Stäfa

«Die Bibliothek gehört zu unserem Grundauftrag»

Die Bibliothek ist in der Lesegesellschaft Stäfa vor Ortsmuseum und Kulturveranstaltungen der älteste Pfeiler. Die Lesegesellschaft will die Bibliothek auch in Zukunft nicht aus ihren Händen geben, sagt Präsident Richard Diethelm.

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Wie muss man sich die Bibliothek der Lesegesellschaft Stäfa im Gründungsjahr 1819 vorstellen?
Der Jahresbeitrag von vier Franken wurde für die Anschaffung von Büchern, Zeitungen und Zeitschriften ausgegeben. Die lagen im Lesezimmer in der Alten Krone auf oder gingen in Zirkulation. Am Mittwoch sassen die Mitglieder zusammen, lasen sich vor und diskutierten über die aufklärerischen Schriften aus der Zeit des «Stäfner Handels», zürcherische und eidgenössische Politik, Militär und über wohltägige Werke.

Konnten die Bücher und Zeitschriften ausgeliehen werden?
Normale Werke durfte man nur für die Dauer von 24 Stunden ausleihen, Bücher nur acht Tage. Das zeigt, wie gross die Nachfrage war.

Wie entwickelte sich die Bibliothek?
1843 bestand sie aus 540 Bänden, 1868 aus 1200 Bänden. Das war damals eine der grössten Bibliotheken in der Zürcher Landschaft. Ab 1883 erhielten auch die Stäfner Sekundarschüler Zugang, später folgten die Berufs- und Primarschüler. Das Grundanliegen der Lesegesellschaft – die Volksbildung – wurde also ernst genommen. 1918 kam die ganze Büchersammlung des Kaufmännischen Vereins rechtes Zürichsee-Ufer zur Bibliothek.

War dafür in der Alten Krone genug Platz vorhanden?
Nein, irgendwann wurde die Bibliothek zu gross für das Lesezimmer, das sich bis 1838 in der Alten Krone befand und später in andere Liegenschaften umzog. Zunächst brachte der Lehrer, der im Vorstand meistens für die Bibliothek zuständig war, die Bücher bei sich zu Hause unter. Bis die Bibliothek 1902 ins Schulhaus Kirchbühl Nord und nach dem Bau des Kirchbühl Süd in den Dreissigerjahren dorthin verlegt wurde. Dort erfolgte 1961 auch der Neubeginn mit der Freihandbibliothek.

Die Bibliothek ist aus historischen Gründen bei uns in guten Händen.»Richard Diethelm, Präsident der Lesegesellschaft Stäfa

Bis auf Bülach und Stammheim haben alle Lesegesellschaften im Kanton Zürich ihre Bibliothek der Gemeinde übertragen. Warum führt die Lesegesellschaft Stäfa immer noch selbst die Bibliothek?
Ich denke, dass das mit der Tradition in Stäfa zusammenhängt, wonach sich die Gemeinde gerne aus kulturellen Angelegenheiten heraushält und stattdessen die Vereine bei ihren kulturellen Tätigkeiten finanziell unterstützt.

Gab es in der Lesegesellschaft nie die Idee, die Bibliothek der Gemeinde zu überlassen?
Doch, die gab es, als wir 2013 das neue Erscheinungsbild der Lesegesellschaft gestaltet haben. Dabei wurde die Frage gestellt, ob wir die Bibliothek behalten oder der Gemeinde übergeben wollen. Der Vorstand entschied sich aber dagegen. Die Bibliothek ist aus historischen Gründen bei uns in guten Händen. Und es kommt die Gemeinde billiger, wenn die Lesegesellschaft die Bibliothek führt. Aber ohne Defizitdeckung durch die Gemeinde in der Leistungsvereinbarung könnten wir dieses Angebot mit 18300 Medien und 67000 Ausleihen im letzten Jahr nicht führen.

Was bringt die Bibliothek der Lesegesellschaft?
Historisch gehört die Bibliothek zu unserem Grundauftrag: Die Volksbildung fördern und Unterhaltung bieten. So wecken unsere Bibliothekarinnen bei jungen Menschen die Freude am Lesen durch eine monatliche Gschichte-Zyt und Führungen für Schulklassen. Die Bibliothek organisiert auch Autorenlesungen und veranstaltet anlässlich unseres 200-Jahr-Jubiläums am 14. September auf dem Gemeindehausplatz ein rockiges Open-Air-Konzert für Kinder und Familien.

Erstellt: 05.09.2019, 09:27 Uhr

Richard Diethelm, Präsident der Lesegesellschaft Stäfa. (Bild: pd)

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