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Der rote Freund mit der dicken Haut

Die Kunst am Bau der neuen Kinderstation Brüschhalde hat der Zumiker André Becchio gestaltet. Sein rotes Nilpferd soll den jungen Patienten ein Stück Gemütlichkeit vermitteln.

Auf ruhige Art präsent: Künstler André Becchio hat auf seiner Skulptur Platz genommen.
Auf ruhige Art präsent: Künstler André Becchio hat auf seiner Skulptur Platz genommen.
Michael Trost

Dieses Tier bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Auf dem Bauch und mit ausgestreckten Vorderbeinen liegt es da, in leuchtendem Rot, ein Lächeln auf den Stockzähnen. Man kann darauf sitzen, liegen, stehen – dieses Nilpferd hat buchstäblich einen breiten Rücken. Ein paar Meter dahinter erhebt sich der streng geometrische Neubau der psychiatrischen Kinderstation Brüschhalde.

Die Realität hinter den Fenstern ist ernst: Hier wohnen, meist für etwa drei Monate, 5- bis 14-Jährige mit schweren psychischen Störungen, etwa Aufmerksamkeitsdefizit und Hyperaktivität, aber auch Angsterkrankungen, Suizidgedanken oder Aggressivität.

Weitere Tiere folgen

Der Kontrast mit dem Nilpferd, nicht nur farblich, ist gewollt. «Ich wollte aufs Positive fokussieren», sagt André Becchio, der Erschaffer der Holzskulptur. Das sei wichtig für die Kinder, die in einer spannungsvollen Lebenslage hierher kommen – aber auch für deren Eltern, die ohne sie heimgehen müssen. Der 47-jährige Zumiker hat den Wettbewerb für Kunst am Bau gewonnen, den das kantonale Hochbauamt für die Brüschhalde durchführte.

Zum Projekt gehören noch weitere Tiere: ein Schwarm Fische, die Kinder und Erwachsene am Fuss der Anhöhe empfangen, sowie eine Kolonie von Pinguinen, die über das Areal verteilt sind. Diese Holzskulpturen sind noch nicht platziert; das Nilpferd jedoch besetzt seinen Platz bereits seit der Bauübergabe Mitte März. Insgesamt hat der Kanton für die Realisierung der Kunst am Bau 120 000 Franken eingesetzt.

Idee für ein Bilderbuch

«Die Figurengruppen sind spielerisch und humorvoll», schreibt die Jury – der auch Spitalvertreter angehörten – in ihrer Würdigung von Becchios Projekt. Es stehe «für Ruhe, Sicherheit und ist mit seiner Farbe speziell und aussergewöhnlich». Gefallen fand man auch an der Idee, «Das rote Nilpferd und seine Freunde» zu einem Bilderbuch auszubauen. «Auf Geschichten sprechen viele Kinder an», sagt dazu Becchio, als er für den Fotografen auf seiner Kreatur Platz genommen hat. Ihm schwebt ein Buch vor, das erzählt, wie Nilpferd, Pinguine und Fische ihre Bekanntschaft knüpften und in die Brüschhalde gelangt sind. «Man könnte es den Kindern auf der Station erzählen und sogar nach Hause mitgeben, als positive Erinnerung an diesen Ort.»

Der Holzkünstler ist ausgebildeter Sozialpädagoge und arbeitet zurzeit 50 Prozent als Schulsozialarbeiter in Küsnacht. Den Wunsch, einmal ein riesiges Nilpferd zu gestalten, trug er seit einer Reise in Südafrika mit sich herum. Der passende Mammutbaumstamm mit einem Durchmesser von 1,3 Meter lag schon länger in seinem Atelier. Sonst hätte er sich gar nicht getraut, diesen Wettbewerbsvorschlag einzureichen, denn: «So leicht kommt man nicht an ein solches Stück.» Becchio unterhält Kontakte mit Firmen, die aufs Fällen von Baumriesen spezialisiert sind. Was jetzt ein flachliegendes Nilpferd ist, stand einst aufrecht im Kanton Thurgau.

Nicht zu rau, nicht zu fein

André Becchios Arbeitsort ist ein alter Stall im Küsnachter Weiler Limberg. Die Abgeschiedenheit muss sein, denn die Kettensäge ist ein lärmiges Werkzeug. Mit einem Winkelschleifer verlieh der Künstler seinem Tier die Oberflächenstruktur. Nicht zu rau und nicht zu fein sollte sie sein, damit die Kinder sie gerne anfassen, beim Klettern aber auch Halt finden.

Aufwendig war schliesslich, dem Nilpferd ein «Bett» zu bereiten: Um Staunässe zu vermeiden, erhielt die Skulptur ein wasser-ableitendes Fundament mit Kiesabdeckung. Mit einem Bagger wurde das 3,8 Meter lange und über zwei Tonnen schwere Tier platziert – «und doch fand ich, als es so dalag, dass es ruhig noch grösser hätte sein dürfen», erzählt Becchio lachend. Das war aber ausgeschlossen, denn höher als einen Meter durfte das Kunstwerk gemäss Jury nicht sein: Bei aller Verspieltheit geht Sicherheit vor. Gerade an einem Ort wie der Brüschhalde.

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