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Die eigene Einstellung beeinflusst das Alter

Wie schafft man es, im Alter glücklich und geistig rege zu sein? Zu dieser Frage referierte am Donnerstag im Uetiker Haus Wäckerling die Entwicklungspsychologin Pasqualina Perrig-Chiello.

Die Entwicklungspsychologin Pasqualina Perrig-Chiello gab Ratschläge für ein glückliches Alter.
Die Entwicklungspsychologin Pasqualina Perrig-Chiello gab Ratschläge für ein glückliches Alter.
Sabine Rock

Augen und Ohren lassen nach. Die Vergesslichkeit nimmt zu. Hier und da meldet sich ein Zipperlein oder gar ernste Beschwerden: Es sind dies die Bilder, die gemeinhin mit dem Alter assoziiert werden. Die Annahme, dass die Lebensspanne jenseits des Ruhestands eine triste Zeit sein müsse, liegt auf der Hand. Zu Unrecht jedoch.

Die Entwicklungspsychologin Pasqualina Perrig-Chiello, emeritierte Professorin der Universität Bern, hat in mehreren Langzeitstudien Gegenteiliges erforscht: Dass nämlich viele ältere Menschen von einem gesteigerten Wohlbefinden berichten – im Gegensatz zu Personen in der mittleren Lebensphase. Warum dem so ist und welche Schlüsse sich daraus für die eigene Lebensgestaltung ziehen lassen, erörterte Perrig am Donnerstagabend im Haus Wäckerling in Uetikon. Sie war damit der Einladung des Forums Angewandte Gerontologie gefolgt – die Stiftung ist im weitesten Sinne für praktische und theoretische Belange rund um das Alter tätig. Perrigs Vortrag fand als zweite Veranstaltung des vierteiligen Zyklus‘ unter dem Titel «Gesund alt werden – wie geht das?» statt.

Gesunde Schweizer

Als Einstieg relativierte Perrig die Annahme, dass das Alter eine Zeit der Gebrechen sei – mit der Einschränkung freilich auf die geografischen Rahmenbedingungen. «Die Schweiz belegt den zweiten Rang, was die Lebenserwartung bei guter Gesundheit betrifft», sagte sie. Desgleichen würden in unserem Land im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich wenig der Über-50-Jährigen an Mehrfacherkrankungen leiden.

Ein Umstand, der mit dem hohen Bildungsstandard hierzulande korreliere: Bildung, so verdeutlichte sie, trägt zur Verzögerung von Demenz bei. Das Gehirn sollte ständig gefordert werden – durch geistige Aufgaben, bei körperlicher Bewegung und im sozialen Austausch. «Zum Lernen ist es nie zu spät», nannte Perrig als Rezept, was der Einzelne für die geistige Gesundheit tun könne – freilich gebe es aber auch organische Ursachen einer Demenz oder anderer Krankheit, die wenig beeinflussbar seien.

Spätestens hier manifestierte sich, dass es durchaus auch Jüngeren nicht schaden würde, sich über die Strategien für ein positives Altern Gedanken zu machen. An den Anlass erschienen waren dennoch hauptsächlich Zuhörer älteren Jahrgangs. Mit ihrer Zahl von gut 140 Teilnehmern füllten sie den Festsaal bis auf den letzten Platz.

Mit Krisen fertig werden

Die Professorin zeigte weiter auf, wie die eigene Einstellung das Alter beeinflusst. Denn: Unter keinen schwerwiegenden geistigen oder körperlichen Krankheiten zu leiden, erklärt noch nicht, weshalb ältere Menschen, wie eingangs erwähnt, sich grundsätzlich wohl und glücklich einschätzten. «Ältere Menschen haben eine verstärkte Selbstkontrolle», sagte Perrig. Man orientiere sich etwa weniger an extern gesetzten Massstäben, wisse was einem gut tue und passe die eigenen Ansprüche seinen Kräften an. Von aussen betrachtet werde diese Kompetenz der Selbstregulierung oft als Starrsinn interpretiert.

Glücklich alt werden, erfordere nicht zuletzt, mit den Krisen des Lebens fertig zu werden. Resilienz ist das Zauberwort. Sie basiere auf einer ausgewogenen Mischung an Charakterstärken und lasse sich trainieren. Mentale und emotionale Stärke – etwa Wille, Ehrlichkeit oder Ausdauer – gehörten dazu, wie auch Weisheit und Wissen, die Fähigkeit zur Liebe oder zur Spiritualität, die sich etwa als Hoffnung oder Dankbarkeit äussere.

Sinnvolles Leben statt Lust

Wohlbefinden werde im Alter zudem anders definiert als in jungen Jahren: Nicht mehr Lust und Freude stehe im Zentrum, sondern ein sinnerfülltes Leben. «Mit sich und seiner Biografie ins Reine zu kommen, sein Schicksal zu akzeptieren, ist ein wichtiger Bestandteil des Wohlbefindens», erklärte Perrig. Je resilienter jemand sei, umso einfacher falle dies. «Aber auch das Gefühl des Gebrauchtwerdens im Alter ist entscheidend, einen Sinn im Leben gefunden zu haben.» Damit verbinden sich freilich auch gesellschaftliche Forderungen.

An der nächsten Veranstaltung des Zyklus‘ «Gesund alt werden – wie geht das?» referiert der Psychiater und Psychotherapeut Daniel Hell. «Ist Depression nur dunkel – vom Umgang mit Verstimmungen gestern und heute» ist sein Thema. Donnerstag, 15. März, 17.30 Uhr. Haus Wäckerling, Uetikon.

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