Meilen

Die Angst vor dem Verkehrschaos

Die Dorfstrasse in Meilen soll verschmälert und verkehrsberuhigt werden. Das stösst teils auf Widerstand. Ein pensionierter Bauingenieur wehrt sich in einem halbseitigen Inserat. Die Gemeinde aber hält ihren Entscheid für richtig.

Die Dorfstrasse in Meilen ist stark befahren. Die Pläne, sie zu verengen, wird sich auch auf die VZO-Busse auswirken.

Die Dorfstrasse in Meilen ist stark befahren. Die Pläne, sie zu verengen, wird sich auch auf die VZO-Busse auswirken. Bild: Moritz Hager

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Die geplante Begegnungszone auf der Dorfstrasse – unmittelbar auf Höhe des Bahnhofs – bewegt die Meilemer Bevölkerung. Zum Projekt, über das die Gemeindeversammlung vom 4. März abstimmt, sind in der Vernehmlassung über 100 Einwendungen eingegangen. Fast die Hälfte von ihnen hat der Gemeinderat in irgendeiner Form berücksichtigt. Der dazu gehörende Bericht kann bis am 9. Februar eingesehen werden. Es können auch Einsprachen dagegen gemacht werden.

Ein Bürger, der von der Behörde nicht erhört worden ist, hat einen anderen Weg gewählt: Er hat im «Meilener Anzeiger» ein halbseitiges Inserat geschaltet, in dem er die geplante Begegnungszone kritisiert und als Problemfall bezeichnet.

Ausweichstellen für Busse

Die Absicht des Gemeinderats ist es, den Verkehr auf der vielbefahrenen Dorfstrasse zu beruhigen und damit die Sicherheit zu erhöhen. Statt der heutigen Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h würde neu Tempo 20 gelten. Die Zahl der Parkplätze soll von 34 auf 26 reduziert und die Fahrbahn stellenweise verschmälert werden. Genau dies kritisiert der pensionierte Bauingenieur Peter Bischofberger in seinem Inserat. 

Gegenwärtig ist die Dorfstrasse 6,3 bis 7 Meter breit. Die geplante Fahrbreite von 5,4 Meter auf dem Abschnitt zwischen der Burg- und der Bahnhofstrasse sei viel zu wenig, schreibt Bischofberger, der bei Bauprojekten in Meilen immer wieder als Kritiker der Behörden auftritt, beispielsweise beim Bau des neuen Parkhauses im Zentrum. Lastwagen, Busse, Müllabfuhr und Feuerwehrautos könnten sich so kaum kreuzen. Zwar sind innerhalb der Begegnungszone sechs Ausweichstellen vorgesehen, damit grosse Fahrzeuge aneinander vorbeikommen. Bischofberger ist aber der Ansicht, dass dies nichts nützt. Er habe berechnet, dass die Strasse 6,5 Meter breit sein müsse, sagt er. «Die fehlende Fahrbahnbreite ist verkehrstechnisch problematisch.»

Der Gemeinderat sieht dies anders. Im Bericht führt er aus, dass die Durchfahrbreite so festgelegt worden sei, dass sich ein schweres Fahrzeug wie ein Lastwagen und ein Auto mit einer Geschwindigkeit von 20 km/h problemlos kreuzen könnten. Eine breitere Strasse würde hingegen der Idee der Begegnungszone zuwiderlaufen. «Eine Verbreiterung hätte zur Folge, dass die signalisierte Geschwindigkeit von 20 km/h nicht eingehalten würde.»

Die VZO rechnen noch

Wer hat nun Recht? Wird die Fahrbahn zu einem Problem für grosse Gefährte oder nicht? Jemand, der eine Antwort darauf haben müsste, sind die Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland (VZO), die neben dem Bahnhof einen Bushof unterhalten somit und schon heute mit grossen Bussen auf der Dorfstrasse unterwegs sind.

VZO-Direktor Werner Trachsel gibt sich neutral: «Die Auswirkungen der geplanten Begegnungszone werden von den VZO zurzeit analysiert», schreibt er auf Anfrage. «Mit verkehrsplanerischen Instrumenten versuchen wir abzuschätzen, ob, wann und wie oft wegen der tieferen Durchschnittsgeschwindigkeit und den Kreuzungspunkten Fahrzeitverluste entstehen, die sich negativ auf den Anschluss an die S-Bahnen auswirken.» Die Ergebnisse seien noch offen. «Sollten aber Massnahmen nötig werden um Zeitverluste zu reduzieren, werden die VZO dem Gemeinderat ihre Vorschläge unterbreiten», sagt Trachsel weiter.

Die Dorfstrasse wird also Verkehrsplaner und Behörden noch einige Zeit beschäftigen. Und auch die Gemeindeversammlung, die am 4. März über den Baukredit von 875'000 Franken abstimmt, wird in dieser Sache wohl kaum das letzte Wort sprechen.

Erstellt: 31.01.2019, 15:39 Uhr

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