Kantonsratsserie

Der Pragmatiker mit den grünen Überzeugungen

Verkehr und Umwelt unter einen Hut zu bringen, dies ist eines der wichtigsten Anliegen des Uetiker Kantonrats Christian Schucan (FDP). Dem Liberalen widerstrebt zu viel Ideologie im Parlament, wie er sagt.

Christian Schucan, FDP-Kantonsrat, im Restaurant Sonnenhof in Uetikon.

Christian Schucan, FDP-Kantonsrat, im Restaurant Sonnenhof in Uetikon. Bild: Moritz Hager

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Die Wahl des Lokals für das Gespräch mit der Redaktorin ist symptomatisch. Der Uetiker Sonnenhof gehört der Gemeinde, wurde aber im Baurecht abgegeben – Christian Schucan (FDP) ist nicht nur Kantonsrat, sondern auch Liegenschaftenvorsteher in Uetikon. Während das Restaurant dank der Sonnenstrahlen, die durchs Fenster fallen, seinem Namen mehr als gerecht wird, serviert die Kellnerin Kaffee und Gipfeli.

Schucan spricht ruhig, fast leise, aber in bestimmtem Tonfall. «Ich bin Familienvater und als solcher will ich auch meinen Kindern noch gute Bedigungen weitergeben», betont der FDP-Kantonsrat. «Für den verantwortungsvollen Umgang mit unseren Ressourcen», lautet der Leitspruch auf seiner Website denn auch. Seit 2015 sitzt er im Kantonsrat und ist ebenso lange Mitglied der Kommission für Energie, Verkehr und Umwelt.

«Anreize statt Verbote»

Bei so viel Umweltbewusstsein stellt sich die Frage, ob Schucan überhaupt in der richtigen Partei ist und nicht besser bei den Grünliberalen aufgehoben wäre. Der 49-Jährige schüttelt entschieden den Kopf. Sein Schmunzeln verrät, dass er diese Frage nicht zum ersten Mal hört. «Bei der GLP geht es mehr um Verbote, während wir mit Anreizen arbeiten», erklärt Schucan und verweist auf die lange Tradition der FDP bezüglich Umweltschutzfragen. Manche hätten das richtige Ziel, verfolgten dieses aber mit den falschen Mitteln.

«Ich will auch meinen Kindern noch gute Bedingungen weitergeben.»Christan Schucan

Als Paradebeispiel für fehlenden Pragmatismus nennt Schucan den Bau der Oberlandautobahn. Es gebe Ratskollegen, die völlig gegen den Individualverkehr seien, obwohl sie genau wüssten, dass es diesen brauche. «Die Autobahn ist aber inzwischen auf einem guten Weg», sagt der Unternehmer und aus seiner Stimme tönt eine gewisse Befriedigung. Einen Widerspruch zu seinen Überzeugungen sieht er darin nicht. «Verkehr ist immer ein Gesamtsystem, das aufeinander abgestimmt sein muss.» Für ihn liegt der Schlüssel zum nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen zudem in der Forschung zu nachhaltigen Technologien, wie der Informationsmanager und Informatiker betont.

Wer einen Blick auf die parlamentarischen Vorstösse wirft, die Schucan unterzeichnet hat, sieht zudem, dass er ÖV- und Strassenprojekte gleichermassen unterstützt. Derzeit liegt ihm mit dem neuen Wassergesetz aber ein anderes Projekt besonders am Herzen. Schucan hofft, dass der Kantonsrat dem umfassenden Entwurf bereits im Frühling zustimmen wird. Darin soll es unter anderem, um den Hochwasserschutz, die Wassernutzung und die Konzessionsthematik gehen.

«Gemeindebrille» beim Gymi

Ein grosses Thema im Rat war in den letzten Monaten auch die neue Mittelschule in Uetikon. Die Zusammenarbeit mit dem Kanton für das Areal am See sei auf einem guten Weg. Dass er nicht Mitglied der Bildungskommission ist, empfindet der ehemalige Schulpfleger als Vorteil: «In diesem Fall würde ich einfach zu sehr die Gemeindebrille tragen.»

Ansonsten kann er der Gleichzeitigkeit des kantonalen und kommunalen Amtes aber Positives abgewinnen. So habe er etwa das Bewusstsein, dass diejenigen, welche die finanziellen Konsequenzen tragen, auch bestimmen sollten. Für Schucan gibt es hier noch Verbesserungsbedarf. Und inwiefern prägt den gebürtigen Engadiner, der seit 29 Jahren im Kanton Zürich lebt, seine Herkunft? «Ein Bündner ist ein Schweizer wie jeder andere auch», sagt Schucan. «Aber die fantastische Natur im Engadin hat mich sicher geprägt.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 11.10.2017, 08:47 Uhr

Hineingehorcht

Ist Macht käuflich?
Christian Schucan: Ja, wie so vieles auf der Welt, aber zum Glück nicht unbegrenzt. Die viel wichtigere Frage ist, ob Macht verantwortungsvoll angewendet wird.

Wann verlieren Sie die Beherrschung?
Selten, wenn wider besseres Wissen absichtlich der falsche Weg eingeschlagen wird, dann mag dies schon an den Nerven zehren.

Mögen Sie Überraschungen?
Wieso auch nicht, das macht das Leben spannend. Es heisst nicht umsonst «Planung ersetzt den Zufall durch den Irrtum». Als Stratege lernt man flexibel in Bezug auf Überraschungen zu sein.

Haben Sie schon mal ans Auswandern gedacht?
Ja, als sich die Frage nach einer wissenschaftlichen Karriere stellte. Ich bin aber zu sehr Schweizer, als dass ich es längere Zeit im Ausland aushalten würde. Dies sieht man schon daran, dass wir unsere Ferien meistens in der Schweiz verbringen.

Was war als Kind Ihr Traumberuf?
Arzt, Historiker und Lokführer. Man kann sich vorstellen, dass mir bei dieser Breite an Interessen die Berufswahl nicht wirklich einfach gefallen ist. phs

Ratsgipfeli – Kantonsrätinnen und Kantonsräte aus dem Bezirk im Gespräch.

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