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Der Wanderweg, der immer weiterrutscht

Seit vier Jahren ist ein Spazierweg an Panoramalage in Feldbach aus Sicherheitsgründen gesperrt. Fast eine halbe Million hat die Gemeinde Hombrechtikon bereits investiert – doch der Hang kommt nicht zur Ruhe.

Herrliche Lage, gefährliche Strecke: Den Wanderweg Langgass in Feldbach säumt eine einsturzbedrohte Natursteinmauer. Talseitig wurde der Hang bereits abgestützt.
Herrliche Lage, gefährliche Strecke: Den Wanderweg Langgass in Feldbach säumt eine einsturzbedrohte Natursteinmauer. Talseitig wurde der Hang bereits abgestützt.
Sabine Rock

Der Wanderweg in der Hombrechtiker Langgass wirkt auf den ersten Blick nicht lebensgefährlich. Im Gegenteil, das Gefälle ist harmlos und der Ausblick erhebend. Trotzdem ist es verboten, hier durchzugehen. Von Steinschlaggefahr künden die Schilder auf beiden Seiten eines knapp 100 Meter langen Abschnitts. Nicht wenige Spaziergänger ignorieren sie.

Die Leidensgeschichte der Langgass begann im Februar 2013, als man feststellte, dass der Spazierweg sich abgesenkt hatte. Er verläuft entlang dem Hang, an dem Reben wachsen, bis hinab zu den Gleisen beim Bahnhof Feldbach. Vier Jahre und unzählige Messungen später ist klar: Es handelt sich um einen Rutschhang, der auch in Zukunft nicht zur Ruhe kommen wird. Das Erdreich reagiert, vereinfacht gesagt, empfindlich auf ober- und unterirdische Wassermassen.

Nicht dauerhaft gelöst

Die Gemeinde Hombrechtikon hat kürzlich den Kredit abgerechnet für die Arbeiten, mit denen der Hang unterhalb des Weges stabilisiert wurde. Der Gesamtkredit betrug 552 000 Franken. Die Rechnung schloss 107 000 Franken darunter ab. Unter anderem wählte die Gemeinde ein günstigeres Tiefbausystem: Errichtet wurden so genannte Ribbert-Verbauungen aus Stahl.

An diesen wird bereits Kritik laut. Ein in der Nähe wohnhafter ZSZ-Leser bezeichnet die Stahlplanken als «scheusslichen Rosthaufen». Die Verbauung sei nicht nachhaltig, da sie über kurz oder lang wieder repariert werden müsse. Die Gemeinde hält dem entgegen, dass die Konstruktion lediglich den Wegbereich und nicht den gesamten Hang zu stützen vermöge. Sie soll für ungefähr 50 Jahre halten. «Eine eigentliche Hangsicherung hätte unverhältnismässig höhere Kosten verursacht», sagt Tiefbau- und Werkvorsteherin Jeannette Honegger (SVP).

Weil weiterhin mit Rutschbewegungen im Hang zu rechnen sei, müsse voraussichtlich auch die Stützkonstruktion innerhalb der nächsten 50 Jahre einmal erneuert werden. Während dieser Zeit bestehe aber kein Dauerhaftigkeitsproblem – «auch wenn der Stahl vollflächig rostet».

«Sind nicht im Ballenberg»

Ursprünglich plante die Gemeinde, die Ribbert-Elemente mit vorangestellten Steinkörben zu kaschieren. Auch hätten die Terrassen zwischen den Sicherungen bepflanzt werden sollen. Mit den Grundeigentümern habe man sich diesbezüglich aber nicht einigen können, sagt Honegger.

Das Land unterhalb des Weges gehört der Stäfner Weinbauernfamilie Menzi, die dort einen Rebberg bewirtschaftet. Peter Menzi betont auf Anfrage, dass sich die Gemeinde Hombrechtikon stets engagiert habe, um Schaden vom Rebland abzuwenden. Steinkörbe und andere Dekorationsmassnahmen hält er jedoch für übertrieben: «Wir betreiben hier Landwirtschaft, nicht einen zweiten Ballenberg.» Man dürfe ruhig sehen, dass ein Eingriff im Gelände stattgefunden habe. Abgesehen davon werde die Natur von selbst wieder für eine Begrünung sorgen. «Dafür muss man nicht für viel Geld seltene Pflanzen herbeischleppen», findet Menzi. Einzig etwas Geduld sei von den Spaziergängern gefragt, die sich an den Beton- und Stahlelementen störten.

Gemeinde lehnt Haftung ab

Geduld brauchen Wanderer in Feldbach auch weiterhin, was ihre Routenwahl angeht. Denn die Langgass bleibt wohl bis Sommer 2018 gesperrt. Schuld daran ist nun nicht mehr der talseitige Hang, sondern die bergseitige Stützmauer aus Naturstein. Sie war nach den Unruhen im Erdreich in Schieflage geraten, gilt als einsturzgefährdet und muss saniert werden.

Noch über ein Jahr werden also die Steinschlag- und Verbotstafeln in der Langgass stehen – und öfters umgangen. Der Gemeinderat betont, er lehne jegliche Haftung ab.

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