Aviatik

«Die Connie fliegt nie mehr»

Die Super Constellation hat die Schweiz verlassen. Neue Eigentümer wollen das Oldtimer-Flugzeug wieder zum Abheben bringen. Dass ihnen das gelingt, glaubt der frühere Operationsleiter aus Meilen nicht.

Ernst Frei hat mit der Super Constellation Tausenden Aviatikfans ein Flugerlebnis von anno dazumal ermöglicht.

Ernst Frei hat mit der Super Constellation Tausenden Aviatikfans ein Flugerlebnis von anno dazumal ermöglicht. Bild: Annalina Dietz-Saluz

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In der Nacht auf den 28. November endete ein Kapitel Schweizer Aviatikgeschichte. Nach 15 Jahren im Besitz der in der Region Zürichsee stark vertretenen Super Constellation Flyers Association (SCFA) transportierte ein Tieflader den Rumpf des 1955 gebauten Passagierflugzeugs aus dem Hangar am Flughafen Zürich. Ziel war der Flugplatz Bremgarten-Eschbach nahe Freiburg im Breisgau.

Dort soll die Maschine mit den vier Propellern und dem charakteristischen dreiteiligen Heckruder überholt und wieder in die Luft gebracht werden. Doch Kenner der Materie sind pessimistisch. Ernst Frei, der die Super Connie als Captain und Operationsleiter des Vereins flog, sagt sogar: «Ich gehe eine Wette ein, die Connie fliegt nie mehr.» Der 72-jährige Meilemer hat zusammen mit dem technischen Leiter vergeblich vor diesem unrühmlichen Ende gewarnt.

Nur ein Ziel

Frei war einer der letzten Kämpfer in der Führungsgarde der SCFA. Seit das Flugzeug 2017 wegen entdeckter Roststellen an den Flügeln gegroundet wurde, putzte er Klinken, um die für die Reparatur nötigen 15 Millionen Franken aufzutreiben. Doch just als seine Suche von Erfolg beschieden war, kam alles anders.

Start zu einem «Zürichsee-Rundflug» in Mollis.

Am 4. Juli 2019 beschloss eine grosse Mehrheit an der ausserordentlichen Mitgliederversammlung der Associates (Flugzeug-Mitbesitzer der SCFA), dem Antrag des Liquidators zur Vereinsauflösung zu folgen. Die Connie wurde für 1 US-Dollar an zwei deutsche Investoren verkauft. Einzige Bedingung: Sie müssten sämtliche Kosten bis zum Abtransport aller Flugzeugteile, Werkzeuge, Ersatzmotoren und Fahrzeuge übernehmen.

Dem Liquidator war wichtig, die SCFA schuldenfrei aufzulösen. Die Zukunft des Fliegers war für den früher eingefleischten Connie-Fan und Gründungsmitglied der SCFA «nicht mein Problem», wie ihn Frei zitiert. Er selbst blieb mit einer um einen potenten Mäzen in der Schweiz gebildeten Gruppe mit 10 Millionen Franken Startkapital chancenlos. Mit diesem Geld plus dem Versprechen des Wohltäters, für die Beschaffung der noch fehlenden 5 Millionen eine Kampagne zu starten, sollte die Connie in der Schweiz revidiert werden.

Dazu hatte sich eine Crew als Vorstand für einen neuen Verein formiert, bestehend aus Mitgliedern des alten Vorstandes, Vertretern des Mäzens, Mechanikern der Connie sowie dem für die Wiederherstellung der korrodierten Flügelteile vorgesehenen Spezialisten.

«Naive»Investoren

Der Liquidator liess sich nicht mehr umstimmen. Für Frei noch schlimmer: «Der Vertrag mit den neuen Eigentümern wurde trotz mehrmaligen Anfragen von Associates nie präsentiert.» So sei bis heute unklar, was mit den Käufern im Falle eines Scheiterns ihres Projektes ausgehandelt ist. Bekannt ist alleine, dass für sie nur das Fliegen zähle, an einer Museums-Connie seien sie nicht interessiert.

Das lässt den Meilemer Ungutes ahnen. Die Investoren, die auf höchste Diskretion bedacht sind, bezeichnet er als «naiv». Es handle sich um zwei deutsche Unternehmer mit viel Kapital aber wenig Erfahrung mit Flug-Oldtimern. Sie hätten wohl geglaubt, mit der Connie für einen Dollar ein Schnäppchen gekauft zu haben. Dabei mussten sie bis jetzt schon annähernd eine Million Franken investieren, ohne dass eine einzige Niete ersetzt worden ist. Die neuen Besitzer planten bis Ende August alle Teile der Connie und alles Material aus dem Hangar in Zürich zu entfernen.

Impressionen eines Fluges mit der Super Constellation aus dem Jahr 2013:

Video: Fabian Röthlisberger/Christian Dietz-Saluz.

«Das war viel zu ambitiös und scheiterte nur schon an der Tatsache, dass für den Transport das Schweizerische Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) eine Verantwortung übernahm mit klaren Forderungen, wie dieser zu geschehen habe», sagt Frei. Eine Billiglösung der deutschen Investoren wurde abgelehnt, denn der Rumpf hätte beim kleinsten Schaden seine Lufttüchtigkeit für immer verloren. Die Vorschrift des Bazl ist entscheidend, weil das «Permit to fly» für die Connie von der Zulassungsbehörde nie ungültig gemacht wurde und bei Wiederherstellung erneut in Kraft treten würde.

Frei verdeutlicht, was das bedeutet: «Kein einziges anderes Land weltweit wäre mehr bereit, einem solchen Oldtimer ein Zeugnis zum Fliegen mit Passagieren auszustellen, sagte uns das Bazl.» Somit hätte nur eine Schweizer Lösung mit der Registration HB-RSC eine Chance.

«Unser Know-how steht zur Verfügung», schrieb der Liquidator laut Frei in einem Pressebulletin. «Aber wir wurden nie angefragt.» Mit jedem Tag schwand die Bereitschaft der alten Recken, sich nochmals ehrenamtlich einzusetzen. Das gilt auch für ihn, der sein Pilotenwissen weitergeben müsste. «Ich wäre kaum mehr in der Lage, das Connie-Fliegen in vier Jahren – nach dannzumal sieben Jahren Pause – noch einmal zu erlernen, im Alter von 76 Jahren.»

Flügel noch immer in Zürich

Der Abtransport der Maschine aus Kloten zog sich in die Länge, mit steigenden Hangarkosten auf über 100'000 Franken pro Monat, weil der Sympathie-Spezialpreis für den Verein für Investoren nicht mehr galt. Die Mechaniker-Verträge mussten Monat für Monat verlängert werden, denn nur die lizenzierten Spezialisten der SCFA durften an der Connie arbeiten. So verliess der Rumpf erst Ende November die Werft auf einem speziell konstruierten Tiefganganhänger mit Zugfahrzeug. «Um 4 Uhr morgens am 28. November war das Schicksal unserer auch am Zürichsee geliebten Connie mit der Verzollung in Rheinfelden wohl endgültig besiegelt», sagt Frei.

Abschied: Der flügellose Rumpf verlässt den Flughafen. Foto: PD Ernst Frei

«Es bestehen Zweifel, dass es den deutschen Fliegerfreunden gelingen wird, die Connie wieder flugtüchtig zu machen», sagt der Ex-Pilot. «Nebenbei, die Flügel liegen immer noch in Zürich, da noch gar nicht klar ist, wo sie repariert werden sollen und ob das Transportfahrzeug vom Bazl genehmigt wird.»

Regale werden geräumt

Frei ist enttäuscht – wie auch die Flugzeugfans und Tausende ehemaliger SCFA-Mitglieder. «Ich habe kein Problem damit, dass die Connie nie mehr fliegen wird, aber mit der Art, wie es dazu gekommen ist.» Mit dem Mäzen wäre eine Schweizer Lösung möglich gewesen. Gleichzeitig gibt er aber auch zu, dass der Absturz der Ju 52 im August 2018 eine Rolle spielte, der Skepsis gegenüber Oldtimerflügen ausgelöst habe.

Der ehemalige Jumbo-Pilot der Swissair zieht einen Schlussstrich. Frei entsorgte bereits ganze Büchergestelle von Unterlagen, Protokollen, Dokumenten, Verträgen und Broschüren der SCFA. Die Lücken in den Regalen wirken wie eine Befreiung in der Frustbewältigung. «Das tut mir gut, ich habe abgeschlossen.»

Erstellt: 09.01.2020, 14:10 Uhr

Bundesamt wacht über Zustand von alten Flugzeugen

Die Super Constellation mit der Immatrikulation HB-RSC ist momentan noch im Schweizer Luftfahrzeugregister eingetragen, bestätigt Urs Holderegger, Kommunikationsleiter des Bundesamts für Zivilluftfahrt (Bazl). Daher ist das Bazl auch für deren Lufttüchtigkeit verantwortlich. Allerdings sind viele Fragen offen. «Zurzeit wissen wir noch nicht, welche konkreten Pläne die neuen Besitzer haben und ob die HB-RSC überhaupt noch in der Schweiz registriert bleibt», teilt Holderegger auf Anfrage mit. «Falls sie das Flugzeug unter Schweizer Aufsicht wieder flugtüchtig machen und damit auch Vereins-Passagiere befördern wollen, müssen sie strenge Vorgaben erfüllen.»

Wie bei vielen historischen Luftfahrzeugen (zum Beispiel die Ju-52) gibt es keinen Hersteller mehr, der die kontinuierliche Lufttüchtigkeit des Flugzeuges gewährleistet und vorschreibt, welche zusätzlichen Arbeiten gemacht werden müssen, oder wo es zu Defiziten bei der Struktur des Flugzeuges kommen kann. Aus diesem Grund haben einige Luftfahrtbehörden, darunter das Bazl, sogenannte Ageing-Aircraft-Programme entwickelt, um die technische Sicherheit alter Flugzeuge weiterhin zu gewährleisten. Bei einem Luftfahrzeug dieser Grössenordnung und aufgrund der Komplexität der Super Constellation überwacht das Bazl daher die Restaurationsarbeiten in regelmässigen Abständen. Insbesondere auch um zu verifizieren, ob die Restaurationsarbeiten und Kontrollen gemäss den genehmigten Sonderinspektionsprogrammen («ageing aircraft») durchgeführt werden.

Heikler Transport

Die komplette Demontage eines Luftfahrzeuges und ein Strassentransport bergen viele zusätzliche Gefahren, wie etwa irreparable und schwer feststellbare Strukturschäden. Grundsätzlich dürfen solche komplexen Arbeiten nur nach vom Hersteller herausgegebenen und genehmigten Programmen erfolgen. Da ein solches Programm nicht existierte, verlangte das Bazl die Entwicklung und Erstellung eines solchen für die Super Connie. Dafür wurde durch den Luftfahrzeughalter ein geeignetes Engineering-Unternehmen beauftragt.

Damit ein Transport ohne Beschädigungen gewährleistet werden kann, wurden für die 32 Meter lange Super Constellation geeignete Halterungen für die Befestigung der Flugzeugkomponenten berechnet und anschliessend individuell hergestellt. Fachleute des Bazl überprüften vor Ort, dass die Demontage und die Vorbereitungen für den Strassentransport dem zur Ausführung genehmigten Programm entsprachen.

Christian Dietz-Saluz

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