein Gönnerverein namens «Freunde des Frohbergs» gegründet werden, um den Saal doch noch zu ermöglichen. Ob das Geld zusammenkommt und ob der Gönnerverein überhaupt gegründet wird, steht heute in den Sternen. Die Verantwortlichen der AG waren gestern für die ZSZ nicht erreichbar.

Der Gemeinderat zeigt sich offen, wenn auch nicht aus finanzieller Sicht. Mit Steuergeldern könne sich die Gemeinde einfach nicht wie ein Privater verhalten. Es sei aber noch nicht entschieden, welche Variante an die Urne komme. «Wenn namhafte private Mittel aufgebracht werden, um die Saalerweiterung zu bauen, würde sich dem der Gemeinderat vermutlich nicht verschliessen», sagt Gemeindepräsident Christian Haltner (FDP).

Schickalsjahr 2020

Haltner stellt eine Abstimmung über das Projekt für das erste Halbjahr 2020 in Aussicht. Der Neubau könnte dann eventuell schon im Herbst 2020 gestartet werden. An der GV zeigte sich der Gemeindepräsident zuversichtlich bezüglich der Abstimmung. Schliesslich hätten sich die Stimmbürger schon viermal hinter den Frohberg gestellt. Gänzlich unzufrieden mit dem Verlauf des Abends ist Haltner offenbar nicht. Die Frage was der Frohberg für den Gemeinderat bedeutet, beantwortet der Gemeindepräsident deutlich: «Eine Herzensangelegenheit».

Bekannt wurde an der GV auch, dass Gemeinderätin Claudia Hollenstein (GLP), als Vertreterin des Gemeinderats, Anfang Jahr aus dem Verwaltungsrat der AG ausgetreten ist. Laut dem Gemeindepräsidenten sollte es eine klare Abgrenzung geben zwischen der Gemeinde als Leistungsbestellerin und der AG Leistungserbringerin.

Erstellt: 21.06.2019, 18:35 Uhr

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