Zürichsee

Der Zürichsee ist in Sommernächten eine Hitzeinsel

Der Kanton Zürich stellt den Gemeinden neue Karten zur Verfügung, welche die Hitzebelastung aufzeigen. Dabei zeigt sich, dass der Zürichsee nachts zu den wärmsten Gebieten gehört.

In warmen Sommern ist der Zürichsee in der Nacht ein gewaltiger Wärmespeicher – das zeigt auch die neue Wärmebelastungskarte des Kantons Zürich.

In warmen Sommern ist der Zürichsee in der Nacht ein gewaltiger Wärmespeicher – das zeigt auch die neue Wärmebelastungskarte des Kantons Zürich. Bild: Archiv Michael Trost

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Nachts um vier Uhr ist der Zürichsee eine rote Fläche. Während sommerlichen Hitzeperioden ist die Wärmebelastung ähnlich hoch, wie in der dicht bebauten Stadt Zürich. Das zeigen neue Klimakarten der Baudirektion des Kantons Zürich.

Warum der Zürichsee zu den heissesten Orten im Kanton zählt, hat einen physikalischen Grund: Bleibt es im Sommer lange heiss, ist auch die Temperatur des Sees hoch. In der Nacht ist die Wassertemperatur oft höher als die Lufttemperatur, wie Gian-Marco Alt, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Amt für Abfall, Wasser Energie und Luft (Awel), erklärt.

Wärmere Nächte

Am Tag wirkt der See hingegen entlastend, was sich auch auf der Wärmebelastungskarte zeigt. Tagsüber ist ein Bad im Zürichsee also durchaus kühlend. In der Nacht wird es in Ufernähe wärmer, allerdings nicht sehr stark spürbar, wie Alt sagt.

Tagsüber wird es vor allem dort warm, wo grosse Gebäude stehen. Etwa am Horgner Bahnhof Oberdorf, bei Lindt&Sprüngli in Kilchberg oder in den Gewerbegebieten in Thalwil und der Au. Am rechten Zürichseeufer ist die Belastung beispielsweise im Gewerbegebiet Laubisrüti in Stäfa hoch, dort wo Firmen wie Sonova und Sensirion ihren Sitz haben oder beim Bahnhof Meilen, in der Umgebung der Midor.

Im Bereich dieser «Wärmenester» steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es in heissen Sommern zu sogenannten Tropennächten kommt. Das bedeutet: Die Temperatur sinkt auch während der Nacht nicht unter 20 Grad ab. Ende Juni 2017 war dies beispielsweise auch am Zürichsee der Fall.

Parks und Grünflächen sollen helfen

Die Karten sollen den Gemeinden bei der Siedlungsplanung helfen. Der Kanton empfiehlt, Ausgleichsflächen zu schaffen. Gemeint sind Parks, Grünflächen oder Wasserflächen. Diese reduzieren die Wärmebelastung. Wo schon alles gebaut ist, wie in den genannten Beispielen, wird das kaum möglich sein. Die Klimakarten seien in erster Linie ein Hilfsmittel bei der Planung künftiger Siedlungsgebiete, so der Experte.

Einen Widerspruch zum allgemeinen Vorsatz des verdichteten Bauens, das «Wärmezentren» begünstigt, kann Gian-Marco Alt nicht verneinen. Doch auch im Kleinen sei es möglich der Belastung entgegenzuwirken, wie durch Begrünung, schattige Elemente oder kleine Wasserflächen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 20.06.2018, 16:20 Uhr

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