Stäfa

Der Rotschopf und der Alte sind wieder da

Die Holzskulpturen Üri und Koni, die von Vandalen zerstört wurden, sind zurück auf ihrem alten Platz. Möglich wurde dies dank privater Spenden an den Ortsverein Ürikon.

Zurück in Ürikon: Üri und Koni, zwei zerstörte Holzfiguren, sind wieder repariert.

Zurück in Ürikon: Üri und Koni, zwei zerstörte Holzfiguren, sind wieder repariert. Bild: Michel Wenzler

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Der Akkubohrer surrt, und einen Moment später lehnt an dem Bänkli wieder ein alter Bekannter: die Holzfigur Üri, ein älterer Herr mit Gilet, den der Oetwiler Holzkünstler Richi Merk an der roten Latte der Bank befestigt hat. Mit Koni, einem kecken Jungen mit rotem Haar, hat er etwas mehr Arbeit: Der Jungspund ist ein bisschen widerspenstig und lässt sich nicht so einfach auf seinen Sockel auf dem roten Stein einpassen.

Üri und Koni – sie gehören schon seit einigen Jahren zum Ortsbild von Ürikon. Ihre Namen verweisen denn auch auf den Stäfner Ortsteil. Doch die letzten zwölf Monate hielten Spaziergänger, die an der Ecke der Ritterhausstrasse und der Stationsstrasse vorbeikamen, vergebens nach den beiden Ausschau: Vandalen hatten die Holzskulpturen entführt und zerstört. Üri hackten sie den Arm ab, Koni wurde gar geköpft. Sein Haupt tauchte später in einem Müllcontainer wieder auf.

Im Mai 2018 nahm die Vandalenserie ihren Anfang: Der kleine Rotschopf vor dem Anschlag (links) und nach der Attacke: Unbekannte hatten ihm gezielt den Kopf abgeschlagen. Bild: PD

Konis Kopf gab nichts mehr her

Die Täter wurden nie gefunden, obwohl der Ortsverein Ürikon, dem die Figuren gehören, Anzeige erstattete. Die Polizei interessierte sich dabei sehr für den Holzkopf. Die Ermittler nahmen DNA-Proben vom Rotschopf, der nun sogar bei der Polizei aktenkundig ist. Aber: «Es ergab keine Treffer in der Datenbank», sagt Andreas Rudin vom Ortsverein.

Dank Spenden stehen die beiden Holzfiguren nun wieder beim Bänkli neben dem Üriker Spritzenhäuschen. 2500 Franken hat ihre Wiederherstellung gekostet. Üris abgehackter Arm ist nach einem Aufenthalt in der Intensivstation bei Holzkünstler Merk vollständig genesen. Für Koni, wen wunderts, war hingegen Hopfen und Malz verloren. Wer einmal seinen Kopf zerbrochen hat, kommt eben nicht mehr so schnell auf die Beine. Merk hat deshalb eine neue Skulptur geschaffen, erneut aus Zedernholz. Sie ist der bisherigen – einem am Boden kauernden Jungen – sehr ähnlich.

Holzkünstler Richi Merk hievt Koni - neugierig beobachtet vom alten Üri - auf seinen Platz. Foto: miw.

«Koni ist aber etwas älter geworden», sagt Rudin. «Seine Gesichtszüge sind reifer.» Möglicherweise ist der vorwitzige Kerl also jetzt weniger ungestüm und nimmt nicht mehr so schnell Reissaus. Dem Ortsverein wäre es denn auch wohl, wenn Koni in seinem Gärtchen beziehungsweise auf seinem Stein im Kiesbett vor dem Bänkli bliebe. Der Vorstand hatte nach den Vorkommnissen gar überlegt, ob er Üri und Koni erneut an der exponierten Stelle aufstellen wolle. Aber von Vandalen mochten sich die Verantwortlichen nicht abschrecken lassen. «Die Figuren sollen nicht versteckt sein, sondern möglichst viele Passanten erfreuen», sagt Gustav Wantz, Vizepräsident des Ortsvereins.

Eine junge Verehrerin grüsst zum Abschied

Schon während Merk die Figuren montiert, geht Wantz’ Wunsch in Erfüllung. Zuerst dreht sich ein Senior, etwas älter als Üri und an Stöcken unterwegs, verwundert um, als er an den Skulpturen vorbeigeht. Und später schaut ein Mädchen, ein bisschen jünger als Koni, staunend von der anderen Strassenseite herüber, während die Mutter mit dem Handy die Arbeiten festhält. Als die beiden dann weitergehen, ruft die Kleine dem Rotschopf ein fröhliches «Tschau» zu.

«Koni ist etwas älter und reifer geworden.»Andreas Rudin, Ortsverein Ürikon

Koni schaut ihr nach, er sitzt mittlerweile auf seinem Sockel. Richi Merk hat ihn hochgehoben und eingepasst. «20 bis 30 Kilogramm ist er schwer», sagt der Künstler. Genau weiss er es nicht – vielleicht hängt es jeweils davon ab, wie viele Flausen der Junge gerade im Kopf hat. Am Montag sind ihm aber die Spässe wohl vorerst vergangenen. Denn kaum sind er und Üri an Ort und Stelle festgeschraubt, beginnt es zu schütten. So stehen die beiden im Regen – nicht zum ersten Mal.

Erstellt: 12.08.2019, 21:27 Uhr

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