Verkehr

Der Winter bedeutet Dichtestress in den Bussen

Bei schlechten Strassenverhältnissen lassen immer mehr Pendler ihr Auto zu Hause stehen. Die Konsequenzen: Die Busbetriebe der Region können den Ansturm in den Hauptverkehrszeiten kaum noch bewältigen.

Ist es draussen kalt und trüb, lassen viele ihr Auto zu Hause stehen und steigen auf den öffentlichen Verkehr um.

Ist es draussen kalt und trüb, lassen viele ihr Auto zu Hause stehen und steigen auf den öffentlichen Verkehr um. Bild: Archiv ZSZ

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Ist es draussen rutschig, kalt und dunkel, dann lassen viele ihr Auto zu Hause in der Garage stehen und steigen auf den öffentlichen Verkehr um. So jedenfalls nehmen es die hiesigen Busbetriebe wahr. «Vor allem in den Monaten Dezember bis Feb­ruar stellen wir jeweils­ ein erhöhtes Fahrgastaufkommen fest», sagt Joe Schmid, Leiter Angebot und Markt bei den Verkehrsbetrieben Zürichsee und Oberland (VZO).

Je nach Buslinie seien es derzeit bis zwischen 10 und 20 Prozent mehr Passagiere. Auch Marco Graf, Abteilungsleiter Marketing der Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn (SZU), die auch für den Betrieb der Zimmerbergbusse verantwortlich ist, bestätigt diesen Trend. «Bei schlechten Strassenverhältnissen überlegen sich viele, anstelle des Autos den ÖV zu benutzen.» Graf spricht von gut 10 Prozent mehr Fahrgästen, die die Zimmerbergbusse in den Wintermonaten ausserhalb der Schulferien transportieren.

«Bei schlechten Strassenverhältnissen überlegen sich viele, anstelle des Autos den ÖV zu benutzen.»Marco Graf, Abteilungsleiter Marketing der Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn (SZU)

Dass der öffentliche Verkehr für viele Pendler dieser Tage plötzlich attraktiver wird, bleibt nicht ohne Konsequenzen: In den Hauptverkehrszeiten am Morgen zwischen 6.30 und 8 Uhr stossen immer mehr Buslinien an ihre Kapazitätsgrenzen. Seit Ende Dezember setzen die VZO deshalb bereits neun Entlastungsbusse auf ihrem Netz ein – dar­un­ter etwa auch auf der Buslinie 922 ab Bahnhof Meilen bis Allmend und auf der 842 von Oetwil Zen­trum nach Bahnhof Uster. Um den Pendleransturm in den frühen Morgenstunden bewältigen zu können, verkehren die Ent­las­tungs­busse wenige Minuten vor dem fahrplanmässigen Kursbus. Für die VZO und ihre Kunden hat diese Massnahme gleich zwei posi­tive Effekte: «Zum einen bieten die Entlastungsbusse zusätzliche Plätze, zum anderen ent­lasten sie die Kursbusse auch zeitlich und sorgen damit für zuver­lässige Anschlüsse», erklärt Schmid.

Unterstützung aus Zollikon

Wie die VZO am Montag in einer Mitteilung schreiben, seien per sofort auch auf den Strecken 880 zwischen Wolfhausen und Bubikon sowie 845 Uster Herracher und Bahnhof Uster Entlastungsbusse unterwegs. «Weil in den Morgenstunden jedoch bereits alle rund 100 VZO-Busse im Einsatz stehen, sind wir auf die Unter­stützung anderer Bus­be­triebe angewiesen», erklärt Joe Schmid. Konkret werde der zusätzliche Bus in Uster mit einem Fahrzeug der Firma Ryffel gefahren. Der Kurs der Linie 880 vom Stäfner Frohberg zum Bahnhof Rüti werde auf der Strecke zwischen Wolfhausen und Bubikon indes von einem Fahrzeug der Auto­busbetriebe Zürich-Zolli­kon-Küsnacht (AZZK) entlastet. Damit man künftig nicht mehr auf die Hilfe fremder Unternehmen angewiesen ist, sei auf den Fahrplanwechsel im Dezember 2019 hin die Anschaffung von vier zusätzlichen Fahrzeugen vorgesehen, sagt Schmid.

Derweil sind Entlastungsbusse bei der SZU kein Thema. «Prekäre Tage sind schwierig vorherzusehen», sagt Marco Graf. «Durch den vermehrten Einsatz von Gelenkbussen vermochten wir bislang stets alle Fahrgäste zu transportieren.»

Wenig Schnee ist oft prekärer

Bei Schneefall und Eisglätte sind aber auch die Linienbusse nicht davor gefeit, steckenzubleiben. Der Frust bei den Pendlern ist in jenen Fällen oft riesig. Viele echauffieren sich dar­über, dass bereits leichter Schneefall für mas­sive Verspätungen und Kursausfälle sorgt. Aussagen wie «Als wäre es eine Überraschung, dass es im Winter schneit» oder «In den Bergen hat es viel mehr Schnee, und dort funktioniert es doch auch» sind keine Seltenheit.

Doch wie Joe Schmid erklärt, sind es meist die kleinen Schneemengen, die zu grösseren Schwierigkeiten führen: «Oft ist es rutschiger, wenn es nur wenig schneit, da der Belag dann eher gefriert.» Bei angekündigtem Schneefall empfiehlt Schmid daher, mehr Reisezeit einzuplanen und lieber einmal einen Bus früher zu nehmen.

Erstellt: 21.01.2019, 21:08 Uhr

Chauffeure entscheiden

«Die Sicherheit geht vor»

Wenn es schneit und die Strassen glatt werden, dann kann es schon mal sein, dass die Pendler vergeblich auf den Bus warten. «Jeder Chauffeur trägt selber die Verantwortung für sein Fahrzeug und seine Passagiere», erklärt Joe Schmid von den Verkehrsbetrieben Zürichsee und Oberland (VZO). Entsprechend entscheide auch jeder Chauffeur selber, wann eine Weiterfahrt zu gefährlich und nicht mehr möglich sei.

Auch bei den Zimmerbergbussen gilt der Grundsatz «Sicherheit geht vor», wie Marco Graf von der Sihltal Zürich Uetilberg Bahn (SZU) bestätigt. «Unsere Transportbeauftragten kennen das Einzugsgebiet sehr gut und wissen, welches die neuralgischen Stellen sind.» So werde der Kreisel «Chrummbächli» auf der Linie 170 in Richterswil etwa erst befahren, wenn ihn der Strassenunterhaltsdienst gesalzen hat. Dies weil er ein starkes Gefälle aufweise und die Busse ins Rutschen bringen könne. Hierfür stehen die Busbetriebe in direktem Kontakt mit den Werkdiensten, die die Strassen, auf denen Buslinien verkehren, immer prioritär räumen. «Es gibt aber auch Haltestellen, die bei Schnee und Eisglätte nicht angefahren werden können. An den betroffenen Halteestellen ist ein «Winteraushang» angebracht, der auf diesen Umstand hinweist», erklärt Graf.

Die VZO können ausserdem bis zu fünf Busse mit Schneeketten ausrüsten. Diese kämen an neuralgischen Orten wie zum Beispiel auf dem Pfannenstiel oder zwischen Stäfa und Oetwil zum Einsatz. Zudem würden alle Fahrer regelmässig Fahrtrainings auf der Schleuderpiste absolvieren.

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