Der Tourismus schwächelt in der Region Zürichsee

Fast alle Regionen um Zürich verzeichnen einen Aufschwung bei den Logiernächten. Einzig rund um den Zürichsee sind die Zahlen rückläufig.

2018 waren die Übernachtungszahlen vielerorts am Zürichsee rückläufig. Das Belvoir kann jedoch ein Hoch verzeichnen.

2018 waren die Übernachtungszahlen vielerorts am Zürichsee rückläufig. Das Belvoir kann jedoch ein Hoch verzeichnen. Bild: Archiv Patrick Gutenberg

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Rekorde sind etwas für die Stadt Zürich. In den Gemeinden am Zürichsee sind bezüglich Hotels und Übernachtungszahlen zuletzt eher negative Nachrichten zu vernehmen. Das Bundesamt für Statistik gibt die genauen Zahlen für Gemeinden und Städte heraus, in denen mehr als zwei Betriebe Zimmer anbieten. Die meisten Orte aus den Bezirken Meilen und Horgen schaffen es nicht in diese Statistik.

Thalwil, Schönenberg (bis Ende 2018), Adliswil, Meilen, Langnau und Erlenbach zählen nur je einen Betrieb. In Rüschlikon, Küsnacht, Stäfa und Männedorf zählt das BfS zwei Anbieter. Auch Zumikon ist im letzten Jahr unter die Grenze von drei Hotels gefallen. Genaue Zahlen gibt es deshalb nur aus Richterswil, Wädenswil, Horgen und Rapperswil-Jona.

Dabei zeigt sich, dass vor allem die Rosenstadt schwierige Zeiten hinter sich hat. Ständig schliessende Betriebe, von acht Betrieben im Jahr 2015 zu vier 2018, sorgen für schlechte Zahlen. Zuletzt hatte es den «Schwanen» und den «Hirschen» in der Altstadt getroffen. Innerhalb von vier Jahren sind die Logiernächte in Rapperswil-Jona von 36265 auf 26607 gesunken. Diverse im Bau befindliche oder projektierte Hotels sollen hier bald Linderung bringen.

Fast immer weniger Gäste

Die gesamte Region muss ein leichtes Minus von 1,8 Prozent bei den Logiernächten verzeichnen. In Zahlen wurden 496475 Nächte in der Region Zürichsee gebucht. In den letzten Jahren ging es meistens bergab, von 524686 Logiernächten im Jahr 2014 ging es runter auf 489888 2016. 2017 dann ein kleines Hoch mit 505350 Logiernächten.

Am meisten Gäste zieht Horgen an. Im vergangenen Jahr hat der Bezirkshauptort allerdings auch zum Minus beigetragen. Obwohl Horgen mittlerweile fünf statt vier Betriebe zählt. 2017 wurden hier noch 53319 Logiernächte gezählt, 2018 waren es nur 51376. Positiv ist das Ergebnis in Rüschlikon, wo vor allem das Hotel Belvoir die Gäste abholt. Als das Dorf noch drei Betriebe zählte, im Jahr 2017, lagen die Logiernächte bei 25857.

«Für das Hotel Belvoir war 2018 ein Rekordjahr.»Martin von Moos, Geschäftsführer Hotels Belvoir und Sedartis

Letztes Jahr verzeichnete das Belvoir einen Zuwachs von 6,4 Prozent und einem Umsatzzuwachs von sechs Prozent. «Für das Hotel Belvoir war 2018 ein Rekordjahr», sagt Martin von Moos, Geschäftsführer der Hotels Belvoir und Sedartis in Thalwil. Auch beim Sedartis will sich von Moos nicht beklagen, es habe ein sehr gutes Jahr hinter sich. In Wädenswil verzeichneten drei Betriebe im letzten Jahr 17906 Übernachtungen, 4000 mehr als vier Betriebe 2015.

Am linken Ufer wird dieses Jahr noch etwas Bewegung in die Hotellerie kommen, wenn im Sommer das Hotel Alex in Thalwil eröffnen soll. Es wird Gäste im Luxussegment ansprechen. Für von Moos ist das Hotel deshalb keine direkte Konkurrenz für das Vierstern-Hotel Sedartis, eher eine Bereicherung. Man habe sich auch früher, als das Hotel noch Alexander hiess, gegenseitig aushelfen können, etwa wenn es für eine Hochzeitsgeselllschaft zuwenig Zimmer gehabt hatte.

Teure Immobilien

Ruhig ist die Lage im Bezirk Meilen. Sichere Werte sind das Romantik Seehotel Sonne in Küsnacht und das Hotel Boldern in Männedorf. Und sonst? Zumikon musste bis 2017 einen Niedergang auf 3655 Logiernächte hinnehmen. Noch 2014 waren über 5000 Nächte gebucht worden. Auch als in Küsnacht drei Betriebe gezählt wurden, zuletzt 2014, waren die Zahlen stets zurückgegangen. Dass sich wenig neues tut an der Goldküste, bestätigt Martin von Moos, Direktor der Zürcher Hoteliers. Er vermutet, dass das mit den hohen Immobilienpreisen zusammenhängt. Das ist übrigens auch ein Grund, warum in Zürich vermeintlich billige Hotelketten happige Preise verlangen.

Erstellt: 26.02.2019, 17:51 Uhr

Die Gäste strömen vor allem in die Stadt Zürich

2018 stieg die Zahl der Logiernächte in der Tourismusregion Zürich um über fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch die Wertschöpfung pro Zimmer hat zugelegt. Und das trotz immer grösser werdender Konkurrenz durch die Plattform Airbnb. Am besten steht die Stadt Zürich da mit einem Plus von 7,9 Prozent bei den Logiernächten. Aber auch die sogenannte Subregion Zürich, zu der neben der Stadt die Flughafenregion, das Knonauer Amt und das Limmattal gehören, konnte bei den Logiernächten ein Plus von 6,3 Prozent verzeichnen. Gesamthaft besuchten knapp 6,3 Millionen Gäste die Tourismusregion. Vor allem aus Europa kamen wieder mehr Gäste. Am meisten kamen aus der Schweiz, dahinter folgten Nordamerika und Deutschland.

Kampf für Kongresszentrum

Die Verantwortlichen von Zürich Tourismus und der Zürcher Hoteliers haben also allen Grund, zufrieden zu sein. Dennoch erinnerten sie einmal mehr daran, dass sie sich ein Kongresszentrum wünschen. Nachdem die Initiative für ein Kongresszentrum auf dem heutigen Carparkplatz beim Hauptbahnhof zurückgezogen worden ist, werde nach neuen Lösungen und möglichen Standorten gesucht, sagte Martin von Moos, Präsident der Zürcher Hoteliers, an der Medienkonferenz zum Tourismusjahr 2018. Klar sei aber, dass gegen den Willen der Stadt nichts gehe.

Guglielmo Brentel, Präsident von Zürich Tourismus doppelte nach: Grössere Kongresse mit über 1000 Teilnehmern könnten bei der heutigen Infrastruktur nicht durchgeführt werden. Im Vergleich zum weltweiten Durchschnitt liege die Teilnehmerzahl in Zürich halb so hoch. Als zentral bezeichnete der Präsident den Flughafen. Mehr als die Hälfte der Touristen kämen direkt am Flughafen Zürich an. Auch wenn er sich gegen Massen von Billigtouristen aussprach, die schon wegen der Preise in Zürich kaum kommen, forderte Brentel viel Freiheit für den Flughafen.

Kein Preiszerfall in Zürich

Sind in letzter Zeit vor allem in der Stadt neue Hotels in Betrieb genommen worden, werden in der Region des Flughafens bald neue Zimmer bezugsbereit sein. Bis 2021 rechnet Martin von Moos mit 3000 neuen Zimmern. Unter anderem wird bis dann das Grossprojekt The Circle mit zwei Hotels fertiggstellt sein. Erstaunlich ist, dass es in Zürich noch zu keinem Preiskampf gekommen ist trotz diverser Neuankömmlinge, die etwa in Deutschland eher als Billiganbieter bekannt sind. «Viele merken schnell, dass die Kosten hier viel höher sind als in Berlin», sagte Martin Sturzenegger, Direktor von Zürich Tourismus. Die Immobilienpreise seien eben viel höher, ebenso wie die Personalkosten.

Mühsam ist für die Hoteliers auch der Inländervorrang, der seit dem 1. Juli 2018 gilt. In mehreren Bereichen der Hotellerie liegt die Arbeitslosigkeit über dem Grenzwert von acht Prozent. Trotzdem fehlen noch immer Fachkräfte. Wie ist das möglich? Martin von Moos erklärte das damit, dass die Statistik täusche: «Bei den arbeitslosen Köchen tauchen auch Spüler auf oder Personen, die eine Kochlehre gemacht haben, danach aber 20 Jahre lang einen anderen Beruf ausgeübt haben.» Die Hoteliers würden aber gut mit den RAV und der Zürcher Volkswirtschaftsdirektion zusammenarbeiten.

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