Zumikon

Die Freizeit im eigenen Dorf verbringen

Eine Idee für ein Freizeitangebot entwickeln und dabei von Fachleuten unterstützt werden: Das ist das Konzept des Freizeitzentrums Zumikon. Am Samstag feiert es sein 40-Jahr-Jubiläum.

Dennis Padel, Leiter des Freizeitzentrums Zumikon, und Präsidentin Brigitte Clénin Hering im Eingang des alten Gemeindehauses und heutigen Zumiker-Treffs.

Dennis Padel, Leiter des Freizeitzentrums Zumikon, und Präsidentin Brigitte Clénin Hering im Eingang des alten Gemeindehauses und heutigen Zumiker-Treffs. Bild: Manuela Matt

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sitzungsprotokolle gelten selten als fesselnde Lektüre. Zu Unrecht. «Das glaubt man fast nicht», stellt Brigitte Clénin Hering fest, «wenn man das heute liest.» Damit meint sie, Präsidentin des Vereins Freizeitzentrums Zumikon, das Protokoll der zweiten Vorstandssitzung von 1982. Da hätten Jugendliche zuvor eine Unterschriftensammlung lanciert. «Sie haben ein absolutes Alkoholverbot für das Freizeitzentrum gefordert.» Aber das sei einigen Erwachsenen dann doch zu strikt gewesen. Also habe man abgestimmt – mit einem klaren Resultat für die Jugendlichen.

«Das muss man sich heutzutage vorstellen», sagt Clénin. Noch dazu, da sich das Freizeitzentrum vor allem auch an Jugendliche richten sollte. Und umso mehr, da die Zeiten bewegte waren: In Zürich prägte die erste offene Drogenszene das Stadtbild. 1979 wurde der Verein Zumiker Freizeitzentrum gegründet. Die runde Anzahl Jahre seitdem sind der Grund, warum Clénin die alten Protokolle hervorgeholt hat: Zur Vorbereitung des Jubiläumsfests kommenden Samstag hat sie sich mit den Wurzeln des Gefeierten genauer befasst.

Interesse für Gründung

Das Hauptgebäude des Freizeitzentrums ist seit 2016 der Zumiker-Treff. Wer das ehemalige Gemeindehaus an der Dorfstrasse betritt, nimmt als Erstes vielleicht angeregte Gespräche wahr, Kinderlachen und Geschirrklappern. Oder eine Gruppe turnender Senioren hinter einer Glastür. Vielleicht aber auch die mit Kursausschreibungen vollgehängte Wand – und überhaupt, dass alles hier recht neu und unverstaubt wirkt.

Diese Dinge verdeutlichen denn auch, was das Freizeitzentrum, unter anderem, heute ausmacht: ein von Freiwilligen betriebenes Café. Ein vielfältiges Angebot an Freizeitkursen von Italienisch-Konversation über Feldenkrais zu Kinderkarate. Ein Haus, in dem Jung und Alt, Eingesessene und Zugezogene für eine lebhafte Stimmung sorgen. Das «andere» sind die Keramik- und Holzwerkstätten am Dorfplatz, die Jugendarbeit oder die Galerie Milchhütte.

Breit akzeptiert

Vielfältig und lebendig muss man sich auch die Gründungsversammlung vor 40 Jahren vorstellen. «91 Leute waren dabei», sagt Clénin. Eine Zahl, die von der damaligen Aufbruchsstimmung zeugt. Diese wiederum ist durch die Pläne für den Zumiker Dorfplatz genährt worden. 1980 ist er in der heutigen Form entstanden. Das hat mit dem Verein – damals noch Jugend und Freizeit benannt – insofern zu tun, als dass dieser bis zum Umzug an den aktuellen Standort eben am neuen Dorfplatz lokalisiert war.

Darüber, dass es das Angebot überhaupt brauchte, habe unter den verschiedenen Akteuren in der Gemeinde von Anfang an Einigkeit geherrscht, sagt Zentrumsleiter Dennis Padel. So unterstützen die politische und die beiden Kirchgemeinden das Zentrum seitdem mit einem jährlichen Kredit. «Es gab damals schlicht zu wenig Freizeitmöglichkeiten für Jugendliche», erklärt Padel. Damit diese nicht in Zürich ihr Vergnügen suchten – Stichwort Drogenszene –, habe man ihnen im Dorf etwas bieten wollen. Und das kam an. «Von Anfang an war die Nachfrage gross», sagt der Zentrumsleiter, «auch am Erwachsenenangebot.»

Benutzer bringen Ideen

Geändert haben sich indes die Strukturen. «Früher wurde der Betrieb quasi von Ehrenamtlichen geführt», erklärt Padel. Diese hätten als Hilfsleiter die Besucher instruiert, etwa in der Holz- oder Keramikwerkstatt, oder den Jugendlichen bei der Durchführung von Discoabenden und anderen Anlässen geholfen. Doch mit der Zeit sei das freiwillige Engagement zurückgegangen, und man habe die Leiterstellen im Jugend- und Werkstattbereich professionalisiert.

Bei den anderen Angeboten des Freizeitzentrums sei immer mehr der partizipative Ansatz aufgekommen, sagt Padel. Das heisst: Freiwillige bringen Ideen für Angebote; das Team des Freizeitzentrums berät sie bei der Umsetzung, übernimmt administrative Aufgaben oder stellt Räume bereit.

Auch bei den Projekten mit Jugendlichen ist das Partizipative wichtig. Ebenso hat sich das Kurswesen verändert. Früher hat der Verein die Kursleiter angestellt; seit 2013 arbeiten diese selbstständig. «Wir schauen nur, ob ihr Angebot zu uns passt, und stellen gegen eine Gewinnbeteiligung die Infrastruktur zur Verfügung», erklärt Padel. Dadurch sei das Kursangebot breiter geworden. «Künftig wollen wir nun noch sichtbarer auftreten», sagt Clénin, «vor allem für Neuzuzüger.»

Fest zum 40-Jahr-Jubiläum mit Kinderattraktionen, Präsentation von Kursen, Livemusik und Kulinarischem: Samstag, 14. September, 12 bis 23 Uhr, Zumiker-Treff an der Dorfstrasse 43 sowie auf dem Dorfplatz und dem Güggelplatz, Zumikon.

Erstellt: 12.09.2019, 09:09 Uhr

Thema an der Gemeindeversammlung

An der Zumiker Gemeindeversammlung vom 24. September ist auch das Freizeitzentrum ein Traktandum. Es geht um den jährlichen Kredit von 38500 Franken zur Deckung des Defizits.

Als Ausgangslage für die Zusammenarbeit mit der Gemeinde gilt seit diesem Jahr eine vertraglich festgelegte Leistungsvereinbarung. Damit hat man für beide Seiten verbindliche Ziele formuliert. Deren Umsetzung wird nach einer vierjährigen Testphase überprüft.

Die Gemeinde stellt dem Verein Freizeitzentrum die Räumlichkeiten – neben dem «Zumiker-Treff» die Holz-und Keramikwerkstatt am Dorfplatz 8 und 9, die Milchhütte an der Dorfstrasse 31 und weitere – zur Verfügung, wie auch IT-Anlagen und die Finanzbuchhaltung. Der Verein generiert Einnahmen durch Mitgliederbeiträge, Raumvermietungen oder Kurse. (and)

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben