Erlenbach

Der neue Gemeindeschreiber hat eine sportliche Vergangenheit

Seit dem Frühling ist Daniel Keibach Gemeindeschreiber in Erlenbach. Schon in den ersten Monaten stellten sich ihm einige Herausforderungen.

Die Schifflände gefällt dem neuen Erlenbacher Gemeindeschreiber Daniel Keibach besonders gut.

Die Schifflände gefällt dem neuen Erlenbacher Gemeindeschreiber Daniel Keibach besonders gut. Bild: Michael Trost

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«Wenn ich auf dem Arbeitsweg über die Forch fahre und das erste Mal den Zürichsee sehe, ist das wie Ferien für mich», sagt Daniel Keibach. Dass der neue Erlenbacher Gemeindeschreiber sich am See sichtlich wohlfühlt, zeigt sich auch am Fototermin, als der Ustermer an der Schifflände posiert. Sein Lieblingsort in Erlenbach, wie er sagt. Er möge Wasser, dieses sei beruhigend, fügt er an.

Schon fast vier Monate ist der 51-Jährige im Amt. Im Gespräch mit ihm wird schnell klar, dass er in dieser Zeit keineswegs Ferien am See gemacht hat. Danach gefragt, auf welches Projekt er sich in Erlenbach am meisten freue, kommt er sogleich auf den Erlibacherhof zu sprechen. «Es ist super spannend und es geht vorwärts.» Aktuell saniert die Gemeinde den Saal und das Restaurant. Langfristig soll auf dem Gelände aber etwas Neues entstehen. Auch die Kommunikation ist ein Thema, das für Keibach Priorität hat. «Es wird mehr Medienmitteilungen und einen Newsletter geben», kündigt er an. Transparent sei Erlenbachs Kommunikation schon bislang gewesen, jetzt gehe man noch offensiver vor.

Internationaler als Hedingen

Gefordert war Daniel Keibach zudem beim Personal. So fielen gleich in seiner Anfangszeit von den 260 Stellenprozent im Finanzbereich 200 Prozent wegen Krankheit und Kündigung von Mitarbeitern aus. «Das haben wir inzwischen bereinigt», betont Keibach. Die Gemeinde hat mit Richard Häne nicht nur einen neuen Abteilungsleiter Finanzen eingestellt, sondern mit Sujin Suthagaran auch einen Mitarbeiter neu zum stellvertretenden Gemeindeschreiber befördert. Während der Chef der Finanzen schon über 60 ist, ist Sutagarans lediglich 21 Jahre alt. «Sachen wie das Alter oder Konventionen haben bei den Stellenbesetzungen keinen Einfluss», betont der Vater zweier Schulkinder. Ausschlaggebend seien die Leistung und das Potential.

«Sachen wie das Alter oder Konventionen haben bei den Stellenbesetzungen keinen Einfluss.»

Dass er auch für das Personal verantworlich ist, schätzt Keibach. «In einer grösseren Gemeinde hätte es einen Personalchef gegeben, da wäre das gar nicht möglich gewesen.» Auf die Gründe für den Wechsel von Hedingen im Säuliamt, wo er zuvor fünf Jahre als Gemeindeschreiber tätig war, nach Erlenbach angesprochen, nennt er ebenfalls die Grösse der Gemeinde. Zudem sei Erlenbach eine Topadresse. An die 50 Mitarbeiter führt er nun als Verwaltungschef. Er habe sich ernsthaft überlegt, ob er mit über 50 mit einem Wechsel nochmals Gas geben wolle, sagt er und ergänzt, dass es ein guter Entscheid war und er ihn nie bereut habe. «Ich wurde sehr offen aufgenommen.»

Verglichen mit dem kleineren Hedingen fällt Keibach auf, dass die Kunden internationaler seien. «In Erlenbach hört man am Schalter doch immer wieder Englisch.» Einen anderen Unterschied sieht er darin, dass das Amt juristisch fordender ist. Er habe schon einige Male mit Anwälten zu tun gehabt. «Man muss sehr gut überlegen, was man macht, denn wir bekommen Feedback», sagt Keibach und fügt an, dass er anspruchsvolle Aufgaben möge.

«Im Hintergrund»

Daniel Keibach hat die Ausbildung zum Gemeindeschreiber absolviert, obwohl diese nicht Pflicht ist. «Wenn ich etwas mache, will ich es recht machen», betont er und verweist auf seine weiteren Ausbildungen. So hat er einst Betriebswirtschaftlehre an der Universität St. Gallen studiert und das Sportlehrerstudium an der ETH absolviert. Der Bezug zum Sport markierte denn auch seinen Einstieg in die Verwaltungstätigkeit: 2008 wurde er in Wetzikon Leiter der Abteilung Sport und Jugend. Sport ist auch heute noch ein Ausgleich für ihn, wenngleich er schmunzelnd zugibt, dass er seit seiner Zeit als Sportlehrer 25 Kilo zugenommen habe.

«Ich bin in Wetzikon aufgewachsen und dort hätte man wohl lieber die Kirche abgerissen, als auf die Chilbi verzichtet.»

Positiv äussert sich Keibach zu den gewählten Amtsträgern, den Erlenbacher Gemeinderäten. «Sie sind in der ersten Woche alle vorbeigekommen, um sich vorzustellen», erzählt er. Ihm gefalle am Gemeinderat, dass er mutig sei. Als Beispiel dafür sieht er die genannten Personalentscheide. Über Gemeindepräsident Sascha Patak (FDP) sagt Keibach, dass er ihm viel Freiheiten gebe, aber da sei wenn er gebraucht werde. «Ich sehe mich als Organisator im Hintergrund», beschreibt er die Zusammenarbeit mit dem Politiker.

Privat an die Chilbi

Wie beurteilt er, dass er als Nachfolger von Hans Wyler in die Fussstapfen eines Gemeindeschreibers tritt, der 30 Jahre die Geschicke Erlenbachs leitete? «Das ist eine Herausforderung: Er wusste alles und war bei allem dabei», sagt Keibach. Von dem her kann ich gar nicht sagen, dass ich in seine Fussstapfen trete, aber ich bewundere, was er geleistet hat.»

Für Daniel Keibach ist indes noch Vieles in Erlenbach neu. Etwa der nächste grosse Termin im Dorf, die Chilbi, die vom 31. August bis 2. September stattfindet. Privat werde er sicher hingehen, verrät er. «Ich bin in Wetzikon aufgewachsen und dort hätte man wohl lieber die Kirche abgerissen, als auf die Chilbi verzichtet», sagt Keibach. «Ich spüre, dass es hier ähnlich ist.»

Erstellt: 13.08.2019, 15:23 Uhr

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